Die Schweiz und die EU haben sich so schön angenähert. Die Grenzen sind offen, und man fühlt - besonders am See - keinerlei Einschränkungen, wenn man von einem Land in das andere wechselt.
Es gibt zahlreiche tolle Events, die grenzüberschreitend in Konstanz / Kreuzlingen durchgeführt werden: der große Flohmarkt, das Kinderfest, das Oktoberfest, die internationale Nacht der Licher und sogar der weltweit einzige grenzüberschreitende Christopher Street Day.
Aber einen Termin im Jahr gibt es anscheinend, da werden die Grenzzäune aus der Mottenkiste geholt, entstaubt und am See wieder hoch gezogen. Da bekommt man einen Eindruck, wie es früher wohl gewesen sein musste, als man auf seinem Spaziergang am Bodensee vor der Grenze wieder kehrt machen musste.
Und was um Himmels Willen führt denn jetzt dazu, dass hier großflächig abgesperrt wird, und Menschen mit verschiedenfarbigen Bändchen herum laufen? --> Es ist das große Fest am See. In Konstanz heißt es
"Seenachtfest", in Kreuzlingen
"Fantastical".
Wir hatten schon einiges von diesen Festen gehört, waren bislang aber davon ausgegangen, dass sie genauso grenzüberschreitend sein würden, wie die anderen Events. Tja, weit gefehlt, denn die unterschiedliche Preisgestaltung würde wohl zu einem starken Ungleichgewicht in den Besucherströmen führen, und so baut man eben kurzerhand einen riesigen Zaun zwischen die 2 Veranstaltungen.
Zum Vergleich:
Seenachtfest - Konstanz:
Eintritt: 18,- €
was wird geboten: Kinderfest, Live-Bands, Ausstellungen, Fress- und Saufbuden, DJs bis 02:00 Uhr.
Speisen und Getränke auf's Festgelände mitbringen ist verboten.
Preise (geschätzt): Bier = 3,- €
Bratwurst = 3,- €
Crepe mit Nutella = 4,50 €
Fantastical - Kreuzlingen:
Eintritt: 5,- CHF (ca. 4,15 €)
was wird geboten: Kinderbelustigung, ganz viele Fahrgeschäfte, Heißluftballone, Live-Musik, Tanz-Vorführungen, Hochseilshow, Fress- und Saufbuden, DJs bis 03:00 Uhr.
Wir haben viele Leute gesehen, die sich ihre Getränke selbst mitgebracht hatten und am Seeufer auf Picknickdecken auf das Feuerwerk gewartet haben. Scheint also nicht verboten zu sein.
Preise: Bier: = 6,- CHF (ca. 4,90 €)
Bratwurst = 7,- CHF (ca. 5,80 €)
Crepe mit Nutella = 8,- CHF (ca. 6,60 €)

So, nun widerstrebt es uns ja schon einmal grundsätzlich, für ein Fest, bei dem sowieso noch alles extra gezahlt werden muss, Eintritt zu bezahlen. Aber 18,- € haut jawohl dem Fass den Boden raus, oder? 18,- € ??? Wofür denn? Für total unbekannte Bands, bei denen ich vorher gar nicht weiß, ob ich die gut finde? OK, Feuerwerk und Security wollen auch finanziert werden, aber das gilt für alle Feste, auch die ohne Eintritt.
Wir entschieden uns für die Schweizer Seite des Spektakels, bekamen unsere Eintrittsbändchen und mischten uns unter die Leute. Mann, war da was los. Die Menschen kommen aber auch von überall her. Anhand der Autokennzeichen weiß man ja, aus welchem Kanton es kommt. Hui, da sind aber einige weit gereist. Die Parkplätze sind schon Tage vor dem großen Event ausgeschildert. Da wird reichlich Platz gemacht, denn das Festgelände ist großflächig abgesperrt und überall wird der Verkehr von Männern in orangenen Westen geregelt, damit keiner auf die Idee kommt, er könne direkt zum See fahren und dort parken. Gut, dass wir zu Fuß gehen können ;-)

Hat von Euch schon mal jemand einen Autoscooter gesehen, bei dem jeder einzelne Wagen besetzt ist? Wir bislang noch nicht, aber hier war es so. Diese Fahrgeschäfte haben ihren Reiz auf die Jugend nicht verloren, und so dröhnte und blinkte es von allen Seiten. Die Fressbuden waren zahlreich und ebenfalls gut besucht. Überall bildeten die Leute brav Schlangen und warteten darauf, endlich ihre Bestellung loswerden zu können.
Wir waren ja nun hauptsächlich für das Feuerwerk da, und deshalb machten wir eine komplette Runde über das Festgelände. Überall an den besten Spots hatten sich die Leute schon mit ihren Decken und Kühltaschen ausgebreitet. Wahrscheinlich saßen die teilweise schon seit nachmittags da, um bloß die beste Sicht zu haben.
Wir wühlten uns so durch das Gedränge und fanden schließlich einen Platz, der uns ganz gut erschien. Dort standen wir dann auch, als es endlich losging um 22.10 Uhr. Die Konstanzer fingen an. Das Feuerwerk wurde von 2 Schiffen abgefeuert und war ganz nett nach etwa 15 Minuten war die erste Runde durch, und die Schweizer übernahmen. Für deren Feuerwerk standen wir an der perfekten Position, denn wir hatten tolle Sicht und waren ziemlich dicht dran. Und was die da an den Himmel gezaubert haben, war großes Kino. Wahnsinnig toll, groß und laut! Nach wieder 15 Minuten waren auch die Schweizer durch, und einige Leute machten sich schon daran, wieder die Bierbuden zu stürmen. ABER es kam ja noch das große Finale: Auf beiden Seiten der Grenze wurde nun gemeinsam aus allen Rohren gefeuert und der Himmel noch einmal richtig zum Strahlen gebracht. Herrlich! Zum Dank gab es denn auch einen großen Applaus vom Publikum und die Schiffe und Botte, die auf dem See unterwegs waren, hupten als Beifall.
Konstanz:
Kreuzlingen:
Beide zusammen:
Nach einigem Suchen und Anstehen gab es auch für uns eine Kleinigkeit zum Essen. Bis man hier mal eine Pommesbude gefunden hat .... *tzzz* Die Essensauswahl ist auf der Schweizer Chilbi eine andere als man es so von der deutschen Kirmes kennt. Es gibt auch Bratwurst und Zuckerbuden, aber viel häufiger findet man Raclette, asiatisches Essen aller Art (Thai, Vietnam, Indien); sogar Risotto und Hirsch-Kebab haben wir gesehen.
Uns war aber nach einer einfachen, ehrlichen Portion Pommes, und die hatten wir dann schließlich auch gefunden. Danach noch einen Crepe zum Nachtisch und zurück nach Hause. Fahrgeschäfte und Disco-Zelt überließen wir den anderen.