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Sonntag, 26. Mai 2013

Burgen und Mittelalter

Wie heißt es doch neuerdings: Nach Winter kommt Regen. Jedenfalls kann einen dieser Eindruck hier beschleichen. Der Wetterbericht hatte die desaströse Vorhersage für heute mit dem Hinweis beendet, man möge besser zuhause bleiben.

Neenee, nicht mit mir.

Für die Mittagszeit waren einige Auflockerungen versprochen worden, somit wählte ich ein Ziel in näherer Umgebung: Stein am Rhein. Nachdem Bine nun schon dort war, wollte ich diesen Besuch jetzt nachholen. Mit der Bahn ist man in bequemen 27 Minuten dort.


Zunächst ging es in einem Bogen über den Rhein und durch die wirklich malerische Altstadt. Dank des Wetters waren nur recht wenige Touristen unterwegs. Wie Bine schon treffend formulierte, fast ausschließlich Personen im Rentenalter. Mein eigentliches Ziel lag aber etwas weiter oben: Die Burg Hohenklingen, ein hervorragend restauriertes Gemäuer aus dem 12./15. Jahrhundert. Meine Erfahrungen in Schaffhausen hätten mich eigentlich warnen sollen, aber ich hatte es ja so gewollt - es schlängeln sich gefühlte 3000 Treppenstufen durch Weinberge und Buchenwald nach oben. Nach einer halben Stunde Aufstieg und nur mit Mühe die Fassung wahrend erreichte ich die Burg.

Das Gebäude ist nicht besonders groß, aber gut erhalten und kostenfrei zu besichtigen. Die Besitzer betreiben dort oben ein Restaurant. Im Ballsall fand leider eine private Feier statt, so dass dieser nicht zu besichtigen war. Vom Turm hat man einen perfekten Ausblick über die Stadt und den Rhein. Die Treppen dort hinauf sind aber recht abenteuerlich; zwar modern, aber die Durchlassöffnungen sind auf die abgebrochenen Körpermaße der Menschen aus dem Mittelalter ausgelegt. Nach einer Umrundung der Burg und einer Mittagspause mit Ausblick ging es dann wieder bergab.

Nach einer weiteren Runde durch die Altstadt besuchte ich noch die Klosterinsel Werd, etwa 800 Meter rheinaufwärds. Diese ist durch eine lange Holzbrücke mit dem Festland verbunden. Unter einem Kloster stellt man sich ja große Gebäudeanlagen vor, aber hier befindet sich nur ein kleines Häuschen mit einem Kapellenanbau, welches von Franziskanern seit 1959 bewirtschaftet wird. Die ganze Anlage ist toll gepflegt und erinnert eher an ein schwedisches Ferienhäuschen als an ein kirchliches Gebäude.


Und der Regen begann erst bei meiner Rückkehr in Kreuzlingen.

Pfingsten: Segeln auf der Ostsee

Mein Kollege D. hat vor einigen Jahren das Segeln für sich entdeckt. Wenn er an Wochenenden draußen war und sich den Wind um die Ohren hat pusten lassen, kommt er montags total relaxed und braun gebrannt ins Büro, und man merkt, wie viel Spaß er an der Sache hat.
Seit dem letzten Jahr ist er nun stolzer Besitzer eines eigenen Bootes und kann seinem Hobby noch häufiger nachgehen.
Natürlich waren wir Feuer und Flamme, als er vorschlug, uns mal mitzunehmen auf einen Törn. Schon vor Monaten hatten wir diese Verabredung getroffen und Pfingsten als Termin fest gelegt. Mitte Mai, da sollte doch das Wetter schon richtig toll sein, und Wind ist doch eh immer .... so dachten wir.
Wir hatten uns das komplette Wochenende frei gehalten, weil D. kurz vorher die Wetterprognosen checken wollte. Auch die Frage, ob wir einen Tagestrip machen würden oder eine Übernachtung mit einplanen, hielten wir uns offen, um alle Möglichkeiten zu haben.

Als Pfingsten näher kam, befanden wir uns mitten im schlechtesten Mai aller Zeiten in Hamburg; es war kalt, nass und ungemütlich, also kein bisschen so, wie wir es uns vorgestellt hatten. Aber am Mittwoch vor Pfingsten sagte die Wetter-App von D. bestes Sonnenwetter und guten Wind für Sonntag voraus, so beschlossen wir, am Sonntag und Montag auf große Fahrt zu gehen. Unsere Kollegin E. und D.s Tochter S. waren ebenfalls dabei. E. und ich teilten uns die Aufgabe, für die Verpflegung zu sorgen. Nils und ich trafen uns mit ihr auf dem Weg zum Liegeplatz des Bootes und fuhren dann in einem Auto weiter. Der Wagen war beladen, als würden wir ein halbes Jahr weg bleiben.

Am Hafen angekommen, gingen wir erst mal alle an Bord und besprachen die Pläne. Leider hatte sich das Wetter seit Mittwoch nicht besonders zum Guten gewendet, und auch die Prognosen hatten sich den trüben Tatsachen angepasst. Für Montag waren sogar Gewitter vorausgesagt. Um keine Risiken einzugehen, änderten wir also den Plan eines 2-Tage-Törn ab auf zunächst einen Tagesausflug und eine abendliche Entscheidung, ob wir vielleicht doch am Montag einen weiteren Ausflug wagen.
Das war der Deal, und so ließen wir die Koffer im Auto und beluden das Boot lediglich mit den Proviantkisten. Als alles verstaut war, zogen wir unsere Rettungswesten an und bekamen eine Sicherheitseinweisung. Außerdem zeigte uns D. auf der Seekarte, wie wir fahren würden und gab uns einen kleinen Einblick, wie man so eine Seekarte liest. Sehr interessant, wieder was gelernt.
Als wir startklar waren, legte der Skipper ab, manövrierte uns mit Motorkraft aus dem Hafen heraus und nahm Kurs auf Travemünde. Außerhalb des Hafens wurde es dann spannend, denn das Segel wurde ausgepackt, und wir bekamen jeder unsere Aufgaben. Nils durfte das Steuer übernehmen und E. und ich haben Taue zugeteilt bekommen, an denen wir entweder ziehen oder locker lassen mussten. Toll, da kamen wir richtig in Action und fühlten uns wie echte Seebären. Der Wind war nicht besonders stark, aber immerhin bewegten wir uns vorwärts, wenn auch nur mit 3 - 4 Knoten.
Ist er nicht toll?
Mit dem Steuern wechselten wir uns ab, wobei die Qualitäten der einzelnen Steuerleute doch stark unterschiedlich waren. Nils machte das super. Er konnte auf seine Erfahrung aus Kindertagen zurück greifen und wusste, wie der Hase läuft. Als ich das Ruder übernahm, hatten alle Angst, dass wir von der Küstenpolizei aufgegriffen werden würden und uns einer Alkoholkontrolle unterziehen müssten. Unglaublich, wie schwer das ist, so ein Boot auf einem geraden Kurs zu halten, wenn immer wieder Böen von der Seite kommen und einen in die andere Richtung drücken. Und wie gesagt: der Wind war lächerlich! Trotzdem fuhr ich schön im Zickzack-Kurs und gab somit den Anderen einen Grund zum Amüsement. Selbst S. lachte mich aus mit ihren 8 Jahren.
Als eine weitere Böe zusammen mit meinen Steuerkünsten dazu führte, dass sich das Boot bedrohlich auf die Seite neigte, wurde ich abgelöst. E. steuerte auch nicht perfekt, aber besser als ich war sie allemal.
Seeluft macht hungrig, so sagt man, und bereits nach wenig Zeit auf See verspürten wir alle den Drang nach einem zweiten Frühstück. Ich kroch hinunter in die Kabine, packte die Schätze aus den Proviantkisten aus und reichte alles nach oben. Dort machten wir es uns dann bequem - einer musste am Steuer bleiben - und verspeisten die mitgebrachten Köstlichkeiten. Es gab Gemüsesticks mit Dip, Obst, Brot, Frikadellen, Kräcker --> lecker! Als wir für's erste gesättigt waren, packten wir alles wieder nach unten in die Kabine und nahmen weiter Kurs auf Travemünde.
Kurz vor dem Einlaufen in den Hafen machten wir demütig Platz, denn von hinten kam ein großer Containerfrachter an. Der musste uns zwar grundsätzlich Vorfahrt gewähren, weil wir unter Segel fuhren, aber will sich schon mit so einem Riesen anlegen. Wir fuhren also zur Seite, drehten uns einmal langsam im Kreis, bis der Frachter vorbei war, und dann konnten auch wir in den Hafen einfahren. Trotz des ungemütlichen Wetters war eine ganze Menge los. Leute mit Windjacken und Mützen säumten die Kaimauern und beobachteten das Treiben auf dem Wasser. D. fuhr mit uns eine kleine Runde durch den Hafen, dann steuerten wir einen Gastliegeplatz an. Der war zwar als besetzt gekennzeichnet, aber es lag gerade niemand dort, so dass wir uns den Platz schnappten. Wir wollten ja nicht stundenlang verweilen, nur ein kurzer Boxenstop für ein Käffchen und einen Toilettengang. Der Mann, der an dem Boot nebenan am arbeiten war, half uns beim Anlegen und stellte den Tritt bereit, der uns das An-Land-gehen erleichterte. Segler helfen sich eben untereinander, das merkt man.
Nils macht sich bereit zum Anlegen.
Wir waren alle froh, auf schnellstem Weg ein WC aufsuchen zu können. Zwar gibt es an Bord eine Toilette, aber es ist schon etwas aufwendiger, sie zu benutzen. Man muss eine Klappe im Fußboden der Kabine anheben und einen Hebel umlegen. Ein weiterer Hebel in der Wand im WC muss umgelegt werden, dann kann man sein Geschäft verrichten. Danach muss man an einem weiteren Hebel ziehen und ihn immer auf und ab bewegen, um zu spülen und dann das überschüssige Spülwasser wieder abzusaugen. Abschließend wieder die Hebel in der Wand und im Fußboden zurück in die Anfangsposition bringen, und schon ist man fertig. Puh, ich war froh, dass es die Möglichkeit an Bord gab, aber noch froher, dass ich es nicht in Anspruch nehmen musste.
Kein Wind:  Die Ostsee war glatt wie ein Spiegel.
In der Kneipe / Bistro / Café an Land suchten wir uns einen Platz draußen - immer das Boot im Blick - und bestellten uns einen Kaffee. Danach machten wir noch einen kurzen Spaziergang, um uns die Beine zu vertreten und traten dann die Rückreise an. Mittlerweile war der Wind weiter abgeflaut, so dass es sich überhaupt nicht mehr lohnte, die Segel aufzuziehen. Den gesamten Rückweg bewältigten wir also mit Motorkraft. Die Ostsee war glatt wie ein Brett, zeitweise hatten wir wirklich keinen einzigen Windhauch.
Nachdem S. uns eine ganze Weile Richtung Heimathafen gesteuert hatte, durfte ich auch noch einmal mein Glück versuchen. Und siehe da: mit dem Motor fahren ist viel einfacher. Ich bräuchte zwar noch SEHR viel Übung, um richtig schön geradeaus zu fahren, aber es ging zumindest schon mal viel besser als vorher.
Nach einiger Zeit meldete sich der Hunger wieder, und wir stellten den Motor ab, ließen uns auf der Stelle treiben und tafelten wieder auf.
Zurück im Hafen, als D. das Boot sicher vertäut hatte, genehmigten wir uns ein Feierabendbier / -alster. Man, das tat gut. Wir berieten über das weitere Vorgehen und entschlossen uns, nach Hause zu fahren, da die Prognosen für das Wetter am Montag weiter mau waren. Das sollte uns aber nicht davon abhalten, diesen Sonntag in vollen Zügen bis zum Schluss zu genießen.
S. war es etwas langweilig mit uns, daher ließ sie sich von D. ihren Kescher und einen Eimer aushändigen und ging auf Fischfang ... naja, den Versuch. Da waren nur winzig kleine Fische, und die konnte sie gar nicht zu fassen kriegen, weil die viel zu tief schwammen, aber versucht hat sie es unermüdlich.
Zum Hafen gehört noch ein kleiner Strand mit Strandkörben, da gingen wir dann später hin. Voll bepackt mit unseren restlichen Vorräten bauten wir aus 3 Körben eine Strandkorb-Burg und machten es uns bequem. S. versuchte die Enten mit Brot anzulocken, und als sie das geschafft hatte, machte sie sich an die Aufgabe, den Enten den Schritt beizubringen, den sie vorher von E. übernommen hatte (1-2-3-4-5-6-nach vorne-nach hinten-zur Seite-ran). Es war zum totlachen, aber sie ließ sich nicht beirren und machte immer weiter. Wir hatten einen unglaublichen Spaß!
Irgendwann kommt ja immer der Zeitpunkt zum Abschied nehmen. Wir kehrten zurück zum Boot, sammelten unsere Siebensachen zusammen, machten so gut es ging klar Schiff und gingen von Bord.
Wir verabschiedeten uns vom Skipper und seiner Tochter und machten uns auf die Rückfahrt nach Hamburg.
Das war ein ganz toller Tag. Danke, D., dass Du uns mitgenommen hast. Daran werden wir noch ganz lange denken.

Am Montag schliefen wir uns erst mal ordentlich aus. Nach dem Frühstück setzte Nils sich an den PC und fing an, diverse Kündigungen für Verträge zu schreiben. Telefon, Mitgliegschaften, Versicherungen, ... da kommt einiges zusammen, das gekündigt werden muss.
Mir waren schon beim Frühstück die Augenlider zeitweise zugeklappt, daher legte ich mich "nochmal kurz" hin. Daraus wurden schließlich 4 Stunden. Davon habe ich die wenigste Zeit geschlafen, aber einfach dort gelegen und an nichts gedacht. Keine Gedanken, kein Antrieb, nur die pure Existenz. Ich war einfach total fertig von dem mangelnden Schlaf der letzten Tage. Das begann ja schließlich schon am Donnerstag. Seit dem hatte ich keine Nacht ordentlich geschlafen oder tagsüber mal die Gelegenheit gehabt, kurz durchzuschnaufen. Das hatte ich nun nachgeholt.
Am frühen Abend hatten wir uns dann in unserer Party-Location verabredet, um die Details abzustimmen und letzte Fragen zu klären. Somit steht nun alles, und das Versenden der Einladungen kann losgehen.

Montag, 20. Mai 2013

Himmelfahrt in Euskirchen

Brückentage sind bei der arbeitenden Bevölkerung von jeher sehr beliebt. Bei uns stehen sie derzeit sogar noch höher im Kurs, weil unsere Urlaubstage selten und kostbar geworden sind. Daher war das lange Himmelfahrt-Wochenende wie geschaffen für einen Kurzurlaub.

Nur wo ?

Eine Prüfung der Flugpreise nach Hamburg oder Hannover war ziemlich ernüchternd. Wenn eine Firma ein Monopol auf eine bestimmte Dienstleistung hat, braucht man nicht auf niedrige Preise hoffen. Die einzig günstige Alternative war ein Flug nach Düsseldorf - und diese Strecke ist auch von Hamburg mit dem Auto noch gut zu erreichen. Meine Wahl fiel dann auf ein nettes Hotel in Euskirchen in der Nähe von Bonn.

Die Anreise war für uns beide auf die eine oder andere (vorhersehbare) Art beschwerlich - Bine hatte etwas Stau und ich einen heillos verspäteten Regionalzug der Deutschen Bahn. Gegen 21 Uhr waren wir beide im Hotel. Es gab sogar ein Zimmerupgrade auf eine Executive Suite im obersten Stock - spitze !
Wobei sich genau dies als fragwürdig herausstellte, denn die Klimaanlage im Hotel funktionierte nicht richtig und heizte das Gebäude auf, anstatt es herunterzukühlen. Es war so warm im Zimmer, dass wir zeitweise ohne Decke schliefen. Und im Badezimmer hätte man Kakteen züchten können. Ganz abgesehen von der Dusche, deren Wassertemperatur erst bei 40 Grad anfing. Wir haben dafür dann die Badewanne benutzt.
Aber ansonsten war das Hotel sehr schön, das Frühstück wunderbar und die Lage für Ausflüge angenehm.
Immerhin war der Zimmerpreis sowieso schon ein Schnäppchen, und am Ende haben wir noch das Parken und die Benutzung der Wellnesseinrichtungen geschenkt bekommen.

Die letzte Nacht verbrachten wir bei Sonja und Volker in Düsseldorf, wo wir der "längsten Theke der Welt" einen Besuch nach dem letzten Heimspiel der Fortuna abstatteten. Holla, das war ein Trubel !

Am Sonntagmittag brachte Bine mich zum Düsseldorfer Flughafen, und dann ging es für uns beide wieder zurück in die entgegengesetzten Richtungen.

Sonntag, 5. Mai 2013

War was ?


Diese Frage kommt mir in den Sinn, wenn ich dieser Tage vor die Tür trete. Sonne (nicht immer), Wärme (auch nicht immer), die Vögel zwitschern, alles blüht...

Heute wollte ich die Probe auf's Exempel machen und bin daher ins St. Galler Oberland zum Wandern gefahren. Ich hatte mir eine 5 km lange Route ausgesucht, die von der Haltestelle Schwarzer Bären - benannt nach dem einzigen Haus weit und breit: einer Gaststätte - mehrheitlich bergab Richtung Stadtmitte führt. Schon kurz hinter der Haltestelle schlug mir die Natur ihre angenehmen Seiten um die Ohren: Grüne Hänge, Blumen, Vögel - und Kuhglocken !


Letztere begleiteten mich immer wieder entlang der Route. Der Weg ist sehr gut beschildert und führt sowohl an einem Bach und Teichen als auch an Industriegebäuden vorbei. Zum Schluss hat man eine hervorragende Weitsicht über St. Gallen und den Bodensee. Vor fast genau 3 Monaten stand ich an gleicher Stelle in über einem halben Meter Schnee. Jetzt konnte ich die angenehmen 18 Grad im T-Shirt genießen.

Nach meinem Hangabstieg genehmigte ich mir in der St. Galler Altstadt eine Kaffeespezialität und genoss die Sonne. War es auf der Hinfahrt noch streckenweise nebelig, so schien nun die Sonne und bot eine fantastische Fernsicht.

Also: War da was ?


Mittwoch, 1. Mai 2013

Verlängertes Wochenende mit Nils



Freitag:  Hamburg  -->  Baden-Baden; Wiedersehen mit Nils

10.30 Uhr, Hamburg, Nieselregen:
Ich begann meine Fahrt mit dem Auto. Der leichte Regen in Hamburg störte mich nur wenig, denn ich wusste ja, dass es gen Süden geht. Noch kurz ein Päckchen bei der Post abgegeben und dann ging es auch schon los auf die Autobahn. Soweit ging alles ganz gut, denn es war nicht all zu viel los. Hinter Soltau kam dann sogar die Sonne raus, und da war meine Welt natürlich komplett in Ordnung.
Der Plan war, dass ich alle 2 Stunden eine Pause mache, mir einen Kaffee gönne, mir die Füße vertrete und dann fröhlich weiter fahre. Denkste …. das klappte schon mal nicht. Als die ersten 2 Stunden rum waren, kam weit und breit keine Raststätte mehr, jedenfalls keine, die einladend aussah. Tanken musste ich noch längst nicht, also fuhr ich immer weiter.

14 Uhr, Raststätte Pfefferhöhe, Nieselregen:
Nun hatte die Blase doch sehr gedrückt, und ich musste anhalten. Wie immer war auf der Damentoilette Anstehen angesagt. Nachdem ich mich erleichtert hatte, schrieb ich Nils eine E-Mail, um ihn auf dem Laufenden zu halten. Versprochen ist versprochen.
Meine Schwarzbrotschnitten hatte ich schon während der Fahrt gegessen. Hunger hatte ich also nicht, daher machte ich mich wieder auf die Socken.

15 Uhr, Parkplatz Spielwald, strömender Regen:
Kurz hinter der Pfefferhöhe hat es megamäßig angefangen zu regnen. Die Pause war zwar noch nicht lange her, aber ich musste trotzdem einen weiteren Stopp einlegen, weil das Fahren wirklich sehr anstrengend war bei dem Regen. Ich hatte das Gefühl, ich müsste mal für 10 Minuten die Augen zumachen, aber das konnte ich irgendwie nicht. Da sind dauernd Leute am Auto vorbei gelaufen und das hat mich dann doch von meinem Nickerchen abgehalten. Da ich nicht völlig durchnässt weiter fahren wollte, verzichtete ich darauf, auszusteigen und ein paar Schritte zu gehen. Ich machte lediglich das Fenster ein Stückchen weit auf und inhalierte tief die frische Luft ein.
Und dann ging es weiter. Ich fuhr zurück auf die Autobahn und landete genau zwischen 2 LKWs. Die fuhren natürlich schön langsam. Überholen ging zunächst nicht, weil permanent der Verkehr von hinten heran strömte. Als der LKW hinter mir seinerseits zum Überholen ansetzte, nutzte ich die Gelegenheit und klemmte mich schnell davor. Der LKW schlingerte etwas und im Rückspiegel sah ich, dass hinter ihm noch ein weiterer LKW ausgeschert war und die beiden sich nun behakten. Der hintere Laster war schon bedrohlich nah an der Leitplanke dran. Ich sah zu, dass ich schnell aus dem Gefahrenbereich heraus kam.

Ca. 16.15 Uhr, irgendeine Raststätte, deren Namen mir entfallen ist, Hunde-und-Katzen-Regen:
Nachdem ich ein Wohnmobil wirklich brutal geschnitten habe, weil ich es einfach nicht gesehen habe, war es schon wieder Zeit für eine Pause. Der Regen ist immer noch schneller geworden, man kam kaum noch voran, weil es immer wieder aus unerfindlichen Gründen Staus gab. Ich legte einen Toiletten-Stopp ein und kaufte mir eine Cola.
Hinter der Raststätte ging es direkt in den nächsten Stau.

17.20 Uhr, Frankfurter Kreuz, strömender Regen:
Ich wollte einfach nicht mehr. Der Regen ging mir dermaßen auf den Sack, dass ich am liebsten irgendwo raus gefahren und im nächstbesten Hotel eingecheckt hätte. Die nächste Mail von Nilsi ging ein: Er teilte mir mit, dass er planmäßig am Bahnhof ankommen würde. Ich antwortete, dass er ein Taxi nehmen soll, da ich vor 18:30 Uhr auf keinen Fall am Hotel sein würde.

Ca. 18 Uhr, immer noch im Stau, immer noch strömender Regen:
Nils rief mich an, um mir mitzuteilen, dass er im Hotel angekommen war. OK, wenn er bis jetzt noch nicht geschnallt hatte, dass ich geladen war wie ein Revolver, dann dürfte er es nach diesem Telefonat dann doch begriffen haben.

18.30 Uhr, Baden-Baden, strömender Regen:
Endlich angekommen. Meine Blase platzte fast. Ich fuhr in die Tiefgarage des Hotels und parkte das Auto. Die wichtigsten meiner Siebensachen schnappte ich mir und suchte mir den Weg zur Lobby. Da ich keinen Handy-Empfang hatte, musste ich bei der Rezeption nach der Zimmernummer fragen. Der nette Herr dort ließ mich unterschreiben, ich bekam unsere Gästekarten und machte mich auf zum Zimmer 109. Erster Stock, das war mir ja gleich klar, daher nahm ich die Treppe nach oben. Pustekuchen, da waren die Zimmernummern, die mit 3 beginnen. Ich musste wieder runter und von der Lobby aus eine Etage nach unten.
Auf mein Klopfen öffnete Nils die Tür, und ich ging wortlos an ihm vorbei. Mein ganzes Zeug legte ich auf dem Bett ab und suchte sofort das Badezimmer auf. Erst danach konnte ich Nils die Begrüßung zukommen lassen, auf die er so lange gewartet hatte. Armer Kerl, der macht schon manchmal ganz schön was mit mit mir.
Nachdem wir uns gegenseitig von den beschwerlichen Anreisen berichtet hatten, aßen wir im Hotelrestaurant. Wir hatten beide keine Lust, raus zu gehen und was anderes zu suchen.
Später bekam Nils dann noch seine Geburtstagsgeschenke von mir. Es war alles dabei, was er sich gewünscht hatte und noch ein bisschen mehr. Ich glaube, er hat sich sehr gefreut.


Samstag:  Baden-Baden:  Spaziergang, Caracalla-Therme, Spielbank

Unser Zimmer hatte einen Blick in den Garten und eine kleine Terrasse. Beim morgendlichen Öffnen der Gardine war aber klar: Die Terrasse würde von uns unberührt bleiben. Es goss schon wieder … oder immer noch?
Nachdem wir uns fertig gemacht hatten, ging es zunächst zum Frühstück. Das machte sehr viel mehr her, als das Abendessen. Große Auswahl und SEHR nettes Personal. So macht das Spaß.
Gestärkt verließen wir dann das Hotel, um uns die Gegend anzusehen. Man läuft hier nur mal kurz um die Ecke, und dann ist man schon mitten im Ortskern. Wir schlenderten durch die Gassen und strebten zum Kurhaus, wo auch die berühmte Spielbank untergebracht ist. Davor waren etliche Luxuskarossen geparkt; eine Werbeaktion von einem Nobel-Autohändler. Meine Brüder hätten ihre wahre Freude daran gehabt.
Drinnen konnten wir endlich mal die Kapuzen abnehmen und unseren Blick schweifen lassen. Leider mussten wir feststellen, dass wir für eine geführte Besichtigung des Casinos 15 Minuten zu spät waren. Nun ja, wir wollten ja sowieso abends noch mal zurück kommen.
Also Kapuzen wieder auf und dann durch den Kurgarten marschiert. Viele Leute waren bei dem Wetter nicht unterwegs, und auch wir hatten nach ca. 3 Stunden genug von der Nässe.
Wir kehrten also zum Hotel zurück, hingen die Klamotten zum Trocknen auf und machten uns fertig für die Therme. Auch die ist nur ein paar Schritte vom Hotel entfernt und dort angekommen reihten wir uns in die Schlange der Wartenden ein. Die Umkleiden waren groß genug, dass wir uns eine teilen konnten und auch in die Spinde bekamen wir alle unsere Sachen in einen hinein. Dann konnte es losgehen. In Schwimmbädern bin ich ja immer auf Nils als meinen Blindenhund angewiesen, denn ohne Brille würde ich stumpf in jede Männerdusche oder Personalumkleide rennen, weil ich einfach blind bin wie ein Maulwurf. In der Therme gibt es 3 große Becken mit verschiedenen Temperaturen (32 °C, 35 °C und 36 °C). In allen Becken gibt es Massagedüsen, Wasserfälle und Blubberbereiche, in denen man sich vergnügen kann.
Aufgrund des Wetters waren wir natürlich nicht die Einzigen, die sich etwas aufwärmen wollten, also war es teilweise ganz schön gedrängelt. Besonders in den Whirlpools hatten sich die russischen Oligarchen-Familien fest eingenistet. Da gab es keine Chance für uns. Naja, wir fanden auch so immer wieder ein nettes Plätzchen und ließen uns von den Wasserblasen und –strahlen massieren.
Für den Schluss hatten wir uns die Grotte aufgehoben. Nils meinte, das wäre ein dunkler Tunnel oder so; es war aber nur ein kleines Becken mit Wasser und einer Felswand am hinteren Ende. Am Hinweisschild schreckte Nils aber gleich zurück:  18 °C !!! Neeneenee, ohne uns. Da wollten wir schon zurück in die Umkleidekabine, aber Mrs. Maulwurf entdeckte neben der kalten noch die heiße Grotte mit 38 °C. Da gingen wir dann hinein, setzten uns an den Rand und genossen das warme Wasser …. So gut es bei dem Andrang eben ging. Ich habe einfach die Augen zugemacht, die anderen Menschen ausgeblendet und Nilsis Hand gehalten. Das war schön.
Als wir dann die Therme wieder verließen, hatten wir immerhin ganze 2 ½ Stunden dort verbracht. Für 2 Stunden hatten wir gelöst und 1 Stunde Verlängerung hatten wir mit der Gästekarte vom Hotel bekommen. Das passte ja gut.
Zurück im Hotel versammelten wir unser gesamtes technisches Equipment (2 Laptops, 3 Handys) und recherchierten nach einem Restaurant für das Abendessen. Da der Hunger nach dem Badevergnügen doch schon ein wenig größer war, verspeisten wir die Hackbällchen, die ich noch in meinem Reiseproviant hatte. 2 Gabeln hatte ich dabei, also konnten wir es uns schmecken lassen.
Nils suchte einen netten kleinen Italiener heraus. Wir machten uns schick, denn danach wollten wir ins Casino. Schneckchen hatte mir am Telefon extra noch einen Vortrag gehalten, dass man da ja eine Krawatte tragen müsse und so, aber mitgebracht hatte er keine. Hmmm, was soll ich dazu jetzt sagen? Er war sich aber sicher, dass man in der Spielbank eine leihen konnte, von daher ließen wir uns nicht entmutigen und gingen erst mal zum Essen.
Danach machten wir uns beim Empfang der Spielbank schlau über den Dresscode. Für den Herrn Krawatte und Jackett. Beides kann man leihen; Krawatte 3 €, Jackett 8 €. Auch Nils’ Größe war kein Problem, man hat alle Größen vorrätig. Aber dann: Ein Blick auf Nils’ Schuhe brachte Zweifel auf, und der nette Herr schickte uns zu dem Mann am Einlass, der entscheidet, ob jemand rein kommt oder nicht. Der war wild am Telefonieren, warf aber einen kurzen Blick auf Nils’ riesige braune Wanderstiefel und winkte ab. OK, das war dann jawohl nichts.
Trotzdem gaben wir unsere Jacken an der Garderobe ab und gingen dann hinunter ins Untergeschoss. Dort sind die Spielautomaten untergebracht, und es gibt keinen Dresscode. Für 1 € Eintritt kamen wir rein und suchten uns ein Maschinchen aus. Hier kann man nirgends Münzen rein stecken; die Maschinen akzeptieren nur Scheine. Ausgezahlt werden dann 50-Ct-Stücke, damit es schön klimpert.
Ohne ins Detail gehen zu wollen möchte ich hier sagen: Wir haben an viel schöneren Orten schon für viel weniger Geld viel mehr und länger Spaß an den Spielautomaten gehabt. An der Theke holten wir uns was zu trinken und beobachteten dann einfach die Spieler. Allein das ist auch schon sehr faszinierend.
Zurück im Hotel nahmen wir uns von der Bar einen Wein mit aufs Zimmer und ließen den Abend dann ausklingen.


Sonntag:  Baden-Baden  -->  Kreuzlingen:  Wohnungsbesichtigung

Das Hotel ist wirklich sehr schön. Riesige Betten, ein sehr bequemes Sofa und alles sehr geräumig. Aber das Badezimmer ist eine Farce. Schon am ersten Tag habe ich gedacht, ich hätte mich in den Kindergarten verirrt, denn der Waschtisch mit den Waschbecken ist derartig niedrig angebracht, dass man meinen könnte, man solle sich auf Knien davor robben und so die Zähne putzen. Einfach unglaublich, besonders wenn man es im Rücken hat und jedes Nach-vorne-Beugen große Schwierigkeiten bereitet.
Beim Auschecken wurde ja dann auch die Frage gestellt, ob denn alles in Ordnung gewesen sei. Ich sagte ja, bis auf das Badezimmer. Anscheinend war ich nicht die erste oder einzige, die damit ein Problem hatte, denn es kamen sofort verständnisvolle Blicke. Der Herr an der Rezeption war selbst hoch gewachsen und meinte auch, er kann das nicht verstehen, warum diese Waschtische so gebaut wurden. Das hätte der Architekt so entschieden und eigentlich könne es niemand verstehen. Als Entschädigung gab man uns noch eine Flasche Sekt mit nach Hause. Nett! Darauf hatte ich es gar nicht angelegt.
Adlerauge Nils zückte nach Erhalt der Rechnung gleich sein iPhone und reklamierte den Preis, der uns für das Zimmer berechnet wurde. Den doppelten Preis wollten wir dann doch nicht zahlen. Auch hier wurde sehr professionell damit umgegangen. Tausende Entschuldigungen und eine sofortige Rückbuchung des Betrags folgten.

Wir brachten unser gesamtes Gepäck ins Auto und gingen dann noch mal zur Spielbank. Diesmal hatten wir alles so getimt, dass wir es noch zur Führung schaffen konnten. Und das war sehr interessant. Mit ca. 30 Personen wurden wir durch die opulent gestalteten Räume geführt und bekamen die geschichtlichen Hintergründe erzählt. Gespielt wird dort hauptsächlich Roulette und Black Jack. Außerdem gibt es einen Poker-Bereich. Die großen Gewinne wurden früher mit Baccara gemacht, dafür gibt es aber nicht mehr genügend solvente Spieler, also wird dieses Spiel nicht mehr angeboten.
Für Roulette gibt es sogar einen Lerntisch. Dort werden regelmäßig Einführungen in das Spiel angeboten. Man kann die Regeln lernen, die Taktiken und das alles ohne die Gefahr, bereits in der Übungsphase Geld zu verlieren. Cool, das hätte ich gerne gemacht. Naja, vielleicht ein anderes Mal. Das Casino in Konstanz gehört zur selben Gruppe, wie das in Baden-Baden, also können wir uns das ja für später mal vornehmen.
Nach einer halben Stunde waren wir durch mit der Führung und wir kehrten zum Auto zurück und brachen auf. Nils programmierte das Navi so, dass es Autobahnen vermied, damit wir schönere Strecken fahren konnten. Wenn man genug Zeit hat und nicht von Terminen gedrückt wird, ist das immer eine gute Möglichkeit, ans Ziel zu kommen und trotzdem Ecken zu sehen, die man sonst nie kennen gelernt hätte.
Nicht, dass ich etwas davon gehabt hätte, denn wir saßen kaum im Auto, da fiel ich schon wieder in tiefen Schlaf. Fast die gesamte 3-stündige Fahrt lang schlief ich, nur von kurzen Wachperioden unterbrochen.
In Radolfzell machten wir einen Stopp, denn der Tank war leer. Bei der Gelegenheit zeigte mir Nils kurz noch, wo die 2 Hügli-Werke sind, denn am Dienstag werde ich ihn dort abholen. Dann ging es weiter nach Konstanz, wo wir uns einen Parkplatz suchten und einen Spaziergang am Rhein machten.
Ach ja, das Wetter habe ich ja für heute noch gar nicht erwähnt. Es schien tatsächlich ein klein wenig die Sonne. Kalte Temperaturen sorgten zwar dafür, dass man die Jacken anlassen musste, aber immerhin holte ich ein Mal ganz kurz die Sonnenbrille raus.
Für das Abendessen hatte Nils ein Restaurant in Konstanz heraus gesucht, das nach gewissen Bewertungsportalen das Beste in Konstanz sein sollte. Für mich war es ok, aber „das Beste“ würde ich nicht unterschreiben. Aber egal, wir wurden satt und konnten dann die Grenze überqueren, um zur Wohnung zu gelangen.
Nils war total aufgeregt wegen der Wohnung. Ich weiß gar nicht, warum, denn die hat er sich richtig schön gemütlich hergerichtet. Alles ist praktisch durchdacht und trotzdem nicht männlich-sachlich, sondern so, dass man sich auch als Frau hier wohl fühlt.
Seine Geburtstagsgeschenke für die Wohnung kamen gleich zum Einsatz, und alles passte prima. Ich setzte mich an den kleinen Tisch und beschäftigte mich mit dem Schreiben des Blogs, während er sein Essen für Montag vorbereitete. Er muss schließlich Montag und Dienstag arbeiten.
Für abends hatte Nils noch einen Besichtigungstermin für eine Wohnung ausgemacht. Dort gingen wir dann hin und waren einigermaßen begeistert. Hier und da gibt es das eine oder andere zu meckern, aber es macht wohl keinen Sinn, auf die 100-%ige Wohnung zu warten, da es die schlicht gar nicht gibt. In der nächsten Woche werden wir evtl. eine weitere Wohnung ansehen und dann gucken wir mal.
Den Streifzug durch die Gemeinde verlängerten wir noch ein wenig bevor wir dann wieder in die Gemächer zurück kehrten. Dort sahen wir noch eine Folge von einer Fernsehserie auf dem Laptop bevor wir ins Bett gingen.


Montag:  Bummel durch Konstanz

Um 05.45 Uhr klingelte der Wecker. Nils musste sich fertig machen für die Arbeit. Ich habe davon kaum etwas mitbekommen, denn ich schlief immer noch wie eine Tote.
Schneckchen verabschiedete sich, ließ mir einen Schlüssel da und wünschte mir viel Spaß in Konstanz.
Ich schlief wieder ein und stand erst wesentlich später auf, machte mich fertig und verließ das Haus. Nils hatte mir genau beschrieben, wie ich zum Zoll komme und von dort weiter in die Konstanzer Innenstadt. Easy-peasy, das war kein Problem. Bin dann durch die Stadt geschlendert und habe mich ein wenig treiben lassen. Kaufen wollte ich eh nichts, einfach nur rumlaufen und gucken.
Irgendwann rief mich Nils an und sagte mir, dass er auf dem Rückweg sei. Wir verabredeten uns und ich lief zurück nach Kreuzlingen und wartete am Bahnhof. Zusammen gingen wir dann zum Betreibungsamt. Dort musste Nils einen Nachweis beantragen, dass keine Betreibungen gegen ihn vorliegen (das könnte man wohl mit Mahnbescheid übersetzen). Das war eine schnelle Sache, und den Bescheid konnte er gleich mitnehmen.
Für heute Abend hatte es leider nicht mehr mit einem Besichtigungstermin für die zweite Wohnung geklappt. Nils konnte die Maklerin lediglich davon überzeugen, morgen früh mit uns das Objekt anzusehen. Daher gingen wir früh ins Bett, um fit zu sein.


Dienstag:  Stein am Rhein, St. Gallen:  Zirkus Knie

Heute mussten wir gemeinsam früh aus den Federn, denn wir hatten ja einen Termin zur Wohnungsbesichtigung für 07.30 Uhr. Wir verließen fast pünktlich das Haus und liefen schnell zu der Adresse. Am Sonntagabend waren wir bereits dort gewesen und hatten uns die Gegebenheiten angesehen, so dass wir jetzt perfekt wussten, wo wir hin mussten. Die Maklerin kam nach uns und nahm uns dann mit in den Rohbau. Die Wohnung war super geschnitten und sehr geräumig, allerdings wird der Bezug erst ab September möglich sein, was für uns etwas zu spät ist. Mal gucken …
Als wir durch waren, ging Nils direkt zum Bahnhof und ich wieder zur Wohnung. Ich legte mich wieder hin und erwachte erst sehr viel später aus meinem komatösen Schlaf. Wenn ich frei habe und langsam die Erholung einsetzt, ist das so: Ich schlafe und schlafe und schlafe in jeder Lebenslage und in jedem Fortbewegungsmittel.





Naja, für den Vormittag hatte ich ja noch eine Aufgabe: Wir hatten entschieden, dass wir uns für die Wohnung vom Sonntag bewerben wollen. Sie ist zwar nicht perfekt, aber bevor wir irgendwann auf der Straße sitzen oder unter der Brücke schlafen, wollten wir jetzt mal Nägel mit Köpfen machen. Dafür besorgt man sich ein Formular vom Makler und gibt dort Namen, Einkünfte und Referenzen an. Ja, die rufen bei den vorherigen Vermietern und teilweise beim Arbeitgeber an und erkundigen sich nach einem. Dann wird entschieden, ob man die Wohnung bekommt oder nicht. Sollte man den Zuschlag bekommen und es sich anders überlegen, ist eine saftige Strafe fällig. Über 100 € zahlt man für die Umtriebe, die man dem Makler bereitet hat.
Meine Aufgabe war nun, den ausgefüllten Bogen beim Makler abzugeben. Das war ja nun gar kein Problem. Bin da kurz hingelaufen, habe das mit der Dame geklärt, ob wir alle Angaben vollständig gemacht haben und bin dann zurück zur Wohnung ins Auto, um einen Ausflug zu machen.
Nils arbeitete heute im deutschen Standort, und wir hatten verabredet, dass ich ihn dort abhole. Zunächst fuhr ich aber – immer schön am Rhein entlang – nach Stein am Rhein. Das ist eine der schönsten mittelalterlichen Kleinstädte der Schweiz und da wollte ich einfach mal hin. Dort angekommen suchte ich mir einen Parkplatz und stiefelte in die Altstadt.
Wenn das bescheidene Wetter hier ein Gutes hat, dann das, dass die Besuchermassen im Moment noch ausbleiben. Es waren lediglich ein paar kleinere Gruppen von Leuten unterwegs, viele mit dem Fahrrad, so gut wie alle mit grauen oder weißen Haaren. Ich lief ein bisschen herum, machte ein paar Fotos und setzte mich dann beim Rathaus draußen bei einem Bäcker hin, trank etwas und beobachtete die Leute. Herrlich, dass könnte ich ja den ganzen Tag lang tun, aber schöner wäre es noch, wenn man jemanden dabei hätte, mit dem man ablästern könnte.
Am Wasser ließ ich mich später auch noch nieder und beobachtete die Enten und Schwäne. Dann war es Zeit, loszufahren und Nils einzusammeln. Wir trafen uns mühelos und fuhren zurück zur Wohnung, um uns frisch zu machen und bereit für unsere Abendaktivität.
Nils hatte für diesen Abend etwas geplant, eine Überraschung. Das hatte er mir bereits vor Wochen angekündigt und entgegen meiner sonstigen Angewohnheiten habe ich nicht versucht, herauszufinden, was es ist. Ich wollte mich diesmal wirklich überraschen lassen. Faszinierend war, dass Nils damit anscheinend gar nicht so recht umzugehen weiß, denn er machte dauernd Andeutungen, um mich zum Raten zu animieren. Heute Morgen fragte er dann sogar ganz direkt, ob er es mir nicht doch verraten solle.
Der Schweizer Nationalzirkus Knie gastiert diese Woche in St. Gallen, und dafür hatte er Karten besorgt. Tolle Idee! Wir machten uns also frisch, fuhren nach St. Gallen und aßen noch etwas in einem netten Restaurant. Das Zirkuszelt hatten wir vorher schon durch die Bäume erspäht. Dort liefen wir dann hin. Bevor wir ins Zelt gingen, führte mich Nils noch nach hinten, wo die 3 Elefanten der fahrenden Truppe noch die Ruhe vor ihrem Auftritt genossen. Wahnsinn, wie die 3 Riesen da so ohne Fußketten mitten in der Stadt in einem Gehege gehalten werden.
Unsere Plätze konnten wir über den Eingang 1 erreichen, wir standen aber nun vor Eingang 4. Der Anweiser, den wir fragten, fackelte nicht lange, sagte, wir sollten ihm folgen, und so führte er uns durch die Manege zu unseren Plätzen. Praktisch!
Die Show war klasse. Über Tierdressuren und das Leben der Tiere in Zoos kann man sich sicherlich streiten, aber was die Artisten und Dompteure hier in der Manege angestellt haben, war wirklich klasse.
Um 23 Uhr war die Show zu Ende und erst kurz vor Mitternacht lagen wir im Bett. Gelohnt hat es sich auf jeden Fall!


Mittwoch:  Kreuzlingen  -->  Hamburg, meine Perle:  in Rekordzeit!

08:00 Uhr: 
Anscheinend war Nils heute Morgen der einzige Schmock weit und breit, der zur Arbeit musste. Alle anderen hatten Feiertag, mich eingeschlossen. Allerdings war keine Zeit zum Ausschlafen, denn die Zeit zum Aufbruch war gekommen.
Wir machten uns fertig, trugen das ganze Gepäck zum Auto und verabschiedeten uns. Nils trottete dann zum Bahnhof und ich machte mich auf meine Rückreise nach Hamburg.
Aufgrund des Feiertags und der frühen Stunde war wenig los auf den Straßen. Ich kam gut durch. Das Ziel war zu Anfang der Fahrt „Strecke machen“. Das hieß Gas geben, solange Kondition und Konzentration noch groß sind.

11:45 Uhr:  1. Stopp: Tankstelle Kirchheim.
Musste tanken. Da ich gut durch komme, verbrauche ich doch eine Menge mehr, als auf der Hinfahrt. Diese Tankstelle war ganz schön trostlos. Habe noch kurz eine Schwarzbrot-Schnitte (Danke, Nili!) gegessen und mir ein wenig die Füße vertreten. Dann schnell weiter.

14:30 Uhr:  2. Stopp: McDonalds Bispingen.
Toiletten- und Kaffeepause. Nun war es nicht mehr weit bis nach Hause. Im Radio sagten sie schon seit Hannover an, dass es in Hamburg aufgrund diverser Großveranstaltungen Verkehrsbehinderungen gab. Kirchentag, Gartenschau, 1.-Mai-Demos, ….. nun ja.

15:00 Uhr:  Ankunft in Hamburg ….           
…. bei strahlendem Sonnenschein und 16 °C. Damit habe ich für die etwas über 800 km weniger als 7 Stunden gebraucht (netto-nettissimo, wie PW zu sagen pflegt). Die Hinfahrt hat über eine halbe Stunde länger gedauert und war 150 km kürzer.

So, nun freue ich mich auf das nächste Wiedersehen mit Nils.