Freitag: Hamburg --> Baden-Baden; Wiedersehen mit Nils
10.30 Uhr, Hamburg, Nieselregen:
Ich begann meine Fahrt mit dem Auto. Der leichte Regen in
Hamburg störte mich nur wenig, denn ich wusste ja, dass es gen Süden geht. Noch
kurz ein Päckchen bei der Post abgegeben und dann ging es auch schon los auf
die Autobahn. Soweit ging alles ganz gut, denn es war nicht all zu viel los.
Hinter Soltau kam dann sogar die Sonne raus, und da war meine Welt natürlich
komplett in Ordnung.
Der Plan war, dass ich alle 2 Stunden eine Pause mache, mir
einen Kaffee gönne, mir die Füße vertrete und dann fröhlich weiter fahre.
Denkste …. das klappte schon mal nicht. Als die ersten 2 Stunden rum waren, kam
weit und breit keine Raststätte mehr, jedenfalls keine, die einladend aussah.
Tanken musste ich noch längst nicht, also fuhr ich immer weiter.
14 Uhr, Raststätte Pfefferhöhe, Nieselregen:
Nun hatte die Blase doch sehr gedrückt, und ich musste
anhalten. Wie immer war auf der Damentoilette Anstehen angesagt. Nachdem ich
mich erleichtert hatte, schrieb ich Nils eine E-Mail, um ihn auf dem Laufenden
zu halten. Versprochen ist versprochen.
Meine Schwarzbrotschnitten hatte ich schon während der Fahrt
gegessen. Hunger hatte ich also nicht, daher machte ich mich wieder auf die
Socken.
15 Uhr, Parkplatz Spielwald, strömender Regen:
Kurz hinter der Pfefferhöhe hat es megamäßig angefangen zu
regnen. Die Pause war zwar noch nicht lange her, aber ich musste trotzdem einen
weiteren Stopp einlegen, weil das Fahren wirklich sehr anstrengend war bei dem
Regen. Ich hatte das Gefühl, ich müsste mal für 10 Minuten die Augen zumachen,
aber das konnte ich irgendwie nicht. Da sind dauernd Leute am Auto vorbei
gelaufen und das hat mich dann doch von meinem Nickerchen abgehalten. Da ich
nicht völlig durchnässt weiter fahren wollte, verzichtete ich darauf,
auszusteigen und ein paar Schritte zu gehen. Ich machte lediglich das Fenster
ein Stückchen weit auf und inhalierte tief die frische Luft ein.
Und dann ging es weiter. Ich fuhr zurück auf die Autobahn
und landete genau zwischen 2 LKWs. Die fuhren natürlich schön langsam.
Überholen ging zunächst nicht, weil permanent der Verkehr von hinten heran
strömte. Als der LKW hinter mir seinerseits zum Überholen ansetzte, nutzte ich
die Gelegenheit und klemmte mich schnell davor. Der LKW schlingerte etwas und
im Rückspiegel sah ich, dass hinter ihm noch ein weiterer LKW ausgeschert war
und die beiden sich nun behakten. Der hintere Laster war schon bedrohlich nah
an der Leitplanke dran. Ich sah zu, dass ich schnell aus dem Gefahrenbereich
heraus kam.
Ca. 16.15 Uhr, irgendeine Raststätte, deren Namen mir
entfallen ist, Hunde-und-Katzen-Regen:
Nachdem ich ein Wohnmobil wirklich brutal geschnitten habe,
weil ich es einfach nicht gesehen habe, war es schon wieder Zeit für eine
Pause. Der Regen ist immer noch schneller geworden, man kam kaum noch voran,
weil es immer wieder aus unerfindlichen Gründen Staus gab. Ich legte einen
Toiletten-Stopp ein und kaufte mir eine Cola.
Hinter der Raststätte ging es direkt in den nächsten Stau.
17.20 Uhr, Frankfurter Kreuz, strömender Regen:
Ich wollte einfach nicht mehr. Der Regen ging mir dermaßen
auf den Sack, dass ich am liebsten irgendwo raus gefahren und im nächstbesten
Hotel eingecheckt hätte. Die nächste Mail von Nilsi ging ein: Er teilte mir
mit, dass er planmäßig am Bahnhof ankommen würde. Ich antwortete, dass er ein
Taxi nehmen soll, da ich vor 18:30 Uhr auf keinen Fall am Hotel sein würde.
Ca. 18 Uhr, immer noch im Stau, immer noch strömender
Regen:
Nils rief mich an, um mir mitzuteilen, dass er im Hotel
angekommen war. OK, wenn er bis jetzt noch nicht geschnallt hatte, dass ich
geladen war wie ein Revolver, dann dürfte er es nach diesem Telefonat dann doch
begriffen haben.
18.30 Uhr, Baden-Baden, strömender Regen:
Endlich angekommen. Meine Blase platzte fast. Ich fuhr in
die Tiefgarage des Hotels und parkte das Auto. Die wichtigsten meiner
Siebensachen schnappte ich mir und suchte mir den Weg zur Lobby. Da ich keinen
Handy-Empfang hatte, musste ich bei der Rezeption nach der Zimmernummer fragen.
Der nette Herr dort ließ mich unterschreiben, ich bekam unsere Gästekarten und
machte mich auf zum Zimmer 109. Erster Stock, das war mir ja gleich klar, daher
nahm ich die Treppe nach oben. Pustekuchen, da waren die Zimmernummern, die mit
3 beginnen. Ich musste wieder runter und von der Lobby aus eine Etage nach unten.
Auf mein Klopfen öffnete Nils die Tür, und ich ging wortlos
an ihm vorbei. Mein ganzes Zeug legte ich auf dem Bett ab und suchte sofort das
Badezimmer auf. Erst danach konnte ich Nils die Begrüßung zukommen lassen, auf
die er so lange gewartet hatte. Armer Kerl, der macht schon manchmal ganz schön
was mit mit mir.
Nachdem wir uns gegenseitig von den beschwerlichen Anreisen
berichtet hatten, aßen wir im Hotelrestaurant. Wir hatten beide keine Lust,
raus zu gehen und was anderes zu suchen.
Später bekam Nils dann noch seine Geburtstagsgeschenke von
mir. Es war alles dabei, was er sich gewünscht hatte und noch ein bisschen
mehr. Ich glaube, er hat sich sehr gefreut.
Samstag: Baden-Baden:
Spaziergang, Caracalla-Therme, Spielbank
Unser Zimmer hatte einen Blick in den Garten und eine kleine
Terrasse. Beim morgendlichen Öffnen der Gardine war aber klar: Die Terrasse
würde von uns unberührt bleiben. Es goss schon wieder … oder immer noch?
Nachdem wir uns fertig gemacht hatten, ging es zunächst zum
Frühstück. Das machte sehr viel mehr her, als das Abendessen. Große Auswahl und
SEHR nettes Personal. So macht das Spaß.
Gestärkt verließen wir dann das Hotel, um uns die Gegend anzusehen.
Man läuft hier nur mal kurz um die Ecke, und dann ist man schon mitten im
Ortskern. Wir schlenderten durch die Gassen und strebten zum Kurhaus, wo auch
die berühmte Spielbank untergebracht ist. Davor waren etliche Luxuskarossen
geparkt; eine Werbeaktion von einem Nobel-Autohändler. Meine Brüder hätten ihre
wahre Freude daran gehabt.
Drinnen konnten wir endlich mal die Kapuzen abnehmen und
unseren Blick schweifen lassen. Leider mussten wir feststellen, dass wir für
eine geführte Besichtigung des Casinos 15 Minuten zu spät waren. Nun ja, wir
wollten ja sowieso abends noch mal zurück kommen.
Also Kapuzen wieder auf und dann durch den Kurgarten
marschiert. Viele Leute waren bei dem Wetter nicht unterwegs, und auch wir
hatten nach ca. 3 Stunden genug von der Nässe.
Wir kehrten also zum Hotel zurück, hingen die Klamotten zum
Trocknen auf und machten uns fertig für die Therme. Auch die ist nur ein paar
Schritte vom Hotel entfernt und dort angekommen reihten wir uns in die Schlange
der Wartenden ein. Die Umkleiden waren groß genug, dass wir uns eine teilen
konnten und auch in die Spinde bekamen wir alle unsere Sachen in einen hinein.
Dann konnte es losgehen. In Schwimmbädern bin ich ja immer auf Nils als meinen
Blindenhund angewiesen, denn ohne Brille würde ich stumpf in jede Männerdusche
oder Personalumkleide rennen, weil ich einfach blind bin wie ein Maulwurf. In
der Therme gibt es 3 große Becken mit verschiedenen Temperaturen (32 °C, 35 °C
und 36 °C). In allen Becken gibt es Massagedüsen, Wasserfälle und
Blubberbereiche, in denen man sich vergnügen kann.
Aufgrund des Wetters waren wir natürlich nicht die Einzigen,
die sich etwas aufwärmen wollten, also war es teilweise ganz schön gedrängelt.
Besonders in den Whirlpools hatten sich die russischen Oligarchen-Familien fest
eingenistet. Da gab es keine Chance für uns. Naja, wir fanden auch so immer
wieder ein nettes Plätzchen und ließen uns von den Wasserblasen und –strahlen
massieren.
Für den Schluss hatten wir uns die Grotte aufgehoben. Nils
meinte, das wäre ein dunkler Tunnel oder so; es war aber nur ein kleines Becken
mit Wasser und einer Felswand am hinteren Ende. Am Hinweisschild schreckte Nils
aber gleich zurück: 18 °C !!! Neeneenee,
ohne uns. Da wollten wir schon zurück in die Umkleidekabine, aber Mrs. Maulwurf
entdeckte neben der kalten noch die heiße Grotte mit 38 °C. Da gingen wir dann
hinein, setzten uns an den Rand und genossen das warme Wasser …. So gut es bei
dem Andrang eben ging. Ich habe einfach die Augen zugemacht, die anderen
Menschen ausgeblendet und Nilsis Hand gehalten. Das war schön.
Als wir dann die Therme wieder verließen, hatten wir
immerhin ganze 2 ½ Stunden dort verbracht. Für 2 Stunden hatten wir gelöst und
1 Stunde Verlängerung hatten wir mit der Gästekarte vom Hotel bekommen. Das
passte ja gut.
Zurück im Hotel versammelten wir unser gesamtes technisches
Equipment (2 Laptops, 3 Handys) und recherchierten nach einem Restaurant für
das Abendessen. Da der Hunger nach dem Badevergnügen doch schon ein wenig
größer war, verspeisten wir die Hackbällchen, die ich noch in meinem
Reiseproviant hatte. 2 Gabeln hatte ich dabei, also konnten wir es uns
schmecken lassen.
Nils suchte einen netten kleinen Italiener heraus. Wir
machten uns schick, denn danach wollten wir ins Casino. Schneckchen hatte mir
am Telefon extra noch einen Vortrag gehalten, dass man da ja eine Krawatte
tragen müsse und so, aber mitgebracht hatte er keine. Hmmm, was soll ich dazu
jetzt sagen? Er war sich aber sicher, dass man in der Spielbank eine leihen
konnte, von daher ließen wir uns nicht entmutigen und gingen erst mal zum
Essen.
Danach machten wir uns beim Empfang der Spielbank schlau
über den Dresscode. Für den Herrn Krawatte und Jackett. Beides kann man leihen;
Krawatte 3 €, Jackett 8 €. Auch Nils’ Größe war kein Problem, man hat alle
Größen vorrätig. Aber dann: Ein Blick auf Nils’ Schuhe brachte Zweifel auf, und
der nette Herr schickte uns zu dem Mann am Einlass, der entscheidet, ob jemand
rein kommt oder nicht. Der war wild am Telefonieren, warf aber einen kurzen Blick
auf Nils’ riesige braune Wanderstiefel und winkte ab. OK, das war dann jawohl
nichts.
Trotzdem gaben wir unsere Jacken an der Garderobe ab und
gingen dann hinunter ins Untergeschoss. Dort sind die Spielautomaten
untergebracht, und es gibt keinen Dresscode. Für 1 € Eintritt kamen wir rein
und suchten uns ein Maschinchen aus. Hier kann man nirgends Münzen rein
stecken; die Maschinen akzeptieren nur Scheine. Ausgezahlt werden dann
50-Ct-Stücke, damit es schön klimpert.
Ohne ins Detail gehen zu wollen möchte ich hier sagen: Wir
haben an viel schöneren Orten schon für viel weniger Geld viel mehr und länger
Spaß an den Spielautomaten gehabt. An der Theke holten wir uns was zu trinken
und beobachteten dann einfach die Spieler. Allein das ist auch schon sehr faszinierend.
Zurück im Hotel nahmen wir uns von der Bar einen Wein mit
aufs Zimmer und ließen den Abend dann ausklingen.
Sonntag: Baden-Baden --> Kreuzlingen:
Wohnungsbesichtigung
Das Hotel ist wirklich sehr schön. Riesige Betten, ein sehr
bequemes Sofa und alles sehr geräumig. Aber das Badezimmer ist eine Farce.
Schon am ersten Tag habe ich gedacht, ich hätte mich in den Kindergarten
verirrt, denn der Waschtisch mit den Waschbecken ist derartig niedrig
angebracht, dass man meinen könnte, man solle sich auf Knien davor robben und
so die Zähne putzen. Einfach unglaublich, besonders wenn man es im Rücken hat
und jedes Nach-vorne-Beugen große Schwierigkeiten bereitet.
Beim Auschecken wurde ja dann auch die Frage gestellt, ob
denn alles in Ordnung gewesen sei. Ich sagte ja, bis auf das Badezimmer.
Anscheinend war ich nicht die erste oder einzige, die damit ein Problem hatte,
denn es kamen sofort verständnisvolle Blicke. Der Herr an der Rezeption war
selbst hoch gewachsen und meinte auch, er kann das nicht verstehen, warum diese
Waschtische so gebaut wurden. Das hätte der Architekt so entschieden und
eigentlich könne es niemand verstehen. Als Entschädigung gab man uns noch eine
Flasche Sekt mit nach Hause. Nett! Darauf hatte ich es gar nicht angelegt.
Adlerauge Nils zückte nach Erhalt der Rechnung gleich sein
iPhone und reklamierte den Preis, der uns für das Zimmer berechnet wurde. Den
doppelten Preis wollten wir dann doch nicht zahlen. Auch hier wurde sehr
professionell damit umgegangen. Tausende Entschuldigungen und eine sofortige
Rückbuchung des Betrags folgten.
Wir brachten unser gesamtes Gepäck ins Auto und gingen dann
noch mal zur Spielbank. Diesmal hatten wir alles so getimt, dass wir es noch
zur Führung schaffen konnten. Und das war sehr interessant. Mit ca. 30 Personen
wurden wir durch die opulent gestalteten Räume geführt und bekamen die
geschichtlichen Hintergründe erzählt. Gespielt wird dort hauptsächlich Roulette
und Black Jack. Außerdem gibt es einen Poker-Bereich. Die großen Gewinne wurden
früher mit Baccara gemacht, dafür gibt es aber nicht mehr genügend solvente
Spieler, also wird dieses Spiel nicht mehr angeboten.
Für Roulette gibt es sogar einen Lerntisch. Dort werden
regelmäßig Einführungen in das Spiel angeboten. Man kann die Regeln lernen, die
Taktiken und das alles ohne die Gefahr, bereits in der Übungsphase Geld zu
verlieren. Cool, das hätte ich gerne gemacht. Naja, vielleicht ein anderes Mal.
Das Casino in Konstanz gehört zur selben Gruppe, wie das in Baden-Baden, also
können wir uns das ja für später mal vornehmen.
Nach einer halben Stunde waren wir durch mit der Führung und
wir kehrten zum Auto zurück und brachen auf. Nils programmierte das Navi so,
dass es Autobahnen vermied, damit wir schönere Strecken fahren konnten. Wenn
man genug Zeit hat und nicht von Terminen gedrückt wird, ist das immer eine
gute Möglichkeit, ans Ziel zu kommen und trotzdem Ecken zu sehen, die man sonst
nie kennen gelernt hätte.
Nicht, dass ich etwas davon gehabt hätte, denn wir saßen
kaum im Auto, da fiel ich schon wieder in tiefen Schlaf. Fast die gesamte
3-stündige Fahrt lang schlief ich, nur von kurzen Wachperioden unterbrochen.
In Radolfzell machten wir einen Stopp, denn der Tank war
leer. Bei der Gelegenheit zeigte mir Nils kurz noch, wo die 2 Hügli-Werke sind,
denn am Dienstag werde ich ihn dort abholen. Dann ging es weiter nach Konstanz,
wo wir uns einen Parkplatz suchten und einen Spaziergang am Rhein machten.
Ach ja, das Wetter habe ich ja für heute noch gar nicht
erwähnt. Es schien tatsächlich ein klein wenig die Sonne. Kalte Temperaturen
sorgten zwar dafür, dass man die Jacken anlassen musste, aber immerhin holte
ich ein Mal ganz kurz die Sonnenbrille raus.
Für das Abendessen hatte Nils ein Restaurant in Konstanz
heraus gesucht, das nach gewissen Bewertungsportalen das Beste in Konstanz sein
sollte. Für mich war es ok, aber „das Beste“ würde ich nicht unterschreiben.
Aber egal, wir wurden satt und konnten dann die Grenze überqueren, um zur
Wohnung zu gelangen.
Nils war total aufgeregt wegen der Wohnung. Ich weiß gar
nicht, warum, denn die hat er sich richtig schön gemütlich hergerichtet. Alles
ist praktisch durchdacht und trotzdem nicht männlich-sachlich, sondern so, dass
man sich auch als Frau hier wohl fühlt.
Seine Geburtstagsgeschenke für die Wohnung kamen gleich zum
Einsatz, und alles passte prima. Ich setzte mich an den kleinen Tisch und
beschäftigte mich mit dem Schreiben des Blogs, während er sein Essen für Montag
vorbereitete. Er muss schließlich Montag und Dienstag arbeiten.
Für abends hatte Nils noch einen Besichtigungstermin für
eine Wohnung ausgemacht. Dort gingen wir dann hin und waren einigermaßen
begeistert. Hier und da gibt es das eine oder andere zu meckern, aber es macht
wohl keinen Sinn, auf die 100-%ige Wohnung zu warten, da es die schlicht gar
nicht gibt. In der nächsten Woche werden wir evtl. eine weitere Wohnung ansehen
und dann gucken wir mal.
Den Streifzug durch die Gemeinde verlängerten wir noch ein
wenig bevor wir dann wieder in die Gemächer zurück kehrten. Dort sahen wir noch
eine Folge von einer Fernsehserie auf dem Laptop bevor wir ins Bett gingen.
Montag: Bummel durch Konstanz
Um 05.45 Uhr klingelte der Wecker. Nils musste sich fertig
machen für die Arbeit. Ich habe davon kaum etwas mitbekommen, denn ich schlief
immer noch wie eine Tote.
Schneckchen verabschiedete sich, ließ mir einen Schlüssel da
und wünschte mir viel Spaß in Konstanz.
Ich schlief wieder ein und stand erst wesentlich später auf,
machte mich fertig und verließ das Haus. Nils hatte mir genau beschrieben, wie
ich zum Zoll komme und von dort weiter in die Konstanzer Innenstadt.
Easy-peasy, das war kein Problem. Bin dann durch die Stadt geschlendert und
habe mich ein wenig treiben lassen. Kaufen wollte ich eh nichts, einfach nur
rumlaufen und gucken.
Irgendwann rief mich Nils an und sagte mir, dass er auf dem
Rückweg sei. Wir verabredeten uns und ich lief zurück nach Kreuzlingen und
wartete am Bahnhof. Zusammen gingen wir dann zum Betreibungsamt. Dort musste
Nils einen Nachweis beantragen, dass keine Betreibungen gegen ihn vorliegen
(das könnte man wohl mit Mahnbescheid übersetzen). Das war eine schnelle Sache,
und den Bescheid konnte er gleich mitnehmen.
Für heute Abend hatte es leider nicht mehr mit einem
Besichtigungstermin für die zweite Wohnung geklappt. Nils konnte die Maklerin
lediglich davon überzeugen, morgen früh mit uns das Objekt anzusehen. Daher
gingen wir früh ins Bett, um fit zu sein.
Dienstag: Stein am Rhein, St. Gallen: Zirkus Knie
Heute mussten wir gemeinsam früh aus den Federn, denn wir
hatten ja einen Termin zur Wohnungsbesichtigung für 07.30 Uhr. Wir verließen
fast pünktlich das Haus und liefen schnell zu der Adresse. Am Sonntagabend
waren wir bereits dort gewesen und hatten uns die Gegebenheiten angesehen, so
dass wir jetzt perfekt wussten, wo wir hin mussten. Die Maklerin kam nach uns
und nahm uns dann mit in den Rohbau. Die Wohnung war super geschnitten und sehr
geräumig, allerdings wird der Bezug erst ab September möglich sein, was für uns
etwas zu spät ist. Mal gucken …
Als wir durch waren, ging Nils direkt zum Bahnhof und ich
wieder zur Wohnung. Ich legte mich wieder hin und erwachte erst sehr viel
später aus meinem komatösen Schlaf. Wenn ich frei habe und langsam die Erholung
einsetzt, ist das so: Ich schlafe und schlafe und schlafe in jeder Lebenslage
und in jedem Fortbewegungsmittel.

Naja, für den Vormittag hatte ich ja noch eine Aufgabe: Wir
hatten entschieden, dass wir uns für die Wohnung vom Sonntag bewerben wollen.
Sie ist zwar nicht perfekt, aber bevor wir irgendwann auf der Straße sitzen
oder unter der Brücke schlafen, wollten wir jetzt mal Nägel mit Köpfen machen.
Dafür besorgt man sich ein Formular vom Makler und gibt dort Namen, Einkünfte
und Referenzen an. Ja, die rufen bei den vorherigen Vermietern und teilweise
beim Arbeitgeber an und erkundigen sich nach einem. Dann wird entschieden, ob
man die Wohnung bekommt oder nicht. Sollte man den Zuschlag bekommen und es
sich anders überlegen, ist eine saftige Strafe fällig. Über 100 € zahlt man für
die Umtriebe, die man dem Makler bereitet hat.

Meine Aufgabe war nun, den ausgefüllten Bogen beim Makler
abzugeben. Das war ja nun gar kein Problem. Bin da kurz hingelaufen, habe das
mit der Dame geklärt, ob wir alle Angaben vollständig gemacht haben und bin
dann zurück zur Wohnung ins Auto, um einen Ausflug zu machen.
Nils arbeitete heute im deutschen Standort, und wir hatten
verabredet, dass ich ihn dort abhole. Zunächst fuhr ich aber – immer schön am
Rhein entlang – nach Stein am Rhein. Das ist eine der schönsten
mittelalterlichen Kleinstädte der Schweiz und da wollte ich einfach mal hin.
Dort angekommen suchte ich mir einen Parkplatz und stiefelte in die Altstadt.
Wenn das bescheidene Wetter hier ein Gutes hat, dann das,
dass die Besuchermassen im Moment noch ausbleiben. Es waren lediglich ein paar
kleinere Gruppen von Leuten unterwegs, viele mit dem Fahrrad, so gut wie alle
mit grauen oder weißen Haaren. Ich lief ein bisschen herum, machte ein paar
Fotos und setzte mich dann beim Rathaus draußen bei einem Bäcker hin, trank
etwas und beobachtete die Leute. Herrlich, dass könnte ich ja den ganzen Tag
lang tun, aber schöner wäre es noch, wenn man jemanden dabei hätte, mit dem man
ablästern könnte.

Am Wasser ließ ich mich später auch noch nieder und
beobachtete die Enten und Schwäne. Dann war es Zeit, loszufahren und Nils
einzusammeln. Wir trafen uns mühelos und fuhren zurück zur Wohnung, um uns
frisch zu machen und bereit für unsere Abendaktivität.
Nils hatte für diesen Abend etwas geplant, eine
Überraschung. Das hatte er mir bereits vor Wochen angekündigt und entgegen
meiner sonstigen Angewohnheiten habe ich nicht versucht, herauszufinden, was es
ist. Ich wollte mich diesmal wirklich überraschen lassen. Faszinierend war,
dass Nils damit anscheinend gar nicht so recht umzugehen weiß, denn er machte
dauernd Andeutungen, um mich zum Raten zu animieren. Heute Morgen fragte er
dann sogar ganz direkt, ob er es mir nicht doch verraten solle.

Der
Schweizer Nationalzirkus Knie gastiert diese Woche in
St. Gallen, und dafür hatte er Karten besorgt. Tolle Idee! Wir machten uns also
frisch, fuhren nach St. Gallen und aßen noch etwas in einem netten Restaurant.
Das Zirkuszelt hatten wir vorher schon durch die Bäume erspäht. Dort liefen wir
dann hin. Bevor wir ins Zelt gingen, führte mich Nils noch nach hinten, wo die
3 Elefanten der fahrenden Truppe noch die Ruhe vor ihrem Auftritt genossen.
Wahnsinn, wie die 3 Riesen da so ohne Fußketten mitten in der Stadt in einem
Gehege gehalten werden.

Unsere Plätze konnten wir über den Eingang 1 erreichen, wir
standen aber nun vor Eingang 4. Der Anweiser, den wir fragten, fackelte nicht
lange, sagte, wir sollten ihm folgen, und so führte er uns durch die Manege zu
unseren Plätzen. Praktisch!
Die Show war klasse. Über Tierdressuren und das Leben der
Tiere in Zoos kann man sich sicherlich streiten, aber was die Artisten und
Dompteure hier in der Manege angestellt haben, war wirklich klasse.
Um 23 Uhr war die Show zu Ende und erst kurz vor Mitternacht
lagen wir im Bett. Gelohnt hat es sich auf jeden Fall!
Mittwoch: Kreuzlingen --> Hamburg, meine Perle: in Rekordzeit!
08:00 Uhr:
Anscheinend war Nils heute Morgen der einzige Schmock weit
und breit, der zur Arbeit musste. Alle anderen hatten Feiertag, mich
eingeschlossen. Allerdings war keine Zeit zum Ausschlafen, denn die Zeit zum
Aufbruch war gekommen.
Wir machten uns fertig, trugen das ganze Gepäck zum Auto und
verabschiedeten uns. Nils trottete dann zum Bahnhof und ich machte mich auf
meine Rückreise nach Hamburg.
Aufgrund des Feiertags und der frühen Stunde war wenig los
auf den Straßen. Ich kam gut durch. Das Ziel war zu Anfang der Fahrt „Strecke
machen“. Das hieß Gas geben, solange Kondition und Konzentration noch groß
sind.
11:45 Uhr: 1.
Stopp: Tankstelle Kirchheim.
Musste tanken. Da ich gut durch komme, verbrauche ich doch
eine Menge mehr, als auf der Hinfahrt. Diese Tankstelle war ganz schön
trostlos. Habe noch kurz eine Schwarzbrot-Schnitte (Danke, Nili!) gegessen und
mir ein wenig die Füße vertreten. Dann schnell weiter.
14:30 Uhr: 2.
Stopp: McDonalds Bispingen.
Toiletten- und Kaffeepause. Nun war es nicht mehr weit bis
nach Hause. Im Radio sagten sie schon seit Hannover an, dass es in Hamburg
aufgrund diverser Großveranstaltungen Verkehrsbehinderungen gab. Kirchentag,
Gartenschau, 1.-Mai-Demos, ….. nun ja.
15:00 Uhr: Ankunft
in Hamburg ….
…. bei strahlendem Sonnenschein und 16 °C. Damit habe ich
für die etwas über 800 km weniger als 7 Stunden gebraucht (netto-nettissimo,
wie PW zu sagen pflegt). Die Hinfahrt hat über eine halbe Stunde länger
gedauert und war 150 km kürzer.
So, nun freue ich mich auf das nächste Wiedersehen mit Nils.