Seiten

Sonntag, 26. Mai 2013

Pfingsten: Segeln auf der Ostsee

Mein Kollege D. hat vor einigen Jahren das Segeln für sich entdeckt. Wenn er an Wochenenden draußen war und sich den Wind um die Ohren hat pusten lassen, kommt er montags total relaxed und braun gebrannt ins Büro, und man merkt, wie viel Spaß er an der Sache hat.
Seit dem letzten Jahr ist er nun stolzer Besitzer eines eigenen Bootes und kann seinem Hobby noch häufiger nachgehen.
Natürlich waren wir Feuer und Flamme, als er vorschlug, uns mal mitzunehmen auf einen Törn. Schon vor Monaten hatten wir diese Verabredung getroffen und Pfingsten als Termin fest gelegt. Mitte Mai, da sollte doch das Wetter schon richtig toll sein, und Wind ist doch eh immer .... so dachten wir.
Wir hatten uns das komplette Wochenende frei gehalten, weil D. kurz vorher die Wetterprognosen checken wollte. Auch die Frage, ob wir einen Tagestrip machen würden oder eine Übernachtung mit einplanen, hielten wir uns offen, um alle Möglichkeiten zu haben.

Als Pfingsten näher kam, befanden wir uns mitten im schlechtesten Mai aller Zeiten in Hamburg; es war kalt, nass und ungemütlich, also kein bisschen so, wie wir es uns vorgestellt hatten. Aber am Mittwoch vor Pfingsten sagte die Wetter-App von D. bestes Sonnenwetter und guten Wind für Sonntag voraus, so beschlossen wir, am Sonntag und Montag auf große Fahrt zu gehen. Unsere Kollegin E. und D.s Tochter S. waren ebenfalls dabei. E. und ich teilten uns die Aufgabe, für die Verpflegung zu sorgen. Nils und ich trafen uns mit ihr auf dem Weg zum Liegeplatz des Bootes und fuhren dann in einem Auto weiter. Der Wagen war beladen, als würden wir ein halbes Jahr weg bleiben.

Am Hafen angekommen, gingen wir erst mal alle an Bord und besprachen die Pläne. Leider hatte sich das Wetter seit Mittwoch nicht besonders zum Guten gewendet, und auch die Prognosen hatten sich den trüben Tatsachen angepasst. Für Montag waren sogar Gewitter vorausgesagt. Um keine Risiken einzugehen, änderten wir also den Plan eines 2-Tage-Törn ab auf zunächst einen Tagesausflug und eine abendliche Entscheidung, ob wir vielleicht doch am Montag einen weiteren Ausflug wagen.
Das war der Deal, und so ließen wir die Koffer im Auto und beluden das Boot lediglich mit den Proviantkisten. Als alles verstaut war, zogen wir unsere Rettungswesten an und bekamen eine Sicherheitseinweisung. Außerdem zeigte uns D. auf der Seekarte, wie wir fahren würden und gab uns einen kleinen Einblick, wie man so eine Seekarte liest. Sehr interessant, wieder was gelernt.
Als wir startklar waren, legte der Skipper ab, manövrierte uns mit Motorkraft aus dem Hafen heraus und nahm Kurs auf Travemünde. Außerhalb des Hafens wurde es dann spannend, denn das Segel wurde ausgepackt, und wir bekamen jeder unsere Aufgaben. Nils durfte das Steuer übernehmen und E. und ich haben Taue zugeteilt bekommen, an denen wir entweder ziehen oder locker lassen mussten. Toll, da kamen wir richtig in Action und fühlten uns wie echte Seebären. Der Wind war nicht besonders stark, aber immerhin bewegten wir uns vorwärts, wenn auch nur mit 3 - 4 Knoten.
Ist er nicht toll?
Mit dem Steuern wechselten wir uns ab, wobei die Qualitäten der einzelnen Steuerleute doch stark unterschiedlich waren. Nils machte das super. Er konnte auf seine Erfahrung aus Kindertagen zurück greifen und wusste, wie der Hase läuft. Als ich das Ruder übernahm, hatten alle Angst, dass wir von der Küstenpolizei aufgegriffen werden würden und uns einer Alkoholkontrolle unterziehen müssten. Unglaublich, wie schwer das ist, so ein Boot auf einem geraden Kurs zu halten, wenn immer wieder Böen von der Seite kommen und einen in die andere Richtung drücken. Und wie gesagt: der Wind war lächerlich! Trotzdem fuhr ich schön im Zickzack-Kurs und gab somit den Anderen einen Grund zum Amüsement. Selbst S. lachte mich aus mit ihren 8 Jahren.
Als eine weitere Böe zusammen mit meinen Steuerkünsten dazu führte, dass sich das Boot bedrohlich auf die Seite neigte, wurde ich abgelöst. E. steuerte auch nicht perfekt, aber besser als ich war sie allemal.
Seeluft macht hungrig, so sagt man, und bereits nach wenig Zeit auf See verspürten wir alle den Drang nach einem zweiten Frühstück. Ich kroch hinunter in die Kabine, packte die Schätze aus den Proviantkisten aus und reichte alles nach oben. Dort machten wir es uns dann bequem - einer musste am Steuer bleiben - und verspeisten die mitgebrachten Köstlichkeiten. Es gab Gemüsesticks mit Dip, Obst, Brot, Frikadellen, Kräcker --> lecker! Als wir für's erste gesättigt waren, packten wir alles wieder nach unten in die Kabine und nahmen weiter Kurs auf Travemünde.
Kurz vor dem Einlaufen in den Hafen machten wir demütig Platz, denn von hinten kam ein großer Containerfrachter an. Der musste uns zwar grundsätzlich Vorfahrt gewähren, weil wir unter Segel fuhren, aber will sich schon mit so einem Riesen anlegen. Wir fuhren also zur Seite, drehten uns einmal langsam im Kreis, bis der Frachter vorbei war, und dann konnten auch wir in den Hafen einfahren. Trotz des ungemütlichen Wetters war eine ganze Menge los. Leute mit Windjacken und Mützen säumten die Kaimauern und beobachteten das Treiben auf dem Wasser. D. fuhr mit uns eine kleine Runde durch den Hafen, dann steuerten wir einen Gastliegeplatz an. Der war zwar als besetzt gekennzeichnet, aber es lag gerade niemand dort, so dass wir uns den Platz schnappten. Wir wollten ja nicht stundenlang verweilen, nur ein kurzer Boxenstop für ein Käffchen und einen Toilettengang. Der Mann, der an dem Boot nebenan am arbeiten war, half uns beim Anlegen und stellte den Tritt bereit, der uns das An-Land-gehen erleichterte. Segler helfen sich eben untereinander, das merkt man.
Nils macht sich bereit zum Anlegen.
Wir waren alle froh, auf schnellstem Weg ein WC aufsuchen zu können. Zwar gibt es an Bord eine Toilette, aber es ist schon etwas aufwendiger, sie zu benutzen. Man muss eine Klappe im Fußboden der Kabine anheben und einen Hebel umlegen. Ein weiterer Hebel in der Wand im WC muss umgelegt werden, dann kann man sein Geschäft verrichten. Danach muss man an einem weiteren Hebel ziehen und ihn immer auf und ab bewegen, um zu spülen und dann das überschüssige Spülwasser wieder abzusaugen. Abschließend wieder die Hebel in der Wand und im Fußboden zurück in die Anfangsposition bringen, und schon ist man fertig. Puh, ich war froh, dass es die Möglichkeit an Bord gab, aber noch froher, dass ich es nicht in Anspruch nehmen musste.
Kein Wind:  Die Ostsee war glatt wie ein Spiegel.
In der Kneipe / Bistro / Café an Land suchten wir uns einen Platz draußen - immer das Boot im Blick - und bestellten uns einen Kaffee. Danach machten wir noch einen kurzen Spaziergang, um uns die Beine zu vertreten und traten dann die Rückreise an. Mittlerweile war der Wind weiter abgeflaut, so dass es sich überhaupt nicht mehr lohnte, die Segel aufzuziehen. Den gesamten Rückweg bewältigten wir also mit Motorkraft. Die Ostsee war glatt wie ein Brett, zeitweise hatten wir wirklich keinen einzigen Windhauch.
Nachdem S. uns eine ganze Weile Richtung Heimathafen gesteuert hatte, durfte ich auch noch einmal mein Glück versuchen. Und siehe da: mit dem Motor fahren ist viel einfacher. Ich bräuchte zwar noch SEHR viel Übung, um richtig schön geradeaus zu fahren, aber es ging zumindest schon mal viel besser als vorher.
Nach einiger Zeit meldete sich der Hunger wieder, und wir stellten den Motor ab, ließen uns auf der Stelle treiben und tafelten wieder auf.
Zurück im Hafen, als D. das Boot sicher vertäut hatte, genehmigten wir uns ein Feierabendbier / -alster. Man, das tat gut. Wir berieten über das weitere Vorgehen und entschlossen uns, nach Hause zu fahren, da die Prognosen für das Wetter am Montag weiter mau waren. Das sollte uns aber nicht davon abhalten, diesen Sonntag in vollen Zügen bis zum Schluss zu genießen.
S. war es etwas langweilig mit uns, daher ließ sie sich von D. ihren Kescher und einen Eimer aushändigen und ging auf Fischfang ... naja, den Versuch. Da waren nur winzig kleine Fische, und die konnte sie gar nicht zu fassen kriegen, weil die viel zu tief schwammen, aber versucht hat sie es unermüdlich.
Zum Hafen gehört noch ein kleiner Strand mit Strandkörben, da gingen wir dann später hin. Voll bepackt mit unseren restlichen Vorräten bauten wir aus 3 Körben eine Strandkorb-Burg und machten es uns bequem. S. versuchte die Enten mit Brot anzulocken, und als sie das geschafft hatte, machte sie sich an die Aufgabe, den Enten den Schritt beizubringen, den sie vorher von E. übernommen hatte (1-2-3-4-5-6-nach vorne-nach hinten-zur Seite-ran). Es war zum totlachen, aber sie ließ sich nicht beirren und machte immer weiter. Wir hatten einen unglaublichen Spaß!
Irgendwann kommt ja immer der Zeitpunkt zum Abschied nehmen. Wir kehrten zurück zum Boot, sammelten unsere Siebensachen zusammen, machten so gut es ging klar Schiff und gingen von Bord.
Wir verabschiedeten uns vom Skipper und seiner Tochter und machten uns auf die Rückfahrt nach Hamburg.
Das war ein ganz toller Tag. Danke, D., dass Du uns mitgenommen hast. Daran werden wir noch ganz lange denken.

Am Montag schliefen wir uns erst mal ordentlich aus. Nach dem Frühstück setzte Nils sich an den PC und fing an, diverse Kündigungen für Verträge zu schreiben. Telefon, Mitgliegschaften, Versicherungen, ... da kommt einiges zusammen, das gekündigt werden muss.
Mir waren schon beim Frühstück die Augenlider zeitweise zugeklappt, daher legte ich mich "nochmal kurz" hin. Daraus wurden schließlich 4 Stunden. Davon habe ich die wenigste Zeit geschlafen, aber einfach dort gelegen und an nichts gedacht. Keine Gedanken, kein Antrieb, nur die pure Existenz. Ich war einfach total fertig von dem mangelnden Schlaf der letzten Tage. Das begann ja schließlich schon am Donnerstag. Seit dem hatte ich keine Nacht ordentlich geschlafen oder tagsüber mal die Gelegenheit gehabt, kurz durchzuschnaufen. Das hatte ich nun nachgeholt.
Am frühen Abend hatten wir uns dann in unserer Party-Location verabredet, um die Details abzustimmen und letzte Fragen zu klären. Somit steht nun alles, und das Versenden der Einladungen kann losgehen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen