Seit dem letzten Jahr ist er nun stolzer Besitzer eines eigenen Bootes und kann seinem Hobby noch häufiger nachgehen.
Natürlich waren wir Feuer und Flamme, als er vorschlug, uns mal mitzunehmen auf einen Törn. Schon vor Monaten hatten wir diese Verabredung getroffen und Pfingsten als Termin fest gelegt. Mitte Mai, da sollte doch das Wetter schon richtig toll sein, und Wind ist doch eh immer .... so dachten wir.
Wir hatten uns das komplette Wochenende frei gehalten, weil D. kurz vorher die Wetterprognosen checken wollte. Auch die Frage, ob wir einen Tagestrip machen würden oder eine Übernachtung mit einplanen, hielten wir uns offen, um alle Möglichkeiten zu haben.
Am Hafen angekommen, gingen wir erst mal alle an Bord und besprachen die Pläne. Leider hatte sich das Wetter seit Mittwoch nicht besonders zum Guten gewendet, und auch die Prognosen hatten sich den trüben Tatsachen angepasst. Für Montag waren sogar Gewitter vorausgesagt. Um keine Risiken einzugehen, änderten wir also den Plan eines 2-Tage-Törn ab auf zunächst einen Tagesausflug und eine abendliche Entscheidung, ob wir vielleicht doch am Montag einen weiteren Ausflug wagen.
Als wir startklar waren, legte der Skipper ab, manövrierte uns mit Motorkraft aus dem Hafen heraus und nahm Kurs auf Travemünde. Außerhalb des Hafens wurde es dann spannend, denn das Segel wurde ausgepackt, und wir bekamen jeder unsere Aufgaben. Nils durfte das Steuer übernehmen und E. und ich haben Taue zugeteilt bekommen, an denen wir entweder ziehen oder locker lassen mussten. Toll, da kamen wir richtig in Action und fühlten uns wie echte Seebären. Der Wind war nicht besonders stark, aber immerhin bewegten wir uns vorwärts, wenn auch nur mit 3 - 4 Knoten.
| Ist er nicht toll? |
Als eine weitere Böe zusammen mit meinen Steuerkünsten dazu führte, dass sich das Boot bedrohlich auf die Seite neigte, wurde ich abgelöst. E. steuerte auch nicht perfekt, aber besser als ich war sie allemal.
Kurz vor dem Einlaufen in den Hafen machten wir demütig Platz, denn von hinten kam ein großer Containerfrachter an. Der musste uns zwar grundsätzlich Vorfahrt gewähren, weil wir unter Segel fuhren, aber will sich schon mit so einem Riesen anlegen. Wir fuhren also zur Seite, drehten uns einmal langsam im Kreis, bis der Frachter vorbei war, und dann konnten auch wir in den Hafen einfahren. Trotz des ungemütlichen Wetters war eine ganze Menge los. Leute mit Windjacken und Mützen säumten die Kaimauern und beobachteten das Treiben auf dem Wasser. D. fuhr mit uns eine kleine Runde durch den Hafen, dann steuerten wir einen Gastliegeplatz an. Der war zwar als besetzt gekennzeichnet, aber es lag gerade niemand dort, so dass wir uns den Platz schnappten. Wir wollten ja nicht stundenlang verweilen, nur ein kurzer Boxenstop für ein Käffchen und einen Toilettengang. Der Mann, der an dem Boot nebenan am arbeiten war, half uns beim Anlegen und stellte den Tritt bereit, der uns das An-Land-gehen erleichterte. Segler helfen sich eben untereinander, das merkt man.
| Nils macht sich bereit zum Anlegen. |
| Kein Wind: Die Ostsee war glatt wie ein Spiegel. |
Nachdem S. uns eine ganze Weile Richtung Heimathafen gesteuert hatte, durfte ich auch noch einmal mein Glück versuchen. Und siehe da: mit dem Motor fahren ist viel einfacher. Ich bräuchte zwar noch SEHR viel Übung, um richtig schön geradeaus zu fahren, aber es ging zumindest schon mal viel besser als vorher.
Nach einiger Zeit meldete sich der Hunger wieder, und wir stellten den Motor ab, ließen uns auf der Stelle treiben und tafelten wieder auf.
Zurück im Hafen, als D. das Boot sicher vertäut hatte, genehmigten wir uns ein Feierabendbier / -alster. Man, das tat gut. Wir berieten über das weitere Vorgehen und entschlossen uns, nach Hause zu fahren, da die Prognosen für das Wetter am Montag weiter mau waren. Das sollte uns aber nicht davon abhalten, diesen Sonntag in vollen Zügen bis zum Schluss zu genießen.
S. war es etwas langweilig mit uns, daher ließ sie sich von D. ihren Kescher und einen Eimer aushändigen und ging auf Fischfang ... naja, den Versuch. Da waren nur winzig kleine Fische, und die konnte sie gar nicht zu fassen kriegen, weil die viel zu tief schwammen, aber versucht hat sie es unermüdlich.
Zum Hafen gehört noch ein kleiner Strand mit Strandkörben, da gingen wir dann später hin. Voll bepackt mit unseren restlichen Vorräten bauten wir aus 3 Körben eine Strandkorb-Burg und machten es uns bequem. S. versuchte die Enten mit Brot anzulocken, und als sie das geschafft hatte, machte sie sich an die Aufgabe, den Enten den Schritt beizubringen, den sie vorher von E. übernommen hatte (1-2-3-4-5-6-nach vorne-nach hinten-zur Seite-ran). Es war zum totlachen, aber sie ließ sich nicht beirren und machte immer weiter. Wir hatten einen unglaublichen Spaß!
Wir verabschiedeten uns vom Skipper und seiner Tochter und machten uns auf die Rückfahrt nach Hamburg.
Das war ein ganz toller Tag. Danke, D., dass Du uns mitgenommen hast. Daran werden wir noch ganz lange denken.
Am Montag schliefen wir uns erst mal ordentlich aus. Nach dem Frühstück setzte Nils sich an den PC und fing an, diverse Kündigungen für Verträge zu schreiben. Telefon, Mitgliegschaften, Versicherungen, ... da kommt einiges zusammen, das gekündigt werden muss.
Mir waren schon beim Frühstück die Augenlider zeitweise zugeklappt, daher legte ich mich "nochmal kurz" hin. Daraus wurden schließlich 4 Stunden. Davon habe ich die wenigste Zeit geschlafen, aber einfach dort gelegen und an nichts gedacht. Keine Gedanken, kein Antrieb, nur die pure Existenz. Ich war einfach total fertig von dem mangelnden Schlaf der letzten Tage. Das begann ja schließlich schon am Donnerstag. Seit dem hatte ich keine Nacht ordentlich geschlafen oder tagsüber mal die Gelegenheit gehabt, kurz durchzuschnaufen. Das hatte ich nun nachgeholt.
Am frühen Abend hatten wir uns dann in unserer Party-Location verabredet, um die Details abzustimmen und letzte Fragen zu klären. Somit steht nun alles, und das Versenden der Einladungen kann losgehen.
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