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Freitag, 21. Juni 2013

München

Um dem Trubel und dem Stress zu entkommen, den der Umzug mit sich bringt, hatten wir uns überlegt, das Wochenende nach der Alm in München zu verbringen. Hier waren wir noch nie so richtig, naja, und wenn man doch schon in der Nähe ist.
Nils hatte ein tolles Hotel herausgesucht; zentral gelegen, nette Zimmer, tolles Frühstück, sehr gute Bewertung bei HolidayCheck.

1. Tag; Samstag:  Stadtrundfahrt, Viktualienmarkt, Biergarten
Bitte mal ernst gucken.
Die Nacht war wirklich ruhig. Wir hatten da so einige Zweifel, weil wir ein Zimmer nach vorne zur Straße heraus bekommen hatten, und da war ordentlich Trubel (Bahnhofsviertel mit Stundenhotels, arabischen Imbissen und Sportkneipen). Die Fenster war aber super schallisoliert und die Klimaanlage flüsterleise.
Bitte mal dämlich gucken.
Im kleinen Frühstücksraum suchten wir uns einen Platz und begannen den Tag mit Weißwurst, Rührei, Kaffee und was das Herz sonst noch so begehrte. Eine große Auswahl und ein super leckeres hausgemachtes Bircher Müsli! Der Hausherr, der uns gestern schon kurz begrüßt hatte, ließ es sich auch am frühen Morgen nicht nehmen, jeden Gast zu begrüßen, nach dem Befinden und der Schlafqualität sowie nach den Plänen für den Tag zu erkundigen. Der Mann ist ungefähr 70, aber ein topfitter Gastgeber, der sich viele Dinge über die Leute merkt und das am nächsten Tag wieder ins Gespräch einbindet.
Die Isar.
Fernsehturm.
Um einen Überblick über die Stadt zu bekommen, buchten wir eine Stadtrundfahrt in einem Doppeldeckerbus. Wir waren ziemlich weit vorne in der Schlange und bekamen auch schöne Sitzplätze auf dem oberen Deck, das extra vor dem EInsteigen noch geöffnet wurde, weil die Sonne so schön schien. Aber während wir so darauf warteten, dass alle anderen eingestiegen waren, bekamen wir schon die ersten Tropfen ab. Zunächst versuchten noch alle, das wegzulächeln, aber irgendwann konnte man es nicht mehr ignorieren: es fing an zu regnen. Also Verdeck zu und losgefahren. Nach einiger Zeit trocknete es wieder, und das Verdeck konnte geöffnet werden. Dieses Spiel wiederholte sich 2 mal, dann war es dauerhaft trocken, und die Sonne brannte ohne Gnade auf uns herunter. Die erste Runde der Stadtrundfahrt führte uns durch den Innenstadtbereich und dauerte ungefähr 1 Stunde. Am Ende dieser Fahrt kehrten wir zum Hauptbahnhof zurück, und alle, die die kleine Tour gebucht hatten, mussten aussteigen. Wir blieben sitzen, denn wir hatten die erweiterte Runde gebucht, die auch in die äußeren Bereiche führte. Es ging also weiter zum Schloss Nymphenburg, zum Olympiapark und zum BMW-Werk. Hier wurde ich etwas wehmütig und habe an meine Familie gedacht.
Nach einer weiteren Stunde war auch die große Rundfahrt zuende, und wir stiegen am Hauptbahnhof aus. Da wir nun eine grobe Orientierung hatten, konnten wir losstiefeln und den Viktualienmarkt aufsuchen. Dort stärkten wir uns mit einem großen frisch gepressten Fruchtsaft und schauten uns dann die Marktstände an.
Frauenkirche.
An einem Ende des Marktes war ein großes Geschäft mit offener Tür, aus der die Stimme eines Moderators oder so drang. Das machte uns neugierig, und wir schauten mal nach, was das war. Es handelte sich um ein Leih- und Auktionshaus, und drinnen war eine Auktion in vollem Gange. Wir gingen einfach mal rein und hörten zu. Das war so interessant, dass wir uns sogar Sitzplätze suchten und verweilten. Es wurden gerahmte Kunstdrucke und Perserteppiche versteigert. Der Auktionator war toll. Der wusste über jedes Stück Bescheid, konnte alles mögliche erzählen und hat die Leute ordentlich zum Bieten aufgefordert. Leider war er nicht besonders erfolgreich. Konnte ich mir auch nicht vorstellen, denn das Publikum sah nicht danch aus, als könnte es sich einen 12.000 € teuren Teppich ins Wohnzimmer legen (uns inklusive). Auch mit der Aussicht, die Teppiche als Wertanlage auf dem Dachboden zu verstauen, konnte niemanden locken, und so musste er seine guten Stücke wieder verstauen lassen. Schicke waren sie, das muss ich sagen, und relativ günstig bestimmt auch, aber welcher normale Mensch hat denn so viel Geld mal eben so rumliegen, um es in einen Teppich zu investieren?
Viktualienmarkt.

Als wir genug geschaut hatten, verließen wir das Gebäude und setzten unsere Runde auf dem Markt fort. Inzwischen war es auch schon später Nachmittag geworden, und wir verspürten ein Hüngerchen. Nils hatte den ältesten Biergarten Münchens heraus gesucht und wusste - wie immer - ganz genau, wo der ist.
Wir marschierten und marschierten, die Sonne brannte, der Schweiß lief, die Laune wurde schlechter. Irgendwann zeigte mir Nils in der Ferne eine Reihe Bäume und sagte, dort sei der angestrebte Biergarten. OK, also Zähne zusammengebissen und weiter.
Diejenigen, die Nils und meine Geschichten über seine Zuversicht kennen, wissen, was jetzt kommt: Na klar, wir kamen bei den Bäumen an, und es war kein Biergarten zu sehen. Es ging also weiter, bis es mir zu blöd wurde. Ich setzte mich in den Schatten und verweigerte mich. Gegen Laufen habe ich nichts, aber ich kann es einfach nicht ertragen, wenn nicht klar ist, wo das Ziel ist und wenn ich das Gefühl habe, planlos durch die Gegen zu laufen. Nils setzte sich ebenfalls und studierte einen Prospekt, den wir in einem Geschäft mitgenommen hatten. Ich guckte mir die Leute an und hätte den ganzen Abend so dasitzen können.
Bitte nochmal dämlich.
Irgendwann rissen wir uns beide am Riemen und gingen weiter. Bis zum Biergarten war es tatsächlich nicht mehr weit, und wir fanden sogar einen Tisch, der nicht reserviert war. Eine Maß wurde geordert und etwas zu essen und dann betrachteten wir das Treiben um uns herum. Irre, wie die das Bier wegzischen. Ich habe meine Maß Radler nicht geschafft.
Nach dem Essen blieben wir noch, denn es war so lauschig dort im Schatten der Bäume. Dann aber machten wir uns auf den Weg zum Hotel.

2. Tag; Sonntag:  Alter Botanischer Garten, Biergarten





3. Tag; Montag:  München --> Hamburg, meine Perle








Ausbildertreffen auf der Alm

Es war unser 11. Ausbildertreffen und gleichzeitig ein denkwürdiges. Eigentlich hatten wir schon im letzten Jahr zum 10. Jubiläum etwas Besonderes machen wollen, aber zu dem Zeitpunkt war ja das ganze Thema Ausbildung mit einem großen Fragezeichen versehen. Was soll man nun machen, um eine Firmenveranstaltung in einem speziellen Rahmen stattfinden zu lassen, ohne den Arbeitsaspekt außer Acht zu lassen? Wir überlegten alle, aber die zündende Idee hatten die Kollegen aus Bayern. Wie wäre es denn auf einer Alm? Hmm, Doppelzimmer, Etagenklos und -duschen; das hörte sich mehr als rustikal an. Aber ein Blick auf die Webseite der Oberen Firstalm wandelte die Zweifel in Begeisterung um.
E. buchte, und wir alle freuten uns drauf. Nils war ja definitiv zu dem Zeitpunkt nicht mehr in der Firma, und auch bei mir stand es noch in den Sternen, ob ich Ende Mai oder Ende Juni die Firma verlasse. Trotzdem war für uns klar, dass wir auf jeden Fall dabei sein würden, notfalls von der Schweiz aus auf eigene Kosten. Das wollten wir auf keinen Fall verpassen.
Nun kam es ja so, dass ich meinen Arbeitsvertrag zu Ende Juni auflöste, also planten wir Nils' Anreise per Mietwagen. Seine Anwesenheit war als Überraschung für die Anderen geplant, was allerdings nicht bei allen funktionierte.
Für mich ging es am Donnerstag um 3 Uhr aus den Federn. Ich war auf einen früheren Flug gebucht, als die Anderen und musste um 05.45 Uhr borden. Alles klappte ganz gut; die Augen waren sehr klein, aber ich kam pünktlich am Flughafen an, Abflug war pünktlich, Flug war ruhig.
In München angekommen suchte ich dann den Europcar-Schalter, an dem ich auf die restliche Truppe warten sollte. Es warteten schon ein paar bekannte Gesichter dort - die Kollegen aus Gelsenkirchen - so dass gar nicht erst Langeweile aufkam. Die Gelsenkirchener buchten die Mietwagen und dann setzten wir uns gegenüber von Europcar hin, um zu frühstücken. Von dort hatten wir den Schalter im Blick.
09.52 Uhr in Bayern - das Bier schmeckt schon.
Die Hamburger und die Hamelner trafen nach und nach ein, dann konnte es losgehen. Ins Parkhaus, Sitzplätze verteilt und losgefahren. Es sollten ungefähr 1,5 Stunden sein bis zum Parkplatz der Alm. Nach einer Dreiviertelstunde hielten wir plötzlich an, und ich dachte zunächst, wir wären schon da. Allerdings wunderte ich mich, denn weit und breit sah ich gar keinen Aufstieg zu einer Alm. Es klärte sich dann für mich auf, als wir ausstiegen und mit Gejohle begrüßt wurden, denn da warteten die bayrischen Kollegen auf uns - in einem Biergarten sitzend. Wir setzten uns dazu und bestellten. So gab es denn am Donnerstagmorgen um 09.52 Uhr das erste Radler und eine Weißwurst. Ja, so ist es in Bayern.
Nach einer knappen Stunde konnten wir uns dann endlich losreißen, denn wir hatten ja noch ordentlich Programm vor uns. Wir fuhren also weiter und kamen dann auch endlich beim Parkplatz an. Nils und J. warteten schon auf uns. Es gab große Wiedersehensfreude; alle umarmten und herzten sich. Dann wurden schnell die Autos ausgeladen. Das Gepäck deponiert man in einem Anhänger, der da in der Nähe des Parkplatzes steht. Das wird dann irgendwann abgeholt und mit dem Auto zur Alm transportiert. Puh, gottseidank, denn den ganzen Kram da hoch zu schleppen, das wäre aber heftig geworden.
Ohne Gepäck wagten wir uns also an den Aufstieg, der nach Angaben der Alm ungefähr 45 Minuten dauern sollte. Zu Anfang war es noch ganz ok. Es ging bergauf, aber noch nicht besonders steil. Irgendwann wurde es aber ganz schön anstrengend, denn es gab keinen einzigen Abschnitt, an dem es mal ein bisschen flacher wurde. Auch Bänke oder Baumstämme zum Verschnaufen waren nicht vorgesehen, so dass wir immer weiter marschierten in der Gluthitze der brennenden Sonne. Wir hangelten uns von Schatten zu Schatten, der allerdings wirklich rar war.
Als wir endlich alle oben angekommen waren, mussten wir erst mal verschnaufen. Und wie ginge das besser, als bei Bier und Radler im Biergarten der Alm mit fantastischer Aussicht?
Zum Mittagessen gab es die Auswahl zwischen Schweinebraten und Spinatknödeln. Ich hatte die Knödel, und die waren total lecker, aber 3 Stück waren definitiv zuviel. Nils vertilgte den Rest.
E. drängte zum Weitermachen, also verlagerten wir die gesellige Runde ins Tagungszimmer und begannen mit dem offiziellen Teil. Für den Donnerstag waren die internen Themen auf dem Plan. Für den Freitag hatten wir einen externen Gast eingeladen.
Später war dann auch unser Gepäck angekommen, und wir konnten die Zimmer beziehen. Immer zu zweit auf einem Zimmer. Eigentlich wollten Nils und ich ja zusammen, aber wie schon so oft kam die Anzahl von Männlein und Weiblein nicht hin, so dass ich mit C. ein Zimmer teilte und Nils mit A.
Der richtige Aha-Effekt kam aber, als wir die Badezimmer inspizierten. Dass man die etagenweise teilen musste, war mir ja klar, aber es gab tatsächlich nur eine einzige Dusche für Damen und eine für Herren. Das könnte ja bei insgesamt 42 Betten auf der Etage interessant werden. Glücklicherweise waren wir die einzigen Übernachtungsgäste in dieser Nacht, daher mussten wir die Dusche nur unter uns 4 Frauen teilen. Die Männer waren 9, aber das ging auch irgendwie.
Am Nachmittag waren dann einige noch nicht ausgepowert genug und wollten weiter den Berg hinauf. Sie versammelten sich und machten sich auf den Weg. Nils war mit von der Partie, aber ich schnappte mir ein Buch und wollte gemütlich in der Sonne sitzen. Dort traf ich aber auf die ganzen anderen Kollegen, die auch alle keine Lust auf weitere Kraxelei hatten, und so legte ich das Buch zur Seite und unterhielt mich mit den Anderen. Es dauerte gar nicht so lange, da kamen die ersten Bergsteiger zurück. Sie waren umgedreht, weil sie dann doch keine Lust mehr hatten.
"Huihui", so beschäftigt man Erwachsene einen ganzen Tag lang.
Wenig später kamen die nächsten, die auch nicht mehr weiter wollten. Und zum Schluss kamen dann Nils und A. Wir alle staunten, denn A. ging barfuß. Seine Schuhe hatte er um den Hals gehängt, und das war ein Anblick: die Schuhe waren total durchgelatscht. Die hatte sich auf dem Berg komplett in Wohlgefallen aufgelöst, so dass an ein Weitergehen nicht zu denken war. Es ist also niemand nach oben zum Gipfel vorgedrungen, aber der gute Wille war da.
Wir waren alle sonnenhungrig und genossen das wunderbare Wetter. Es wurde so unglaublich viel gelacht, dass es manchmal schon weh tat. Die Bayern hatten die Aufgabe erhalten, ein bisschen für Unterhaltung / Beschäftigung zu sorgen, und so kam A. denn auch mit einem kleinen Spielzeug an. Er erzählte in seiner unnachahmlichen Art von früher, als er ja nix hatte und sich sogar sein Spielzeug selber machen musste. In der Hand hatte er ein Stück Holz, das er uns dann auch gleich vorführte. Das Spiel nennt sich "Huihui", und man muss mit einem Kugelschreiber über das eingeritze Holz fahren. Vorne dran montiert ist ein kleines Stück von einem Zollstock, dass sich wie ein Propeller drehen sollte. Riffelt man mit dem Kugelschreiber über die Kerben, dreht sich der Propeller. Der Clou ist nun, dass man "Hui nach rechts" rufen soll, damit sich der Propeller nach rechts dreht. Ruft man "Hui nach links", dann dreht sich der Propeller nach links.
Ja, das war ja nun eine Riesengaudi. Das Hölzchen ging reihum, und jeder versuchte sich dran. Es wurden Theorien ausgetüftelt und ausprobiert. Der Zollstock drehte sich rechtsherum, egal was wir machten. Wir riffelten wie die Irren auf diesem Hölzchen herum, und es wollte uns einfach nicht gelingen, diesen blöden Propeller nach links zu bewegen. Immer wieder musste A. uns zeigen, dass es funktioniert, und tatsächlich: immer wenn er "Hui nach links" rief, drehte sich das Teil links herum.
Der "Pokal".
Ich achtete genau auf seine Hände, da wir eine Theorie hatten, was die Handhaltung angeht. Aber es war nix zu erkennen. Selbst als er sich neben mich setzte, ich das Holz festhielt und A. meine Hand mit dem Kugelschreiber führte, konnte ich nichts feststellen. Verflixte Sache, dieses Phänomen sollte uns noch den ganzen Abend auf Trab halten.
Das Ziel der Mühe war ein sogenannter "Pokal", der aber eigentlich ein kurzer Metallstab an einer Schlaufe war. A. machte ihn mit Hilfe der Schlaufe an Mi.s Hemd fest. Nach einiger Zeit wollte M. den Stab von seinem Hemd abmachen und fummelte unendlich lange da an seinem Knopfloch herum. Ich wunderte mich sehr, dass der gute Mi. schon so betrunken war, dass er diese simple Schlaufe nicht öffnen konnte. Tatsächlich musste A. ihm dabei helfen. Erst bei genauem Hinsehen stellte ich fest, dass ich Mi. unrecht getan hatte, denn er war nicht betrunken, sondern bei diesem "Pokal" handelte es sich um eine weitere Spielerei. Die Schlaufe war nämlich so kurz, dass man sie nicht wie gewohnt befestigen konnte, sondern einen Trick anwenden musste. Und diesen Trick galt es herauszufinden. Auch dieses Teil sollte uns eine Zeit lang beschäftigen.
Gegen 19 Uhr hatten wir alle einen Bärenhunger. Wir hatten einen Grillabend gebucht, und die Alm ließ da keine Wünsche offen. Es wurde ein Riesengrill aufgebaut und Berge von Würsten und Fleisch wurden aufgelegt. Außerdem gab es gegrillte Maiskolben und Folienkartoffeln, Sour Creme, Kartoffelsalat, grünen Salat, verschiedene Dips und Brot. Köstlich!
Natürlich floss auch das Bier reichlich, und als das Geschirr abgeräumt war, wurden die Spielzeuge wieder hervor geholt. Leider funktionierte das "Huihui" auch mit benebelten Sinnen nicht besser. Aber das mit dem "Pokal" wollte ich doch austüfteln. Da ich kein Knopfloch hatte, musste ich mich an Mi.s Hemd zu schaffen machen. Und tatsächlich bekam ich den Metallstab angetüdelt. Der Applaus war groß, und A. stellte mir in Aussicht, dass er mir das "Huihui" erklären würde, wenn ich es schaffe, den Stab auch wieder abzutüdeln. Das war ja ein Ansporn für mich. Aber ich bekam es nicht hin. Mo. griff ein, und sie schaffte es. Mi. hatte keine Lust mehr, dass dauernd irgendwelche Frauen an seinem Hemd rum fummeln, also wichen wir auf J. aus. Auch er hatte ein Hemd an, konnte also Knopflöcher zur Verfügung stellen. Und siehe da, es klappte. Nun kam der ultimative Test: Ich musste an A.s Hemd den Stab anbringen und wieder abmachen, um mich für das Geheimnis des "Huihuis" zu qualifizieren. Am Anfang dachte ich, es gelingt nicht, aber dann habe ich es doch geschafft. A. ging mit mir nach drinnen und weihte mich in das Geheimnis ein. Ja, jetzt gehöre ich zu den Wissenden, und ich werde es nicht verraten.
Bis 22 Uhr haben die auf der Alm normalerweise Bewirtung für Gäste. Um 23 Uhr kam die Dame bei uns an und fragte, ob wir denn wohl auch alleine zurecht kämen, wenn sie uns einen Kasten Bier hinstellen würde. Ja, würde schon gehen, also verabschiedete sie sich, und wir saßen noch bis 0.30 Uhr draußen.
Die Nacht war kurz. Ich habe etwa 2 Stunden geschlafen, dann ging es los, dass ich andauernd zur Toilette musste. Insgesamt 8 Mal bin ich raus aus dem Zimmer, über den Flur und ins Bad. Das Ganze ging recht geräuschvoll vonstatten, da die Holzdielen bei jedem Schritt knarrten und knatschten. Am nächsten Morgen erzählte ich, dass ich 8 Mal raus war, und alle meinten "Ach Du warst das. Wir haben uns schon gewundert, warum da so ein Verkehr auf dem Flur war."
Mein Kreislauf hat auch noch verrückt gespielt nachts, so dass ich wirklich kaum ein Auge zugemacht habe. Das Frühstück bestand dann für mich aus einem Glas Wasser und einem trockenen Brötchen.
Unser Gast kam von einer Drogenberatungsstelle in der Nähe, und was der da mit uns gemacht hat, war richtig klasse. Er hat uns immer wieder herausgefordert mit provokanten Thesen und Schätzfragen. So kamen wir richtig in Schwung und in Diskussion. Klasse!
Leider hatten wir mit dem Mann nur einen halben Tag, dann war es schon Zeit für Mittagessen, Abstieg und Abreise.

Die ganze Nacht hatte es geregnet, und es war deutlich abgekühlt. Überall verdeckte Nebel die schöne Aussicht. Der Weg den Berg hinab war aber glücklicherweise nicht zu sehr aufgeweicht, so dass der Abstieg gut ging. Wir nahmen unten am Anhänger wieder unser Gepäck entgegen, verteilten uns auf die Autos und verabschiedeten uns. Einige sollten wir am Abend noch wiedersehen, aber von vielen mussten wir uns endgültig verabschieden. Sehr schade, denn sie sind mir alle ans Herz gewachsen über all die Jahre.
Ich stieg zu Nils in den Mietwagen und konnte mich noch ungefähr eine halbe Stunde wach halten. Dann fiel ich in Schlaf und wachte erst kurz vor dem Hotel in München auf. Wir bezogen unser Zimmer und ich legte mich ins Bett, um noch so viel Kraft zu tanken wie möglich.
Später trafen wir uns mit den Gelsenkirchenern und mit E. und Mo. in Freising beim Griechen, um die gemeinsamen Tage endgültig ausklingen zu lassen.

Sonntag, 2. Juni 2013

Glück auf !

Innerhalb der letzten 72 Stunden sind hier in der Ostschweiz, wie auch in Süddeutschland, so abnorme Mengen Regen heruntergekommen, dass in einigen Gegenden die höchste Unwetterwarnstufe ausgerufen wurde. Den Spitzenwert belegte eine Gemeinde in der Nähe von St. Gallen, wo in 24 Stunden 241 Liter Regen pro Quadratmeter fielen. Dazu kam noch eine spontane Schneeschmelze vom Wintereinbruch in den Höhenlagen eine Woche zuvor.

Kurzum, es war kein Wetter, um großartig draußen etwas zu unternehmen. Also fuhr ich untertage ein - in das Gipsmuseum und historische Gipsbergwerk Schleitheim.

Schleitheim ist ein kleines Dorf etwa 35 km nordwestlich von Schaffhausen, direkt an der deutschen Grenze. In dieser Gegend wurde vom frühen 17. bis Anfang des 20. Jahrhunderts in größerem Stil Gips untertage abgebaut. Die geologische Besonderheit liegt hier in der Lage der gipsführenden Schichten - diese reichen unterhalb eines 70 Meter hohen Hügels bis fast an die Oberfläche. Die Bergleute mussten jeweils etwa 80 Meter lange, waagerechte Stollen in den Berg graben, um dann im Innern bis zu 10 Meter hohe Kavernen auszugraben. Und das mit Öllampen und Spitzhacken.

Um Punkt 14 Uhr begann die Führung im winzigen, aber sehr liebevoll eingerichteten Museum. Unser Guide war ein Nachfahre des letzten Minenbesitzers, der die Anlage dank ehrenamtlicher Helfer und eines Mäzens in Schuss hält. Dies ist immerhin der letzte begehbare Gipsstollen in der Nordschweiz. Zunächst gab es eine Einführung in Geologie und Geschichte, und dann ging es mit Schutzhelm hinab. Über die Helmpflicht hatten sich einige Besucher amüsiert, aber unser Guide meinte nur salopp, für jedes "Klong" des Helms im Stollen gibt der Mann seiner Frau einen Kuss und der Mann bekommt von der Frau einen Kaffee ausgegeben. Tja Bine, Du wärst auf Deine Kosten gekommen !

Der Einstiegsstollen verläuft zwar recht waagerecht, aber aufgrund der mühevollen Handarbeit wurden die Tunnel nur so hoch wie eben nötig gebaut. Und das bedeutete 1,20 - 1,50 Meter auf einer Länge von 80 Metern. Nix für Menschen mit Platzangst !

Danach öffnet sich der Tunnel in größere Gänge und am Ende in mehrere Kavernen. Heutzutage ist alles gut beleuchtet und befestigt, aber wir bekamen einen kleinen Eindruck von den damaligen Verhältnissen, als unser Guide mal das Hauptlicht abschaltete und den Schein von Öllampen simulierte. Da fühlt man sich wie ein Maulwurf im Bau.

Das Klima dort drinnen (von unten kann man ja nicht wirklich sprechen) liegt ganzjährig bei 9 Grad und 85 % Luftfeuchtigkeit. In dieser Umgebung wächst an den hölzernen Stützbalken ein weißer, ungiftiger Pilz, der wie langer, weißer Rauschebart herunterhängt. Das hätte Disney in einem Spukschloß nicht besser machen können.

Nach gut einer Stunde ging es wieder hinaus in die Wärme und in die mittlerweile wieder zum Vorschein gekommene Sonne. Die Rückfahrt am Rhein entlang war dann eine erste Entschuldigung für das Sauwetter der letzten Tage.