Seiten

Sonntag, 2. Juni 2013

Glück auf !

Innerhalb der letzten 72 Stunden sind hier in der Ostschweiz, wie auch in Süddeutschland, so abnorme Mengen Regen heruntergekommen, dass in einigen Gegenden die höchste Unwetterwarnstufe ausgerufen wurde. Den Spitzenwert belegte eine Gemeinde in der Nähe von St. Gallen, wo in 24 Stunden 241 Liter Regen pro Quadratmeter fielen. Dazu kam noch eine spontane Schneeschmelze vom Wintereinbruch in den Höhenlagen eine Woche zuvor.

Kurzum, es war kein Wetter, um großartig draußen etwas zu unternehmen. Also fuhr ich untertage ein - in das Gipsmuseum und historische Gipsbergwerk Schleitheim.

Schleitheim ist ein kleines Dorf etwa 35 km nordwestlich von Schaffhausen, direkt an der deutschen Grenze. In dieser Gegend wurde vom frühen 17. bis Anfang des 20. Jahrhunderts in größerem Stil Gips untertage abgebaut. Die geologische Besonderheit liegt hier in der Lage der gipsführenden Schichten - diese reichen unterhalb eines 70 Meter hohen Hügels bis fast an die Oberfläche. Die Bergleute mussten jeweils etwa 80 Meter lange, waagerechte Stollen in den Berg graben, um dann im Innern bis zu 10 Meter hohe Kavernen auszugraben. Und das mit Öllampen und Spitzhacken.

Um Punkt 14 Uhr begann die Führung im winzigen, aber sehr liebevoll eingerichteten Museum. Unser Guide war ein Nachfahre des letzten Minenbesitzers, der die Anlage dank ehrenamtlicher Helfer und eines Mäzens in Schuss hält. Dies ist immerhin der letzte begehbare Gipsstollen in der Nordschweiz. Zunächst gab es eine Einführung in Geologie und Geschichte, und dann ging es mit Schutzhelm hinab. Über die Helmpflicht hatten sich einige Besucher amüsiert, aber unser Guide meinte nur salopp, für jedes "Klong" des Helms im Stollen gibt der Mann seiner Frau einen Kuss und der Mann bekommt von der Frau einen Kaffee ausgegeben. Tja Bine, Du wärst auf Deine Kosten gekommen !

Der Einstiegsstollen verläuft zwar recht waagerecht, aber aufgrund der mühevollen Handarbeit wurden die Tunnel nur so hoch wie eben nötig gebaut. Und das bedeutete 1,20 - 1,50 Meter auf einer Länge von 80 Metern. Nix für Menschen mit Platzangst !

Danach öffnet sich der Tunnel in größere Gänge und am Ende in mehrere Kavernen. Heutzutage ist alles gut beleuchtet und befestigt, aber wir bekamen einen kleinen Eindruck von den damaligen Verhältnissen, als unser Guide mal das Hauptlicht abschaltete und den Schein von Öllampen simulierte. Da fühlt man sich wie ein Maulwurf im Bau.

Das Klima dort drinnen (von unten kann man ja nicht wirklich sprechen) liegt ganzjährig bei 9 Grad und 85 % Luftfeuchtigkeit. In dieser Umgebung wächst an den hölzernen Stützbalken ein weißer, ungiftiger Pilz, der wie langer, weißer Rauschebart herunterhängt. Das hätte Disney in einem Spukschloß nicht besser machen können.

Nach gut einer Stunde ging es wieder hinaus in die Wärme und in die mittlerweile wieder zum Vorschein gekommene Sonne. Die Rückfahrt am Rhein entlang war dann eine erste Entschuldigung für das Sauwetter der letzten Tage.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen