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Montag, 22. April 2013

Sonntag, Sonne, Elbstrand

Hmm, bis in die Schweiz hat es sich also noch nicht herumgesprochen, dass wir mittlerweile fast Ende April haben, es damit schon lange Frühling ist und dass an einem SONNtag gefälligst die Sonne zu scheinen hat.
Nils hatte mir am Samstag eine Mail geschickt mit einem Foto von den umliegenden Dächern aus seinem Dachfenster fotografiert. Zunächst dachte ich, das sei Raureif, aber bei genauerem Hinsehen erkannte ich den Schnee.
Als ich meinen Kreischanfall wieder im Griff hatte, schrieb ich Nils eine hämische Mail zurück, in der ich ihn über den strahlenden Sonnenschein in Harburg informierte. In den letzten Wochen war es so oft anders herum, dass ich diese Gelegenheit nun einfach mal nutzen musste.

Morgens war ich mit Tobi zum Frühstück beim Backhus. Nachdem wir uns gestärkt hatten, streiften wir durch den Baumarkt und guckten nach Farbe. Tobi ist ja der Fachmann dafür und hat mich gut beraten.

Nachmittags sind wir dann in die Stadt gefahren. Tobi habe ich in der City 'raus gelassen und ich bin dann weitergefahren, um Hilke endlich mal wieder zu besuchen. 1 Jahr wohnt sie nun schon nicht mehr in Heimfeld, und wir hatten es die ganze Zeit nicht geschafft, uns mal zu treffen.
Wir verbrachten den gesamten Nachmittag auf ihrem tollen Balkon und genossen bei totaler Windstille die Sonne. Es waren zwar nur 13 °C im Schatten, aber in der Sonne konnte man ohne Weiteres im T-Shirt sitzen. HERRLICH!!

Auch am Sonntag war es nicht besonders warm, aber immerhin sonnig. Und diese Woche holten mich erneut Stefanie und Martin aus der Lethargie heraus. Sie holten mich ab, und wir fuhren zum Rüschpark, wo wir die Fähre nach Teufelsbrück bestiegen. Von dort spazierten wir den Elbstrand entlang bis Ovelgönne. Es war reichlich los. Man merkt wirklich, dass die Menschen nach den kostbaren Sonnenstrahlen lechzen und jede Minute draußen verbringen wollen.
Einige übertreiben es meiner Meinung nach allerdings etwas, denn bei 15 °C mit kurzen Hosen und barfuß durch die Gegend zu laufen kann ja auch schnell mal zur nächsten Erkältung führen. Naja, muss ja jeder selber wissen.
In Ovelgönne nahmen wir wieder die Fähre und fuhren über Finkenwerder nach Rüschpark zurück. Die beiden nahmen sich noch mit zu sich, denn sie hatten von ihrem gestrigen Besuch (Dieter und Tabea) noch Käsekuchen übrig. Sehr lecker! Bei Kaffee und Kuchen saßen wir dann noch eine ganze Weile zusammen, bevor mich Stefanie freundlicherweise nach Hause brachte.

Was für ein schönes Wochenende!

Sonntag, 21. April 2013

Alles Käse, oder was !?


Vor zwei Tagen gab es hier in der Schweiz nochmals einen massiven Wintereinbruch mit bis zu 90 cm Neuschnee in den höheren Lagen. Einige Bahnstrecken mussten gesperrt werden, da höchste Lawinengefahr bestand. Dies nur zur Erklärung, warum auf den heutigen Bildern noch soviel weißes Zeug herumliegt.

Die heutige Reise ging in eine der konservativsten Gegenden der Schweiz - nach Appenzell. Das sind die (genauer gesagt der Kanton A-Innerrhoden), die erst 1990 durch Beschluss des obersten Gerichts das Frauenwahlrecht einführen mussten. Aber sie sind bekannt für ihren Käse.

Mein erster Halt war nach zwei Stunden Fahrt der Ort Appenzell selbst, ein niedliches Dorf in einem Tal, umringt von (vermutlich) grünen Wiesen. Die Fahrt hierher war streckenweise spektakulär, was an der Appenzeller Bahn lag - eine kombinierte Schmalspur- und Zahnradbahn, die teilweise atemberaubende Steigungen überwindet. Im Ort machte ich eine größere Erkundungsrunde. Es ist schon sehr ländlich-dörflich dort; rundherum sieht man die kleinen und größeren Almhütten stehen, und schon am Ortsrand kam ich an mehreren Bauerhöfen vorbei. Kurz danach stand ich dann schon vor dem zentralen Reifungslager der Appenzeller Käsegenossenschaft. Anders als andere Regionen hat es Appenzell vor etwa 40 Jahren schlichtweg verpennt, sich den Regionsnamen als Herkunftssiegel schützen zu lassen. Derzeit wirbt man wieder groß damit, dass nur das Original wirklich gut schmeckt und das Besondere hat.

Bei meinem Rückweg durch den gewerblichen Teil des Ortes sprang mir sofort ein sehr bekannter türkisfarbener Schriftzug ins Auge - das musste ich mir aus der Nähe ansehen. Und tatsächlich: Hier befindet sich eine große Produktionsstätte der Fa. Bühler, ein in entsprechenden Kreisen sehr bekannter Mühlenbauer. Gleich gegenüber liegt die größte Brauerei der Gegend - da ist das Feierabendbier gesichert.

Nach eineinhalb Stunden setzte ich meine Fahrt noch ein kurzes Stück fort, denn mein eigentliches Ziel war der Ort Weissbad. Dort befindet sich das Hotel und Restaurant Weissbadhof; letzteres wurde gerade vom Gault Millau mit 16 Punkten ausgezeichnet. Kenner wissen, dass dies Spitzengastronomie bedeutet. Und dafür hat das Hotel neben einem eigenen Kräutergarten auch eine eigene Käserei. Und die bietet 4x wöchentlich Live-Käsemachen an.

Ich war etwas zu früh dran, aber mit mir wartete schon eine Frau mit ihren beiden riesigen Hunden (Schäferhund und Berner Sennenhund) vor der Käserei. Die ist übrigens ein entzückendes kleines Hölzhäuschen. Nach kurzer Zeit kam der Käser (so heißt der hier) heraus, und die Hunde drehten durch, denn sie waren ganz verrückt nach - Käse ! Wie ich herausfand, kommt die Frau regelmässig hier vorbei, und die Hunde bekommen immer einige Stücke zu naschen. Sowas habe ich noch nicht gesehen...

Kurz nach Zwei ging es dann los. Mit mir waren nur noch 5 weitere Leute (alles Schweizer) dabei. Das Häuschen hat vorne etwa 20 Sitzplätze an Tischen, und im hinteren Teil befinden sich ein Holzofen und der 40-Liter-Kupferkessel. Es war sehr interessant, den Prozeß des Käsemachens mal aus dieser Nähe und Interaktion zu verfolgen. Der Käser hat viel erklärt, allerdings mit Appenzeller Dialekt, was in etwa vergleichbar mit Bayerisch zu Hochdeutsch ist. Zum Glück hat einer der anderen Besucher für mich übersetzt. Wir bekamen natürlich auch den Käse zum Probieren - ein weicher, 6 Wochen alter Käse, der würzig schmeckt. Er wird exklusiv im Hotel verbraucht und an die Gäste verschenkt. Und als Goodie wurde uns frisch abgeschöpfe Molke gereicht - lecker ! Die schmeckt zu diesem Zeitpunkt noch recht süß und wird erst nach einem Tag leicht säuerlich.

Leider musste ich nach fast zwei Stunden vorzeitig aufbrechen, um meinen Zug nicht zu verpassen. Der ganze Prozeß dauert immerhin gute 3 Stunden. Das werden wir uns zu zweit bestimmt nochmal anschauen.

Sonntag, 14. April 2013

Spaziergang und Café in Hittbergen; Dom von Bardowieck

Lieber Nils,
wenn Du nun mit Sonne versorgt bist, kannst Du dann bitte mal diese läutenden Kinder in den Norden schicken? Für uns war für den Sonntag ein unglaublicher Sommereinbruch vorhergesagt worden; 23 °C hatte man uns versprochen.
Bereits am Samstag war es trübe und kalt, aber wir hofften alle auf den Sonntag. Aber schon kurz nach dem ersten Hinaussehen aus dem Fenster war mir klar, dass das nix wird heute. Ich bereitete mich innerlich schon auf einen weiteren Tag in der warmen Stube vor, aber ein Anruf schüttelte mich aus der Lethargie auf und trieb mich nach draußen: Stefanie rief an und fragte, ob ich mit ihr und Martin einen Spaziergang unternehmen wolle. Die beiden hatten sich außerdem ein nettes Café ausgesucht.
Super Idee, daher stand ich 1 Stunde später parat und wurde von den beiden eingesammelt. Wir fuhren etwa eine Dreiviertelstunde und fanden das Café gleich - es war direkt an der Hauptstraße des kleinen Ortes. Da noch einige der Tische draußen frei waren, entschieden wir, dass es nicht nötig sei, anzuhalten und für einen späteren Zeitpunkt eine Reservierung zu machen.
Eine Straße weiter bogen wir ab und strebten dem Deich zu. Dort konnten wir prima parken. Wir bestiegen den Deich und liefen oben drauf los. Tatsächlich kam dann doch mal die Sonne ein bisschen heraus, aber es war ordentlich windig. So liefen wir eine ganze Zeit nebeneinander her, bis wir an einen Aussichtspunkt kamen, von dem man auf der gegenüberliegenden Seite der Elbe Lauenburg sehen konnte. Aussichtspunkt ist vielleicht ein bisschen übertrieben, aber es gab dort zumindest eine Infotafel, von der wir erfuhren, dass die Strecke dort an der Elbe entlang die Deutsche Storchenstraße ist. Aha, wieder was dazu gelernt.
An dieser Stelle drehten wir um und gingen die gleiche Strecke zurück. Und siehe da, was erblickten wir nach einiger Zeit? Da stolzierte im Außendeich ein stolzer Storch im Gras herum. Wenig später entdeckte Martin auch das große Nest hinter einem Haus auf einem Pfahl.
Nachdem wir uns nun ordentlich durchpusten lassen hatten, machten wir uns auf den Weg zum Scheunencafé. Ein Tisch mit 3 Stühlen in der Sonne war noch frei und wir bestellten Latte Macchiato und Kuchen. Eine kurze Zeit hatten wir tatsächlich noch Glück mit der Sonne, aber dann zog es sich wieder zu, und der Himmel war trübe und bewölkt.

Auf der Hinfahrt waren wir an einem Feld vorbei gekommen, auf dem viele Autos parkten und einiges an Andrang herrschte. Im Hintergrund konnte man diverse Zelte und Pavillions ausmachen, das machte uns neugierig (zumindest den weiblichen Teil von unserer kleinen Truppe). Im Vorbeifahren erhaschten wir einen Blick auf ein Plakat, das uns verkündete, dass hier heute ein Mittelaltermarkt stattfindet.
Da wir dort noch hinwollten, brachen wir auf und fuhren auf das Feld, auf dem immer noch richtig viel los war. Am Eingang zu dem Spektakel informierte uns ein Schild über den Eintrittspreis von 5,- €. Nun kann man uns für geizig halten, aber das war ein Preis, den wir nicht bezahlen wollten. Nach kurzem Kriegsrat entschieden wir einstimmig, weiter zu fahren, denn für eine Veranstaltung, auf der man eh noch mal alles extra zahlt, wollten wir keinen Eintritt entrichten. Wir sind ja keine Hardcore-Mittelalterfans, wie einige, die in ihren allenden Gewändern an uns vorbei flanierten. Wir wollten einfach nur ein bisschen bummeln und gucken.

Also fuhren wir weiter und entschieden, stattdessen einen Halt in Bardowieck einzulegen und dessen Dom anzuschauen. Das machten wir auch, und dort bekamen wir eine sehr schöne evangelische Kirche zu sehen. Innen ist alles sehr einfach und schlicht gehalten, aber ein sehr prunkvoller goldener Altar erwartet einen, wenn man ganz bis zum Ende durch geht.
Wir drehten dann noch eine Runde ums Quarree, bevor wir uns dann endgültig auf den Heimweg machten. Das war ein sehr schöner Ausflug und hiermit nochmal Danke an Stefanie und Martin, die mich motiviert haben, auf diesen kleinen Ausflug mitzukommen!

Sechseläuten in Zürich


Das Wetter hat ja bekanntlich einiges wieder gutzumachen. Als kleinen Ausgleich für die ganze Kälte war Petrus hier in der Schweiz offenbar der Meinung, den Frühling mal auszulassen und gleich mit dem Sommer weiterzumachen. Heute hatte es hier den ganzen Tag blauen Himmel und (nachmittags) 23 Grad. Ideales Ausflugswetter also.

Daher ging es heute nach Zürich. Die Stadt mit der weltweit höchsten Lebensqualität (und den höchsten Lebenshaltungskosten) zeigte sich denn auch von ihrer Sprüngli-Seite. Nach einem Schlenker durch die Innenstadt ging es am parkähnlich angelegten linken Seeufer entlang. Die Skyline, der See und die Brücken erinnerten mich schon stark an Hamburg *schnüff*. OK, die schneebedeckten Berge im Hintergrund des Südufers zeigten dann wieder, dass ich mich nicht an der Küste befand.

An einem natürlichen Uferabschnitt, der mit großen Steinen bedeckt ist, war ein Künstler gerade dabei, Türme aus diesen Steinen aufzustellen. Das machte er nur mit Geschick und Augenmaß, ohne irgendwelche Hilfsmittel, in erstaunlicher Geschwindigkeit. Beeindruckend !

Zur Mittagszeit wollte ich dann einen Tipp ausprobieren, den ich letzte Woche von einem Schweizer erhalten hatte: Eine St. Galler Bratwurst vom Sternen-Grill. Dieser gilt als Institution in der Innenstadt, an dem der Banker neben der Putzfrau in der Schlange steht. Und wenn man von der Schlange auf die Qualität schließen soll, muss das eine Bombenwurst sein, denn es warteten vor mit gut 20 Leute. Aber die Abfertigung war sehr flott, und schon wenige Minuten später stand ich mit einer Wurst in Papier und Serviette, einem Brötchen und einem Schälchen Senf wieder draußen. Die Wurst besteht zu mindestens 50% aus Kalbsfleisch und ähnelt eher einer Weißwurst. Das Brötchen hatte durchaus seinen Sinn, denn es neutralisierte etwas den brutal scharfen Senf. Aber insgesamt eine sehr leckere Kombination.

So gestärkt konnte ich dann rüber auf die Limmatbrücke gehen, um mir die eigentliche Attraktion anzuschauen: Der Kinder-Umzug zum Sechseläuten. Das "Sächsilüüte" ist eine alte Zürcher Tradition in der dritten Aprilwoche, bei der durch ein großes Fest der Winter vertrieben werden soll. Am Sonntag findet der große Kinderumzug statt, bei dem gut 3000 Kinder und etwa 50 Blaskapellen in traditionellen Kostümen aus allen Schweizer Epochen durch die Innenstadt ziehen. Den Höhepunkt bildet dann die Verbrennung des "Bööck", einem überdimensionalen Schneemann aus Stroh und Plastik, am Montagabend um 18 Uhr. In dessen Kopf befindet sich ein kleiner Sylvester-Sprengsatz, so dass er irgendwann explodiert. Die Zeitspanne zwischen Anzünden und der Explosion wird gerne als Gradmesser für den folgenden Sommer genommen - je kürzer, desto besser. Naja...

Auf der Rückfahrt nach Kreuzlingen entschuldigte sich der Zugführer in drei Sprachen zutiefst dafür, dass der Zug aufgrund einer Umleitung mit 5 (!) Minuten Verspätung aus Zürich abgefahren sei. Selbstredend wurde die Verspätung soweit wieder aufgeholt, dass ich meinen Anschlusszug in Weinfelden locker erreichte. Hallo DB.......


Sonntag, 7. April 2013

Auf dem Jakobsweg


Im Laufe des letzten Mittwochs hatte mich ein Infekt dahingerafft - ich konnte mich nur unter Aufbringung erheblicher Willensenergie am frühen Nachmittag von der Firma wieder nach Hause schleppen. Den Donnerstag habe ich dann vorzugsweise im Bett verbracht. Krank und allein in meiner Butze - das war echt deprimierend. Um nicht innerhalb der Probezeit blöd aufzufallen, bin ich dann am Freitag wieder zur Firma gefahren. Dieses Wochenende jedenfalls habe ich zum Erholen und Auskurieren genutzt - und das bedeutete, alle Aktivitäten auf das Notwendigste zu reduzieren.

Dementsprechend fiel mein heutiger Ausflug auch recht bescheiden aus: Ein wenig durch die Vororte und die Landschaft von Kreuzlingen streifen.


Zunächst ging es grob gen Süden Richtung Bernrain. Dazu muss man sagen, dass "Richtung Süden" vom Bodensee aus zwangsläufig eines bedeutet - es geht konsequent bergauf. Nach gut zwei Kilometern hatte ich Bernrain erreicht. Dort lächelte mich erstmal ein riesiger Osterhase an der Einfahrt zum "Schoko-Laden", dem Werksverkauf der Chocolat Bernrain an. Das ist eine recht große Schokoladenfabrik hier in Kreuzlingen. Weiter ging's die Straße entlang, und unvermittelt befand ich mich mitten in der Natur - Felder, Wiesen, Bauernhöfe.

Kurz danach gelangte ich zum Kloster Bernrain, und dort fand ich zufälligerweise einen Wegweiser zum "Schweizer Jakobsweg", der dort am Kloster vorbeiführt. Also nichts wie los. Ich folgte dem Pfad gut zwei Kilometer durch ein (im Frühling bestimmt wildromantisches) Flusstal. In regelmäßigen Abständen waren an Tafeln die Leiden Jesu dargestellt. Der Weg endete unterhalb eines Eisenbahnviadukts, von dem ich eine herrliche Sicht über Kreuzlingen und Konstanz hatte.

Auf dem Rückweg Richtung Kreuzlingen kam ich mitten im Wohngebiet an einer Wiese vorbei, auf der gut zwei Dutzend zottelige Schafe mit Glöckchen um den Hals vor sich hin bimmelten. Da war es wieder, das Heidi-Gefühl....