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Sonntag, 21. April 2013

Alles Käse, oder was !?


Vor zwei Tagen gab es hier in der Schweiz nochmals einen massiven Wintereinbruch mit bis zu 90 cm Neuschnee in den höheren Lagen. Einige Bahnstrecken mussten gesperrt werden, da höchste Lawinengefahr bestand. Dies nur zur Erklärung, warum auf den heutigen Bildern noch soviel weißes Zeug herumliegt.

Die heutige Reise ging in eine der konservativsten Gegenden der Schweiz - nach Appenzell. Das sind die (genauer gesagt der Kanton A-Innerrhoden), die erst 1990 durch Beschluss des obersten Gerichts das Frauenwahlrecht einführen mussten. Aber sie sind bekannt für ihren Käse.

Mein erster Halt war nach zwei Stunden Fahrt der Ort Appenzell selbst, ein niedliches Dorf in einem Tal, umringt von (vermutlich) grünen Wiesen. Die Fahrt hierher war streckenweise spektakulär, was an der Appenzeller Bahn lag - eine kombinierte Schmalspur- und Zahnradbahn, die teilweise atemberaubende Steigungen überwindet. Im Ort machte ich eine größere Erkundungsrunde. Es ist schon sehr ländlich-dörflich dort; rundherum sieht man die kleinen und größeren Almhütten stehen, und schon am Ortsrand kam ich an mehreren Bauerhöfen vorbei. Kurz danach stand ich dann schon vor dem zentralen Reifungslager der Appenzeller Käsegenossenschaft. Anders als andere Regionen hat es Appenzell vor etwa 40 Jahren schlichtweg verpennt, sich den Regionsnamen als Herkunftssiegel schützen zu lassen. Derzeit wirbt man wieder groß damit, dass nur das Original wirklich gut schmeckt und das Besondere hat.

Bei meinem Rückweg durch den gewerblichen Teil des Ortes sprang mir sofort ein sehr bekannter türkisfarbener Schriftzug ins Auge - das musste ich mir aus der Nähe ansehen. Und tatsächlich: Hier befindet sich eine große Produktionsstätte der Fa. Bühler, ein in entsprechenden Kreisen sehr bekannter Mühlenbauer. Gleich gegenüber liegt die größte Brauerei der Gegend - da ist das Feierabendbier gesichert.

Nach eineinhalb Stunden setzte ich meine Fahrt noch ein kurzes Stück fort, denn mein eigentliches Ziel war der Ort Weissbad. Dort befindet sich das Hotel und Restaurant Weissbadhof; letzteres wurde gerade vom Gault Millau mit 16 Punkten ausgezeichnet. Kenner wissen, dass dies Spitzengastronomie bedeutet. Und dafür hat das Hotel neben einem eigenen Kräutergarten auch eine eigene Käserei. Und die bietet 4x wöchentlich Live-Käsemachen an.

Ich war etwas zu früh dran, aber mit mir wartete schon eine Frau mit ihren beiden riesigen Hunden (Schäferhund und Berner Sennenhund) vor der Käserei. Die ist übrigens ein entzückendes kleines Hölzhäuschen. Nach kurzer Zeit kam der Käser (so heißt der hier) heraus, und die Hunde drehten durch, denn sie waren ganz verrückt nach - Käse ! Wie ich herausfand, kommt die Frau regelmässig hier vorbei, und die Hunde bekommen immer einige Stücke zu naschen. Sowas habe ich noch nicht gesehen...

Kurz nach Zwei ging es dann los. Mit mir waren nur noch 5 weitere Leute (alles Schweizer) dabei. Das Häuschen hat vorne etwa 20 Sitzplätze an Tischen, und im hinteren Teil befinden sich ein Holzofen und der 40-Liter-Kupferkessel. Es war sehr interessant, den Prozeß des Käsemachens mal aus dieser Nähe und Interaktion zu verfolgen. Der Käser hat viel erklärt, allerdings mit Appenzeller Dialekt, was in etwa vergleichbar mit Bayerisch zu Hochdeutsch ist. Zum Glück hat einer der anderen Besucher für mich übersetzt. Wir bekamen natürlich auch den Käse zum Probieren - ein weicher, 6 Wochen alter Käse, der würzig schmeckt. Er wird exklusiv im Hotel verbraucht und an die Gäste verschenkt. Und als Goodie wurde uns frisch abgeschöpfe Molke gereicht - lecker ! Die schmeckt zu diesem Zeitpunkt noch recht süß und wird erst nach einem Tag leicht säuerlich.

Leider musste ich nach fast zwei Stunden vorzeitig aufbrechen, um meinen Zug nicht zu verpassen. Der ganze Prozeß dauert immerhin gute 3 Stunden. Das werden wir uns zu zweit bestimmt nochmal anschauen.

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