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Samstag, 12. Oktober 2013

Kühe, Käse und Kernspaltung - 2. Tag

Die Nacht verbrachten wir in einem sehr stylisch renovierten Hotel in der Lausanner Innenstadt. Das Frühstück gab es im 9. Stock unter einer Glaskuppel - mit totalem Blick über die Altstadt und den Genfer See. Leider hatten hiervon nichts, denn es war trüb und regnerisch. Naja, machte nichts, denn ich hatte das Hotel wegen des Schnäppchenangebots und nicht wegen der Aussicht gebucht. Und außerdem wollten wir heute unter Tage.

Unser heutiges Ziel war das CERN, jenes Kernforschungszentrum, welches den weltgrößten Teilchenbeschleuniger betreibt. Dieser hat einen Umfang von 26 km und befindet sich halb auf schweizerischen, halb auf französischem Gebiet (OK, 50 Meter unterhalb). Das ganze Wochenende über konnte man sich die riesigen Areale mit ihren diversen Forschungseinrichtungen anschauen. Und das alles für lau.

Aufgrund des Besucheransturms von täglich 50.000 Menschen gab es verständlicherweise keinen Parkplatz vor der Tür. Die Organisatoren hatten aber ganze Arbeit geleistet und diverse öffentliche Parkplätze mit einem gut getakteten Bus- und Bahnshuttleverkehr eingerichtet. Außerdem war die Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel im Großraum Genf kostenfrei. Wir parkten im IKEA-Parkhaus direkt an der Autobahn und gingen zu Fuß zur nächsten S-Bahn-Station. Von dort fuhr die Bahn in 10 Minuten direkt ins CERN.

Das ganze Areal hat eher den Charakter einer Kleinstadt mit weit verstreuten Stadtteilen. Auf dem Plan, den jeder Besucher in die Hand gedrückt bekam, waren die einzelnen Stationen hübsch farbig markiert. Dazwischen gab es regelmäßige Busverbindungen. Für unser Highlight, den Besuch des ALICE-Experiments, hatte ich schon zwei Wochen vorher Tickets besorgt. Diese waren kostenlos, aber ohne diese wurde man nicht hinuntergelassen. Damit wurden wirkungsvoll die Besucherströme gelenkt. Um nichts falsch zu machen und nicht das zugewiesene Zeitfenster zu verpassen, fuhren wir zunächst zu dieser Außenstelle und registrierten uns. Dazu erhielt man einen Besucherpass zum Um-den-Hals-hängen. Das sah SEHR cool aus.

Die zwei Stunden bis zu unserer Tour verbrachten wir auf dem Hauptgelände, wo wir eine Führung durch eine der größten oberirdischen Versuchshallen mitmachten. Wie gesagt, das Event war hervorragend organisiert; überall standen Fachleute für Führungen und Fachgespräche bereit. Unsere Führung wurde in englisch abgehalten, was normalerweise kein Problem für uns wäre - aber bei den ganzen Fachbegriffen und der Erläuterung komplexer physikalischer Zusammenhänge stießen wir dann doch manchmal an unsere Verständnisgrenzen. Nichtsdestotrotz war es unheimlich spannend, hier die Bestandteile des Teilchenbeschleunigerrings einzeln und aus der Nähe zu sehen und erklärt zu bekommen. Es ist eben nicht trivial, eine Handvoll Protonen auf Fast-Lichtgeschwindigkeit zu beschleunigen, diese auf Kurs zu halten und dann zur richtigen Zeit so abzulenken, dass sie im Zentrum der jeweiligen Versuchsanlage frontal kollidieren. Alle Maßeinheiten beginnen dabei mit "Millionstel-", Milliardstel-" und noch weniger. Und doch sind die Anlagen zur Messung einfach gigantisch groß.

Nach dieser Führung gingen wir durch den einsetzenden Regen zurück und stärkten uns in einem der Mitarbeiterrestaurants. Danach fuhren wir im Shuttle wieder zur Außenstelle, an der wir das ALICE-Experiment besichtigen konnten. Die Besucher wurden hier unterteilt in englisch- und französischsprachige Führung. Gut für uns, dass Genf schon halb französisch ist.
Nach eingehender Ausweiskontrolle mussten wir ein Haarnetz und einen Schutzhelm aufsetzen, und schon ging es im Fahrstuhl 50 Meter nach unten. Zunächst ging es einige Meter durch einen Versorgungstunnel, dann standen wir im Haupttunnel vor dem Beschleunigerring. Der sieht noch nicht übermäßig spektakulär aus, aber wenn man sich vorstellt was dort drin abgeht, ist das schon (im wahrsten Sinne des Wortes) cool. Kurze Zeit später standen wir dann in der Versuchshalle vor dem ALICE-Experiment. Diese Größe ist atemberaubend. Magnete, so groß wie ein vierstöckiges Haus und über 10.000 Tonnen schwer. Riesige Sensorenfelder. Die bei einem einzelnen Zusammenprall entstehende Datenmenge ist so gigantisch, dass für deren Verarbeitung eine eigenes Forschungsgebiet entstand. Hier am CERN wurde schließlich quasi als Abfallprodukt das World Wide Web erfunden. Der Rundgang führte an der Maschinerie vorbei und wieder in den Tunnel hinein. Aufgrund der Besuchermassen wurden alle Leute recht zügig durchgeschleust, so dass wir schon nach einer Dreiviertelstunde wieder oben waren.

Nach der Rückfahrt zum Zentralbereich schauten wir uns noch zwei Ausstellungen an, gönnten uns ein Abendessen und bekamen auf dem Weg zum Ausgang noch ein Lunchpaket geschenkt. Die waren anscheinend über und wurden von einem LKW aus verteilt. Am Ausgang kaufte ich mir noch eine Fleecejacke (mit Logo), dann ging es zurück zum IKEA. Die 325 km Autobahn schafften wir wieder ohne Stau in zweieinhalb Stunden.





Freitag, 4. Oktober 2013

Kühe, Käse und Kernspaltung

An der Überschrift kann man bereits erkennen, dass wir ein sehr abwechslungsreiches Wochenende hatten. Es war eine Mischung aus Kultur und Wissenschaft, Natur und Technik, Dorf und Stadt. Passt nicht, meint Ihr? Jaaa, passt doch. Muss man nur auf 2 Tage aufteilen.

Samstag, 28. September 2013:
Da wir früh aus dem Haus mussten, hatten wir den Wecker gestellt. Wir machten uns fertig, schmierten uns Stullen und verließen das Haus um kurz vor 8 Uhr. Das Gute daran, wenn man so früh mit dem Auto unterwegs ist, ist, dass man dem eigentlich permanenten Stau in und um Zürich einigermaßen aus dem Weg gehen kann. Das Ballungsgebiet konnten wir störungsfrei hinter uns lassen und weitere Kantone durchqueren. Im Thurgau gestartet, fuhren wir durch Zürich und Aargau nach Luzern. Dort inmitten des UNESCO Biosphärenreservats Entlebuch lag unser Ziel für diesen Tag: das Dörfchen Schüpfheim. Unsere Ankunft war perfekt getimt. Wir stellten das Auto auf den gekennzeichneten Parkflächen außerhalb des Ortes ab und liefen in das Zentrum hinein. Dort stand schon an der Hauptstraße alles voll mit Leuten, und es strömten immer noch weitere dazu. Wahnsinn, und zwischendrin floss immer noch der Verkehr, denn dieser Ort scheint eine wichtige Durchfahrt zu sein, wenn man das Tal Entlebuch durchfahren möchte oder muss. Aber es nützte alles nichts; ab 11 Uhr mussten sich die Autos einen anderen Weg suchen, denn dann wurde die Durchgangsstraße für den Autoverkehr für 3 Stunden gesperrt.

Und dann begann schließlich das Spektakel, auf das alle warteten: Die 10. Entlebucher Alpabfahrt. Zunächst kamen verschiedene Musikgruppen den Weg durch das Dorf gelaufen. Jodler, Sänger, Blaskapelle, Alphornbläser. Dazwischen immer viel Platz, damit die Gruppen hier und dort mal anhalten und etwas zum Besten geben können. Es gab Applaus, aber eigentlich warteten doch alle nur auf die eigentlichen Stars des Tages: die Älplerfamilien mit ihren Tieren. Ein komisches Geräusch kündigte die Ankunft der ersten Familie an. Es klang wie das Tosen eines entfernten Baches; als es näher kam, konnte man aber klar das Hufgetrappel und die mächtigen Glockenklänge heraus hören. Und dann kam auch schon die erste Familie in Sicht. Angeführt von einem Mädchen, das ein Schild mit dem Namen der Familie und der Alp drauf trägt, folgte der Rest der Gruppe. Zuerst kamen immer die älteren Tiere mit den ganz großen Glocken um den Hals, gefolgt von jüngeren Tieren und später dann die Kälber. Je jünger ein Tier, desto kleiner ist die Glocke und desto leiser ist auch der Klang. Die Großen machen einen ganz schönen Lärm. Wer davon mal einen Eindruck haben möchte, sollte sich unbedingt das Video ansehen, das ich gemacht habe. Die meisten Tiere sind prächtig geschmückt und auch die Bollerwagen, Traktoren und was da sonst noch in dem Tross dabei war, waren mit tollen Blumengestecken herausgeputzt.

Für die Zuschauer ist das ein toller Anblick und ein großes Vergnügen. Für die Älplerfamilien bedeutet dieses Event allerdings sehr frühes Aufstehen und eine Menge Arbeit.
Im Frühjahr bringen die Älplerfamilien ihr Vieh in die Berge auf die Alp. Dort weiden die Kühe und Ziegen den Frühling und den Sommer über auf den grünen Wiesen; die Familie verbringt den Sommer ebenfalls auf der Alp. Im Herbst dann ziehen alle wieder zurück ins Tal auf den heimischen Hof. Früher hat jede Familie für sich den Termin für die Abzug ins Tal festgelegt. Man warf einen Blick auf das Wetter und den Bestand der Vorräte und hat dann entschieden, für welchen Tag man den Abstieg plante. Irgendwann sind die Tourismusverbände aber darüber gestolpert, dass das eine riesige Attraktion und eine tolle Aufwertung der Region ist, haben sich mit den Familien zusammen gesetzt, einiges an Überzeugungsarbeit geleistet und dann vor 10 Jahren zum ersten Mal ein großes Event aus der Abfahrt gemacht.
Nun ist es so, dass der Termin für die Abfahrt bereits 1 Jahr im Voraus fest steht. Egal, wie das Wetter ist, an dem Tag wird der Abstieg erfolgen. Die Familien laufen zu abgestimmten Zeitpunkten mit Kind und Kuh los und sind dann nacheinander zum richtigen Zeitpunkt im Dorf. Dafür stehen die Familien sehr früh auf, machen die Blumengestecke, hüten die Viecher zusammen, dekorieren die Tiere mit den Blumen und den Glocken, und dann beginnt der Fußmarsch. Ca. 3 bis 3,5 Stunden dauert der Abstieg bis ins Dorf und von dort mussten manche Familien noch weitere 2 Stunden laufen bis zu ihrem Hof. Puh, Wahnsinn. Dass das die Rinder und auch die kleinen Kinder alles so mitmachen ....
Die Zuschauer haben ihre Gaudi. Zwischen den einzelnen Familien gibt es immer wieder lange Pausen im Umzug, die einem Zeit geben, sich mit Bier, Bratwurst und Raclette zu versorgen. Überall stehen die Musikgruppen und singen, blasen und jodeln. Das ist ein unglaubliches Durcheinander an sensorischen Eindrücken. Die Straße gleicht irgendwann einer einzigen Kackepiste, aber was soll's. Am Anfang haben wir noch peinlich darauf geachtet, nicht in den Mist zu treten, aber irgendwann ist das auch egal gewesen. Schuhe kann man ja sauber machen.


Zwischen 2 Familiengruppen nutzten wir die Pause, um von unserem guten Stehplatz neben einem Blumenbeet ziemlich am Ende der Paradestrecke ein bisschen die Straße hinauf zu gehen, um zu schauen, was es da sonst noch so gab. Und das war einiges.

Entlang der Straße waren überall Imbissbuden aufgebaut, die Leckereien anboten. Ein großes Highlight waren die Käsestände. Denn warum sind die Kühe oben auf der Weide? Klar, um gutes Gras zu fressen und dann leckere Milch zu geben. Und die leckere Milch wird von den Älplerfamilien entweder an die Käsereien der Region geliefert oder sogar selbst auf dem Hof zu Käse verarbeitet. An den ca. 20 Ständen, die entlang der Straße verteilt waren, probierten wir etliche Spezialitäten und entschieden uns dann für 2 Sorten, die uns am besten geschmeckt hatten. Der Rohschinken war ebenfalls megalecker, aber den gab es nur in Stücken zu 400 g oder mehr, und das war leider zu viel für uns. Die Käsehäppchen hatten den langsam anstehenden Hunger nicht gestillt, daher genehmigten wir uns jeder eine Portion Älplermagronen (Nudeln mit Kartoffeln - klingt komisch, schmeckt aber köstlich!). Die Männer, die die Fressbude bewirtschafteten, waren etwas überfordert mit dem Ansturm, taten aber ihr Bestes, um alle hungrigen Menschen satt zu bekommen. Die Portion war ok, und ich war komplett gesättigt. Nils holte sich noch eine Bratwurst, und dann war auch er bereit, den weiteren Weg anzutreten.




Wir schlenderten also langsam die Straße zurück, bewunderten noch die anderen Verkaufsstände, die regionale Spezialitäten und Kuhglocken im Angebot hatten.

Zurück am Auto fielen mir gleich 2 Personen auf, die da herumstanden, und ich dachte schon "Herrje! Nicht, dass jemand das Auto angeditscht hat." Auf solche Umtriebe hatte ich nun gar keine Lust. War aber nicht so. Die beiden hatten das Licht an ihrem eigenen Auto brennen lassen und fragten nun, ob wir ein Überbrückungskabel hätten. Hatten wir nicht, so konnten wir leider nicht helfen.

Mittlerweile war die Dorfstraße längst durch die Straßenreinigung von der Kuhscheiße gesäubert und für den Autoverkehr frei gegeben worden. Es hatte sich eine Riesenschlange von Autos gebildet, die sich durch die immer noch vorhandenen Menschenmassen kämpften. Polizisten versuchten, den Verkehr in geordnete Bahnen zu lenken, und auch wir mussten uns in die Autoschlange einreihen. Am Ende war es gar nicht so schlimm. Es dauerte nicht lange, dann waren wir durch Schüpfheim durch und hinter dem Ort war die Straße frei.
Es ging weiter durch das Emmental und die Kantone Bern und Fribourg in den Kanton Waadt und dessen Hauptstadt Lausanne. Dort hatten wir für die Nacht ein Zimmer reserviert, da wir am nächsten Tag weiter nach Genf wollten.
Das Hotel ist in einer ruhigen Seitenstraße gelegen. Mit einem Fahrzeugfahrstuhl beförderten wir unser Auto in die Tiefgarage, bezogen unser Zimmer und guckten im Internet nach einer Gelegenheit noch eine Kleinigkeit zu Abend zu essen. Nils suchte einen indischen Imbiss heraus, der in der Nähe war, und so machten wir uns auf den Weg.
Was im Internet nicht stand, war, dass der Imbiss bereits um 17 Uhr schließt, so dass wir leider um kurz vor 19 Uhr dort nicht mehr satt werden konnten. Enttäuscht schlenderten wir weiter und fanden etliche Restaurants, die aber hauptsächlich feine Küche anboten, wonach uns der Sinn gar nicht stand. Also gingen wir weiter zum Bahnhof, denn dort findet man doch immer irgendwas .... dachten wir. Aber außer Ticketschaltern und einem Zeitschriften- und Tabakkiosk fanden wir dort nur noch eine Brezelbude, die auch nicht das war, was uns vorschwebte.
Dies ist nun also die viertgrößte Stadt der Schweiz, und um 19 Uhr an einem Samstag sind überall schon die Fußwege hochgeklappt und die Läden geschlossen. Sehr frustrierend! 2007 waren wir schon einmal ein paar Tage in Lausanne, und nun erinnerten wir uns wieder zurück, dass es damals auch schon so ein Problem war mit den Öffnungszeiten und bezahlbaren Restaurants.
Da wir keine Lust hatten, den ganzen Abend da rum zu laufen, freundeten wir uns mit dem Gedanken an, unser Abendessen bei McDonalds einzunehmen, denn der war mit einer großen Filiale genau gegenüber des Bahnhofs vertreten. Missmutig überquerten wir die Straße, und siehe da .... die Rettung war doch so nah: direkt neben McD erspähte ich ein Vapiano. Sofort besserte sich die Laune, und dann gleich noch mehr, als wir den Laden betraten und sahen, dass noch gar nicht so viel los war. Der Schweizer spricht ja nicht vom Abendessen, sondern vom "Nachtessen". Er isst auch viel später (so ab 21 Uhr), daher war es noch recht leer um kurz nach 19 Uhr. Wir schluckten kurz, als wir auf die Preise sahen, denn hier muss man das ca. 2,5-fache von dem Bezahlen, was wir aus Deutschland kennen. Aber egal, denn das gilt für McD auch, und hier bekommt man wenigstens leckeres, frisches Essen für sein Geld. Wir orderten uns Pizza und einen Salat vorweg und fühlten uns wie in Hamburg.
Satt und zufrieden spazierten wir dann zum Hotel zurück, wo wir früh einschliefen.

Was wir dann am nächsten Tag erlebt haben, dass soll Euch Nils mal erzählen.

Gärtnerfreuden, Gärtnersorgen - Wir verschönern unsere Terrasse.

In unseren vorigen Wohnungen hatten wir entweder gar keinen oder keinen nennenswerten Balkon. Hier nun haben sich unsere Träume verwirklicht, und uns stehen auf der Dachterrasse 60 qm zur Verfügung, die bewohnt und möbliert werden wollen.
Zu Anfang waren wir etwas überfordert. Bei so viel leerer Fläche ist der Impuls erst mal groß, irgendwo hin zu fahren und irgendwas zu kaufen, einfach nur, damit die Leere gefüllt ist. Diesem Impuls widerstanden wir aber erfolgreich. Auch wenn das hieß, dass wir in den ersten Tagen mit der Terrasse nicht viel anfangen konnten. Wir guckten uns in Ruhe um und fanden dann in einem Baumarkt eine Möbelserie, die uns gefiel (ich schrieb früher schon mal davon, dass wir a so unsere Vorstellungen hatten).
Mit einem Tisch und 4 Stühlen fing es an. So konnten wir wenigstens schon mal draußen sitzen und essen. Es folgten 2 Sitzbänke passend zum Tisch und 2 Sonnenliegen (das Drama haben wir wohl auch schon mal irgendwann geschildert).
Unsere Gartenecke bestand aus ein paar Pflanztöpfen und Plastikkisten, die auf dem Fußboden in einer Ecke standen.
Diesen Status Quo hatten wir nun einige Wochen lang. Es war ok, aber weit entfernt von schön, praktisch oder perfekt.
Das Ziel war, mehr Pflanzen anzuschaffen, um einen kleinen Terrassengarten zu haben, der uns - zumindest teilweise - mit Gemüse und Kräutern versorgt, Sichtschutz bietet, hübsch aussieht und idealerweise sogar noch etwas Schatten spendet.
Um unsere geschundenen Rücken zu schonen und das mit dem Sichtschutz besser lösen zu können, hatten wir uns überlegt, dass wir Hochbeete haben wollen.
An der Hauptstraße am Bodensee entlang sind wir immer an einer Sägerei vorbei gefahren, die mit Hochbeeten wirbt. Dort erkundigten wir uns. Die sind dort sehr nett und erklärten uns, wie viel Erde man in so ein Beet füllen muss und was das dann am Ende wiegt. Hui, ganz schön schwer. 800 Liter Erde passen in ein Hochbeet der Größe, die uns vorschwebte, und wir wollten mindestens 4 Beete haben. Wir erkundigten uns bei der Hausverwaltung, ob die Terrasse mit dem Gewicht klar kommen würde, und man gab uns grünes Licht. Trotzdem waren wir nicht 100 % überzeugt.
Ich erkundete also weiter das World Wide Web auf der Suche nach Alternativen und wurde fündig auf ebay. Dort gab es etliche Anbieter von Hochbeeten, und durch Klicken durch die verschiedenen Shops fand ich dann genau das Richtige für uns: den Vegtrug.
Wir maßen die möglichen Stellplätze aus, einigten uns auf 4 große Beete, und Nils (Web-Trüffelschweinchen) fand sogar einen Lieferanten in der Schweiz, der die Pakete gegen moderate Kosten bis zur Haustür liefert. Wir hätten die auch in unserem Auto transportieren können, aber das hätte bedeutet, dass wir mindestens 2 mal hätten fahren müssen, und das auch noch mit zugebundenem Kofferraum über die Autobahn; das wollten wir nicht.

Nils bestellte, und ab dem Zeitpunkt konnten wir es kaum noch abwarten, endlich die Holztröge aufzubauen. Die Lieferung ging super schnell, der Fahrer war auch so nett, die schweren Pakete bis in den Fahrstuhl zu bringen, und ich schleppte sie dann weiter in die Wohnung.
Abends machten wir uns daran, alles auszupacken und nach und nach zusammen zu schrauben. Naja, Nils machte den Hauptteil, ich hielt mich im Hintergrund zum Anfassen bereit.
Als er fertig war, stand das gesamte Wohnzimmer voll mit den Holzgerippen, und man fragte sich unweigerlich "Wo sind jetzt die ganzen Hirsche, die hier gefüttert werden sollen?".
Am nächsten Tag schleppten wir dann gemeinsam die Tröge nach draußen, und das Anschrauben der letzten Teile begann. Ich hielt die Bretter fest und Nils schraubte im Akkord (gut, dass es Bohrmaschinen gibt).
Dann wurde es spannend: Wir stellten die Tröge an ihre endgültigen Plätze und probierten hin und her, bis es uns gefiel.
In den nächsten Tage kauften wir Steine, um die Tröge noch etwas höher zu bekommen (wir sind ja nun mal große Menschen) und Pflanzerde in Massen. Extra dafür hatte ich einen kleinen Transportwagen besorgt, der uns sehr gute Dienste erwies. Wir mussten alleine 3 Mal zum Gartenmarkt, um die Erde heran zu schaffen. 7 Säcke à 70 Liter pro Tour, mehr schaffte unser Auto nicht. Dazu kamen noch 2 Säcke aufbereiteter Kuhmist, Hornspäne und etliche Pflanzen.
Und dann konnten wir endlich loslegen mit dem Einfüllen der Erde und dem Einsetzen der Pflanzen.
Es stehen nun auf jeder Seite der Terrasse 2 Hochbeete. Vor der Küche haben die Nutzpflanzen ihren Platz gefunden, die Zierpflanzen stehen vor dem Schlafzimmer.

Wir sind natürlich noch längst nicht fertig, denn im Moment ist ja nicht unbedingt die ideale Pflanzzeit, aber zumindest sieht es nicht mehr so kahl aus. Und jeden Abend machen wir nun einen Rundgang, bewundern unsere Beete und erfreuen uns daran, wenn alles aufblüht und gedeiht.

Und was macht uns Sorgen? Tja, auch von den Raupen hatte ich ja schon berichtet. Durch allabendliches Absammeln haben wir die in den Griff bekommen, aber ich habe keine Hoffnung, dass mein geliebter Wirsingkohl noch eine akzeptable Größe erreichen wird. Der Rotkohl hat noch gewisse Chancen, und auch 2 von 3 Kohlrabis werden wir evtl. groß genug bekommen.
Nun haben wir aber mit einer neuen Plage zu kämpfen: weiße Fliegen. Die Biester haben sich auch bevorzugt den Kohl und den Kohlrabi ausgesucht, aber auch die Erdbeeren sind teilweise befallen. Regelmäßig schüttele ich nun die Blätter, um die Fliegen zu vertreiben. Die sichtbar befallenen Blätter schneide ich ab. Außerdem habe ich Lavendel mit ins Beet gepflanzt, der angeblich die Biester vertreiben soll und Gelbsticker eingesetzt. Mit harten Mitteln werden wir nicht arbeiten, denn wir wollen das Gemüse ja schließlich möglichst noch essen. Wenn es denn nichts wird, müssen wir uns für's nächste Jahr was anderes überlegen.

Wenn Ihr wertvolle Gartentipps für uns habt: nur her damit. Wir sind dankbar für jeden Rat.






Das Rätsel von nebenan

Wir sind nicht unbedingt solche Menschen, die ihre Nachbarn beobachten. Mal hingucken und zur Kenntnis nehmen, was die treiben, das ist eine Sache. Aber ständig am Fenster hängen und sich den Kopf verrenken, wer da nebenan ein und aus geht oder welche Autos vor der Tür stehen, das ist ein anderes Thema.
Eine Sache, der wir aber nicht widerstehen können, das ist ein schönes Rätsel - ein Verhalten, das wir uns einfach nicht erklären können. So etwas fasziniert uns, und genau das haben wir hier zur Zeit.

Als wir in unsere Wohnung gezogen sind, sah die Terrasse nebenan verwaist aus. Nicht unbewohnt, aber so, als ob jemand die Möbel vorübergehend eingemottet hat. Es war Juni, also wunderten wir uns nicht, sondern nahmen an, dass da einfach jemand im Urlaub ist. Damit war das Thema erledigt. Nach 3 Wochen wunderten wir uns ein bisschen darüber, dass noch niemand zurück war; nach 4 Wochen überlegten wir uns andere Möglichkeiten, warum drüben immer noch niemand zu sehen war.
Es könnte ja sein, dass dort Studenten wohnen, die den Sommer über bei ihren Eltern sind oder jemand könnte die Wohnung als Zweitwohnsitz nutzen (ein sehr teurer zugegeben) oder jemand wohnt dort, der für eine gewisse Zeit an einem anderen Ort arbeitet oder ... oder ... oder. Der Phantasie sind da ja keine Grenzen gesetzt.

Eines schönen Samstags waren wir der Lösung des Rätsels nahe - dachten wir -, denn als ich für das Frühstück draußen den Tisch decken wollte und meinen Blick schweifen ließ, stutzte ich. Da stand doch eine Flasche Reinigungsmittel auf der Brüstung nebenan. Außerdem war die Wohnzimmer-Jalousie halb hoch gezogen. Wir frühstückten, und es geschah nicht viel dort drüben, aber unsere Neugier war geweckt.
Tatsächlich kam dann irgendwann ein junger Mann nach draußen und begann damit, den Tisch zu reinigen. Wir konnten es kaum fassen, winkten rüber, und er winkte zurück.
Nach dem Frühstück brachten wir unsere Sachen in die Küche und hatten dann drinnen irgendwas zu tun. Bei einem Blick aus dem Küchenfenster sah ich einen weiteren jungen Mann. Beide waren nun damit beschäftigt, den Stoffüberzug über dem Pavillion-Gerippe anzubringen. OK, dachten wir, das ist eine Männer-WG. Wahrscheinlich wirklich Studenten, die nun bald wieder ihr Studium aufnehmen müssen. Eine weitere Person betrat die Bühne, diesmal eine junge Frau; vermutlich die Freundin von einem der beiden oder eine gemischte WG. Das Rätselraten ging weiter, aber es sollte noch besser kommen.
Wir gingen weiter unseren Beschäftigungen drinnen nach, aber immer wenn wir in die Küche gingen, um etwas zu trinken, warfen wir verstohlen einen Blick nach drüben. Zugegeben, irgendwann waren die Blicke auch nicht mehr verstohlen, denn das Schauspiel auf der Terrasse nebenan war einfach unglaublich und es wurde immer rätselhafter.
Auf dem Tisch wurden kleine Schälchen verteilt. Plötzlich saß dort eine weitere junge Frau am Tisch und spielte mit einem Kind Karten. Die jungen Männer machten es sich auf den Sonnenliegen gemütlich und spielten an ihren Handys. Alle Erwachsenen rauchten wie die Schlote. 2 weitere Personen nahmen am Tisch Platz, dann wieder welche und dann noch mehr. Zum Schluss waren ca. 20 Personen auf der Terrasse, alle rauchten, es wurde gegrillt und getrunken und zusammen gesessen bis abends. Dann verabschiedete sich einer nach dem anderen und die Terrasse leerte sich wieder.
Wir hatten aufgegeben, herauszufinden, wer denn nun tatsächlich dort wohnt. Bei so vielen Menschen hatten wir den Überblick verloren. Es war uns jedenfalls klar, dass der oder die Bewohner nun zurück sind und das mit einer kleinen Willkommensparty gefeiert hatten. Von da an würde ja nun regelmäßig jemand auf der Terrasse sein, und dann könnten wir immer noch ins Gespräch kommen .... dachten wir.

Am nächsten Tag - Sonntag - frühstückten wir wieder draußen und registrierten, dass vom Pavillion wieder nur noch das Gerippe drüben stand; der Überzug war entfernt worden. Der schöne Holztisch war allerdings nicht wieder mit einer Hülle abgedeckt worden. Niemand hatte Anstalten gemacht, den kaputten Sonnenschirm zu reparieren, und niemand erschien auf der Terrasse. Den ganzen Tag gab es dort keine Bewegung und in der Woche danach nicht und überhaupt seitdem nie wieder.
Wie soll man das nun interpretieren? Nils meinte eines Tages mal, er habe drüben im Bad Licht gesehen. Und ja, da war wirklich abends regelmäßig Licht im Bad. Da das das einzige Lebenszeichen war, dachte ich an eine Zeitschaltuhr, die regelmäßig das Licht anmacht, um eine bewohnte Wohnung vorzutäuschen, wenn man nicht da ist. Tatsächlich geht seit der Party wohl regelmäßig abends immer zur gleichen Zeit in diesem Badezimmer das Licht an. Nur ein einziges Mal haben wir dort auch die Bewegungen einer Person gesehen. Ansonsten nichts.

Und das soll uns jetzt mal jemand erklären: Wer wohnt denn in so einer großen Wohnung und hat
1. nie die Jalousien oben oder gekippt, um Tageslicht rein zu lassen?
2. jeden Abend zur gleichen Zeit Licht im Bad an, lüftet dort aber nie?
3. eine 60 qm große Terrasse voll möbliert und betritt sie niemals (erst recht wenn man überlegt, dass praktisch alle Teilnehmer der Party geraucht haben)?

Hat jemand Ideen? Dann mal her damit. Wir freuen uns über Kommentare!

Donnerstag, 3. Oktober 2013

Wochenendausflug in die Schweizerberge

Nachtrag von Anfang September; Text von Nils:


Seit Wochen werde ich bei der Arbeit gefragt, ob ich denn noch in die Ferien fahre - und jedesmal kann ich nur mit Nein antworten und erklären, dass praktisch mein gesamter Urlaub für den Umzug drauf gegangen ist. Blöd !

Um wenigstens mal ein wenig rauszukommen und das Land zu erleben, sind wir dieses Wochenende nach Pontresina in der Nähe von St. Moritz gefahren. Über ein Reiseportal hatten wir ein Hotelpaket gebucht, welches man (für Schweizer Verhältnisse) ohne Umschweife als Superschnäppchen bezeichnen darf. Halbpension, Minibar, Nutzung aller öffentlichen Verkehrsmittel und Bergbahnen - alles im Preis enthalten.

Am Freitag holte Bine mich direkt von der Firma ab und wir fuhren zunächst über die Autobahn nach Chur. Ab da ging es etwa 70 km über Bergstraßen weiter gen Süden. Zuletzt mussten wir unter Zuhilfenahme etlicher Serpentinen über den 2284 Meter hohen Julierpass und dann bergab nach St. Moritz. Diese Strecke war schon so fahrtechnisch eine kleine Herausforderung, welche aber noch verstärkt wurde durch Idioten in PS-Ungetümen, die an den unmöglichsten Stellen wie verrückt überholten. Nach gut zweieinhalb Stunden kamen wir aber wohlbehalten in Pontresina an.

Der Hotel-Check-In war äußerst freundlich und persönlich, das in Aussicht gestellte Zimmerupgrade kein Problem, und so durften wir vom Bett aus den fantastischen Blick auf den Roseggletscher bewundern. Abends genossen wir dann ein 4-Gänge-Menü mit regionalen Spezialitäten in der hoteleigenen Beiz (Dorfgaststätte). Lecker !

Am Samstag sollte es zum Ausgleich für die üppige Kulinarik etwas körperliche Ertüchtigung geben. Wir marschierten nach dem Frühstück zur Punt Muragl-Talstation und fuhren mit der ältesten Standseilbahn Europas hinauf auf den 2456 Meter hohen Muottas Muragl. Von dort ging es bei strahlendem Sonnenschein und 20 Grad auf eine zweieinhalbstündige Wanderung auf dem Panoramaweg entlang zur Alp Languard. Der Name dieser Route kommt nicht von ungefähr - man kann sich gar nicht satt sehen an den überdimensionalen Ausblicken. Zum Abschluss kehrten wir in das Wirtshaus auf der Alp Languard ein und genossen eine Suppe und ein kühles Blondes. Hinunter nach Pontresina ging es dann mit einem Sessellift - meine allererste Fahrt in so einem Teil.
Auf dem Weg zurück zum Hotel kamen wir dann noch an einem Käseladen vorbei, wo wir zwei örtliche Käsespezialitäten kauften.
Zum Abendessen gab es echt Schweizer Raclette - mit Mini-Tischgrill, einem Pfännchen für jeden und diversen Zutaten, vor allem warmen Kartoffeln (im Säckchen). Man erhitzt im Pfännchen übrigens nur den Käse und gießt diesen dann über die Zutaten auf dem Teller. Schon wieder lecker !

Am Sonntag war das Wetter umgeschlagen und es regnete dauerhaft. Nach dem üppigen Frühstück packten wir unsere Sachen und beluden das Auto. Beim Auschecken schlug uns wieder die gleiche Freundlichkeit entgegen, die wir schon die ganze Zeit erlebt hatten. Die Dame fragte uns dann noch, ob denn der Herr Direktor schon Zeit gefunden hätte, sich von uns zu verabschieden. Und tatsächlich erschien kurz darauf der Hotelchef, um seinen Gästen persönlich eine schöne Heimreise zu wünschen. Das nenne ich Service !


Auf dem Rückweg drehten wir mit dem Auto eine Runde durch das verregnete St. Moritz, waren nicht beeindruckt und fuhren zurück an den Bodensee.