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Samstag, 30. März 2013

Osterfeuer und Taufe in der Heimat



Es war uns von vornherein klar, dass das Osterwochenende stressig werden würde. Wir wollten aber das Beste draus machen und hatten uns einen Plan zurecht gelegt, wie wir möglichst viele Termin unter einen Hut bekommen und dabei noch Zeit für uns behalten. Und siehe da, es klappte ganz gut.
Nilis Ankunft in Hamburg war spät am Donnerstag. Ich holte ihn ab, und wir fuhren nach Hause.  
Für den Freitag war eigentlich geplant, dass wir den Tag mit Andrea, Adam, Birgitt, Lars und den Kindern verbringen. Durch eine kleine Kommunikationspanne reichte es dann aber nur zu einem 2-stündigen Treffen am frühen Abend. So kurz die Zeit auch war, so ist es doch immer wunderschön, solch liebe Freunde zu treffen. Zum Schnacken kamen wir nicht viel, denn es war gerade die umtriebige Zeit, zu der die Kinder Abendbrot essen und dann ins Bett gehen mussten. Wir genossen einfach mal wieder den Trubel und nutzten die kleinen Gelegenheiten, zwischen Käsebroten und umgestoßenen Wassergläsern ein paar Sätze auszutauschen.
Die Zeit verging wie im Fluge, da mussten wir schon weiter. Da wir keinen Schlüssel mitgenommen hatten, durften wir nicht so spät bei meinen Eltern ankommen. Wir wollten sie ja nicht aus dem Bett klingeln müssen. Tobias kam später auch noch mit der Bahn an. Im Wohnzimmer saßen wir noch eine kleine Weile zusammen und gingen dann schlafen.
Am Samstag hatten wir uns mit der Familie zum Osterfrühstück verabredet. Mama hatte alles toll vorbereitet. Wir schmausten all die leckeren Sachen und saßen lange um den Tisch herum und ergingen uns in etliche Gespräche und Diskussionen.
Wer am Nachmittag einen Blick in das Haus geworfen hätte, der hätte den Kopf geschüttelt und sich gefragt, was den dort passiert sei. Ich war total müde, hatte mich auf dem Sofa ausgestreckt, bin eingeschlafen und war netterweise von Tobi mit einer Wolldecke zugedeckt worden. Papa war zwischenzeitlich ins Bett gegangen, um ebenfalls ein Nickerchen zu machen. Als ich erwachte, lag Tobi schlafend neben mir auf dem Sofa und auf dem Fußboden hatte Flori es sich bequem gemacht und schlief auch tief und fest. Er hörte nicht mal sein Handy, das direkt neben ihm lag und mehrfach klingelte. Das muss ein Anblick gewesen sein ….
Martina war zu ihren Eltern gefahren. Inmitten der schlafenden Geschwister saß Nils und erklärte Mama, wie man bei ebay etwas verkauft, wie man seine Angebote erstellt und so.
Obwohl ich kein großer Fan von Osterfeuern bin, hatte ich Papa versprochen, dass ich abends mitkommen würde, und als es soweit war, machten wir uns alle auf den Weg. Beim Juz war ein großer Haufen aufgeschichtet worden, der bereits brannte, als wir ankamen.
Trotz der Kälte waren einige Menschen dort versammelt. Die Feuerwehr hatte alles organisiert inklusive Speis und Trank. 

Am Sonntagmorgen mussten wir schon um 7:00 Uhr aufstehen, denn wir hatten ja einen Termin zur Taufe. Duschen, anziehen, kurzes Frühstück und dann waren wir schon unterwegs. Wir kamen gut durch – ist ja klar, am Ostersonntag in aller Herrgottsfrühe und standen somit auch schon sehr früh bei Andrea und Timo vor dem Haus. Andrea öffnete die Tür und war völlig verdattert, dass wir schon da waren. Kein Problem, denn Toni war schon fertig, und die konnten wir dann mit „Mensch ärgere Dich nicht“ beschäftigten, während Andrea und Timo sich fertig machten.
Bein Anziehen der kleinen Hauptperson durfte ich dann helfen. Ich assistierte Andrea dabei, Alexandra das Taufkleid und die Schuhe anzuziehen. So süß, die Kleine!
Währenddessen füllte sich langsam die Küche, denn die Familien waren eingetrudelt. Zusammen machten wir uns auf den Weg zur Kirche – ist ja nicht weit – und konnten schon rein und uns die besten Plätze sichern. Wir wurden ganz vorne um das Taufbecken gruppiert und warteten, bis sich langsam die Kirche füllte. Alexandra schlief noch friedlich im Kinderwagen, Toni malte mit ihrer Freundin Johanna in den Malbüchern, die der Küster ihnen gegeben hatte.
Den ganzen Gottesdienst über musste ich den Organisten beobachten. Das war ein junger Kerl, der sein Instrument super beherrscht. Aber außerdem hatte er seine Freundin da oben auf der Empore, und da ging einiges ab. Die puschelten und herzten sich, küssten sich sogar und ich wartete nur noch darauf, dass die beiden ganz aus dem Blickfeld verschwinden. Eine echte Show. Allerdings hat das außer mir niemand gesehen, weil alle mit dem Rücken zur Orgel saßen.
Der stolze Patenonkel.
Als es endlich Zeit wurde für die Taufzeremonie, hatte Alexandra längst ihr Schläfchen beendet und einen großen Teil des Gottesdienstes mit Geschrei untermalt. Die große Schwester durfte das Wasser in das Taufbecken füllen und dann ging es los.
Ratzfatz war auch schon alles vorbei, und nach einer Fotosession vor Taufbecken und Altar machten sich alle auf den Weg zurück zum Haus. Dort hatte bereits die Dame vom Catering alles vorbereitet und wartete mit Sekt auf uns.

Bei tollem Büffet saßen wir noch sehr lange zusammen. Als dann alle anderen Gäste verschwunden waren, aßen wir noch Abendbrot mit Andrea und Timo, und ich las Toni eine Gutenachtgeschichte vor. Die war total erschlagen von dem Tag mit all den Leuten, Geschenken und Süßigkeiten.
Ein toller Tag, aber auch wir waren sehr erschöpft, als wir wieder in Hamburg ankamen und ins Bett fielen.
Ostermontag hatten wir uns als Gammeltag reserviert, und das kosteten wir auch aus. Couching war angesagt. Herrlich!
Am Dienstag stimmten wir die nächsten Termine ab, konkretisierten die nächsten ToDos und notierten uns diverse Aufgaben. Am späten Nachmittag ging Nilsis Flug, und vorher tranken wir noch einen Kaffee in der Schanze und guckten uns in einem Möbelgeschäft nach etwas Inspiration um.
Am Flughafen konnte ich Nils nur noch schnell aus dem Auto aussteigen lassen, weil die Zeit aufgrund stockenden Verkehrs wirklich knapp geworden war. Auf dem Rückweg verbrachte ich auch einige Zeit im Stau. Nun dauert es eine ganze Weile, bis wir uns wieder sehen, aber das schaffen wir auch, nicht wahr?

Sonntag, 24. März 2013

Es geht los: die iba ist da



Jahrelang hat der Stadtteil drauf hin gefiebert. Es wurde abgerissen, saniert, gebaut. Auch in den vergangenen Jahren gab es schon immer mal wieder Events und Aktionen, die auf eines der großen Ereignisse 2013 hinwiesen. Nach und nach hat sich Hamburg-Wilhelmsburg verändert und ist teilweise gar nicht mehr wieder zu erkennen.
Und an diesem Wochenende ist es nun soweit: die iba (Internationale Bauaustellung) öffnet ihre Türen. Am Samstag um 17 Uhr gab es eine große Veranstaltung mit dem Bürgermeister, Musik und Tamtam.
Bis zum 03. November wird es nun Veranstaltungen, Touren und Ausstellungen geben, die das Bauen und Wohnen der Zukunft zeigen sollen.
Im Mittelpunkt der iba steht natürlich Wilhelmsburg, aber die Bauausstellung streckt ihre Fühler auch nach Veddel und Harburg aus. Und hier habe ich heute für mich die iba eingeläutet. Um 11:15 Uhr startete der Rundgang „Die Harburger Schlossinsel“. Es fand sich eine Gruppe von ca. 50 Personen zusammen. Wir wurden von einer Dame geführt, die anhand von allerlei Bildmaterial von der Vergangenheit des Schlosses und der Entstehung des Hafens aus den ehemaligen Schlossgräben berichtete. Natürlich ging sie auch auf die Gegenwart und die Zukunft dieses Viertels ein, denn hier kann man ja live erleben, wie ein neuer Stadtteil entsteht.
Witzigerweise gab es immer wieder Anknüpfungspunkte zur Schweiz, denn der sternförmige Park, der in der Mitte der Bauprojekte bereits teilweise fertig gestellt ist, wurde von einem zürcher Architekten entworfen. Und auch die Inspiration für das Bauprojekt namens „Boathouse“ - ein Wohnhaus auf Stelzen mit Garagen nicht nur für PKWs sondern auch für Boote – kommt aus der Schweiz (hat ein Architekt beim Zürisee gesehen und dort abgeschaut).
Es ergaben sich angeregte Diskussionen über die Wohnqualität in den Neubauten, denn es handelt sich auf der Schlossinsel um ein Gebiet, das früher zum Hafen gehörte und 2010 aus dem Hafengebiet herausgelöst wurde. Einige Grundstücke wurden von privaten Investoren gekauft und werden nun mit Wohnhäusern bebaut. Etlicher Grund und Boden befindet sich aber noch im Besitz der Hamburg Port Authority oder kleinen und mittleren Betrieben. Diese bleiben auch erst einmal da und verbreiten ein Flair, das man schon mögen muss. Auch kann es nicht ausgeschlossen werden, dass die Betriebe ein gewisses Maß an Lärm verursachen. Über diese Dinge sollte man sich im Klaren sein, wenn man anstrebt, hier zu wohnen. Wenn man nun mal einen Blick auf die Preise wirft, die hier für den Wohnraum aufgerufen werden, dann frage ich mich schon seit Jahren, wer denn hier wohnen soll. Macht Euch ein eigenes Bild. Dies sind die 3 Wohnprojekte der ersten Phase:

Marina auf der Schlossinsel (formerly known as Balance Bay)
Inselleben (keine eigene Homepage)

Marina auf der Schlossinsel
Geplant ist, dass die Insel sich weiter entwickeln soll. Die Betriebe sollen langfristig verschwinden und Platz machen für weitere Wohnhäuser. Angestrebt ist es, irgendwann wieder eine sternförmige Bebauung zu haben, wie es früher das Harburger Schloss (früherer Name lautet Horeburg = Sumpfburg) gewesen ist. Das ist aber Zukunftsmusik und liegt noch in weiter Ferne.
Obwohl hier noch alles matschig, provisorisch und im Bau ist, sind bereits Anfang 2013 die ersten Bewohner in die Marina eingezogen. Das muss man echt wollen. Wenn ich mir angucke, wie meine Schuhe nach diesem Ausflug aussahen … naja.
Aber ein großer Teil der 162 Wohnungen hier ist immer noch frei. Daher gibt es regelmäßig Besichtigungen. Auch meine Gruppe begab sich spontan in eine Wohnung im Haus „Marin“. Sehr tolles Parkett, bodentiefe Fenster und ein Wahnsinnsausblick von der Loggia auf den Binnenhafen (allerdings nur auf der einen Seite; auf der anderen Seite der Eckwohnung blickt man auf den schrottigen Lagerplatz eines Wasserbauunternehmens). Eine nette Wohnung, aber mit 2.290,- € Kaltmiete im Monat für 142 qm (3 Zimmer) für den Harburger an sich völlig uninteressant.
Nach der Besichtigung löste sich die Gruppe langsam auf. Einige wollten noch weitere Wohnungen ansehen, andere strebten zurück zum Lotseplatz und wieder andere stärkten sich im Café. Ja, die Marina bekommt ein eigenes Café (ein Ableger hiervon), das noch längst nicht fertig ist, aber trotzdem heute schon einmal eine provisorische Eröffnung feierte mit gegrillten Würsten, Glühwein und Kuchen. 
Papa, das ist die ideale Kombi für Dich:  Baustelle und Café; ich werde das mal beobachten, wann die richtig aufmachen.
Ich gehörte zu denen, die langsam wieder zum Lotsplatz trotteten, wo die Führung gestartet war. Hier befindet sich der „Zug der Ideen“, eine Reihe von Containern, die über Eck wie Bahnabteile hintereinander stehen und innen Infos zu diversen Themen wie Energieversorgung, Nachhaltigkeit, CO2-Footprint, Artenvielfalt und allerlei mehr geben.
Zug der Ideen; Lotseplatz







Nilsi, an Dich habe ich natürlich gedacht in dem Container, wo ein Regal mit Flaschen voller Wasser aus verschiedenen Gewässern steht. Die Flaschen haben einen Barcode, und mit einem Handscanner kann man sich auf einem Bildschirm Infos zur Wasserqualität aufrufen.
Als ich auch dort durch war, machte ich mich auf den Weg zum Phoenix-Center, denn heute war verkaufsoffener Sonntag und ich wollte noch ein bisschen bummeln. Dumme Idee, denn dort waren noch viel mehr Menschen als ich sowieso schon erwartet hatte. Also gab es für mich nur ein Heißgetränk auf die Hand und dann stellte ich mich in eine Ecke und beobachtete das Treiben.
Der Rückweg nach Hause führte mich an dem zweiten Teil meines iba-Tages vorbei. Das iba-Schaufenster im Gloria-Tunnel war allerdings nicht besonders aufregend. Es gab dort lediglich Tafeln mit allgemeinen Infos, die mir keine neuen Erkenntnisse brachten, also sah ich zu, dass ich nach Hause kam.
Ich werde auf jeden Fall noch eine Reihe weiterer Führungen im Rahmen der iba mitmachen, denn das war heute sehr interessant.
Am 26. April beginnt dann das nächste Großereignis in Wilhelmsburg, die igs (Internationale Gartenschau). Dafür muss sich aber das Wetter noch um einiges bessern, denn das Motto heißt schließlich „In 80 Gärten um die Welt“ und nicht „Im Tiefschnee durch die Polarregionen“.

Zeppeline überall


Vor wenigen Tagen wurde im Radio groß und breit über den astronomischen Frühlingsanfang berichtet. Jetzt ist aus allen erdenklichen Blickwinkeln gesehen der Winter vorbei - der weiß nur nichts davon. Es war heute trübe und mit +1 Grad, gefühlt wie -5, deutlich zu kalt. Immerhin kein Schnee mehr.

Unter diesen Umständen wollte ich mich lieber in geschlossenen Räumen aufhalten. Also ging es heute mit dem Katamaran von Konstanz nach Friedrichshafen. Der braucht 52 Minuten und fährt stündlich im Linienverkehr hin und her.



Direkt im Hafen von Friedrichshafen liegt im ehemaligen Hafenbahnhof das Zeppelin-Museum. Dies war mein heutiges Ziel. Hier wird dieses Stück Geschichte über den wohl berühmtesten Bürger dieser Gegend wieder lebendig. Man kann hier keine 500 Meter gehen, ohne nicht vor einem Denkmal, Springbrunnen oder Kunstwerk zu stehen, das sich um Zeppeline dreht.
Die Museumsführung startet zunächst mit einem Film über die Geschichte und Entwicklung der Zeppeline. Schon 1901 hob mit der LZ-1 die erste "Zigarre" vom Bodensee ab. Mit LZ-127 "Graf Zeppelin" erreichte diese Technologie 1928 ihre Blütezeit. Hiermit war es nun möglich, in 2-3 Tagen nach Nord- und Südamerika zu fliegen, und das äußerst komfortabel. 1936 wurde mit der LZ-129 "Hindenburg" das bis heute größte Fluggerät der Welt in Dienst gestellt. Im Museum gibt es einen originalgetreuen Nachbau eines Teils der Kojen und Aufenthaltsräume zu bestaunen. Hier war alles auf Gewichtsreduktion getrimmt. Überall wurde Aluminium und Stoff verwendet, sogar die Uhren bestanden daraus. Man kann hier auch einen Teil der inneren Verstrebungskonstruktion betrachten, die in mehreren tausend Arbeitsstunden anhand von Originalplänen nachgebaut wurde.

Außerdem gibt es viele Originalteile und Fotos aus dieser Zeit zu bestaunen. Natürlich wird auch der Absturz der "Hindenburg" am 06. Mai 1936 in Lakehurst thematisiert. Es sind hier auch einige Exponate zu sehen, die diesen Absturz mehr oder weniger schadlos überstanden haben. Die genaue Unglücksursache wird wohl nie geklärt werden; neueste Theorien gehen aber von einem Brand der Außenhülle aus, die durch die Aluminiumfarbe extrem feuergefährlich war. Es war einfach eine andere Zeit damals - heute würde wohl niemand in ein Gefährt mit zehntausenden Kubikmetern Wasserstoff über einem einsteigen.


Nach zweieinhalb Stunden war der Rundgang zu Ende und ich machte noch eine Tour durch die Friedrichshafener Innenstadt, die am Sonntag wie ausgestorben wirkte. Das zugige Wetter trug gewiss dazu bei. Um 15 Uhr nahm ich dann den Katamaran zurück nach Konstanz.

Für morgen ist hier Schnee bis in die Flachlagen angekündigt. Kann mal bitte jemand dem Frühling Bescheid sagen....?!

Samstag, 23. März 2013

Besuch im Rolls-Royce-Museum


Vor zwei Wochen erhielt ich per E-Mail eine Einladung zu einer IBM-Roadshow, also im Prinzip einer Werbeverkaufsveranstaltung für Softwareprodukte und angegliederte Dienstleistungen. Die Teilnahme war kostenlos, und die Themen interessierten mich durchaus sehr. Da noch eine lecker Mittagessen ausgelobt wurde, war die Sache klar und das OK meines Chefs eine Formsache.

Der Veranstaltungsort lag gemäß der Einladung an Rande der österreichischen Stadt Dornbirn, was etwa 50 km Landstraße bedeutete. Normalerweise bin hier ja überzeugter Bahnfahrer, aber die Anreise dorthin hätte neben 2x Umsteigen auch eine längere Taxifahrt bedeutet, weshalb ich mir über die Firma einen Mietwagen buchen ließ. Die für mich nächstgelegene Station vom Vermieter mit der orangefarbenen Werbung ist in Konstanz. Das war schon mal ein Akt, dort einen Wagen ohne deutschen Wohnsitz zu mieten. Pünktlich um 8 Uhr stand ich dort auf der Matte. Und ich erlebte das bei wirklich allen Autovermietungen gleiche Trauerspiel:
Selbst wenn man online ALLE Daten eingegeben hat, dauert die Vertragsausfertigung 15 Minuten, in denen man ein halbes Dutzend Dokumente und Karten vorlegen muss. Dafür gab's einen Nissan Qashqai zum Preis eines Golfs.

Ehrlich gesagt hätte ich aber lieber den Golf genommen, denn das eingebaute Navi machte mich auf der Hinfahrt total fertig. Ohne Besitz einer Mautplakette hatte ich natürlich die Optionen "Mautstraßen vermeiden" und Autobahnen vermeiden" aktiviert. Trotzdem wollte die dumme Uschi mich partout auf die A1 schicken und ließ sich davon auch nach zweimaligem Neustart nicht abhalten. Glücklicherweise kannte ich den Weg grob. Erst die Option "kürzeste Route" brachte Besserung, wenngleich nun das andere Extrem stattfand - ich wurde über Neben- und Seitenstraßen gelotst und hatte zeitweilig keine Hoffnung, irgendwo anzukommen. Aber wie durch ein Wunder traf ich drei Minuten vor Veranstaltungsbeginn in Dornbirn ein.



Die Veranstaltung fand in einem separaten Raum mitten im Rolls-Royce-Museum statt. Dieses ist das nach eigenen Angaben größte der Welt. Am Nachmittag erhielten alle Teilnehmer zum Abschluß eine Führung durch das Gebäude. Der Vater des heutigen Besitzers hat vor über 40 Jahren angefangen, als private Leidenschaft alte Rolls-Royce (Baujahr < 1950) zu sammeln. Zunächst wurden diese im Garten, in der Garage und schließlich im leeren Swimmingpool gelagert. Vor gut 10 Jahren hat er dann eine leerstehende Textilfabrik in den Bergen oberhalb Dornbirns gekauft und das Museum eröffnet. Es stehen dort nicht bloß irgendwelche Oldtimer herum, sondern wahre Schätze, zum Beispiel der Safariwagen von King George V, das Auto von Queen Mum oder der Wagen von General Franco. Der Besitzer hat die Technik und Geschichte mit einer solchen Leidenschaft erzählt, dass man einfach mitgerissen war.

Die Fahrzeugen dieser Ära galten ohne Einschränkungen als die besten der Welt. Es wurde nur das technisch Perfekte verbaut. Die Motoren laufen so leise, dass man eine Münze hochkant auf den Motorblock stellen kann und sie nicht umfällt. Und das bei 8 Liter Hubraum ! Von Henry Royce stammt der Satz: "After the price is forgotten quality endures". Allen Rolls-Royce ist bis heute gemein, dass zwei Dinge unbekannt sind: Die PS-Zahl ("immer genügend") und der Spritverbrauch.


Sonntag, 17. März 2013

Kaiserliches in der Bundesstadt


Der heutige Sonntag begrüßte mich mit Regen und grauem Trübsal. Was macht man also bei solchem Schietwedder ? Ganz klar - ab ins Museum.


Nun hatte ich mir für meinen heutigen Ausflug aber nicht irgendeinen dörflichen Heimatschuppen ausgesucht, sondern das Histrorische Museum in Bern. Dort findet nämlich seit 2 Tagen eine landesweit beworbene Ausstellung über Qin, den ersten Kaiser von China und seine Terrakotta-Armee statt. Das Highlight sind hierbei die zu bestaunenden Originalfiguren, die China normalerweise höchst selten außer Landes lässt. Da muss anscheinend erst die UBS als Sponsor auftreten.

Die Anreise mit der Bahn (hatte ich schon das perfekte Bahnfahren hier erwähnt..?!) war pünktlich in zweieinviertel Stunden geschafft. In Bern selbst war ich schon mit Bine auf unserer Schweiz-Tour gewesen, und so kamen mir diverse Orte gleich wieder bekannt vor. Die Altstadt liegt auf einer erhöhten Landzunge, die von der Aare in einem U umflossen wird. Da es hier seit gut 500 Jahren keine kriegerischen Handlungen mehr gab und die Schweizer Veränderungen gegenüber eher argwöhnisch sind, wirkt dieser Stadtteil wie eine Zeitkapsel aus vergangenen Zeiten. Nur die Autos und die (dezenten) Werbetafeln der Geschäfte lenken
hiervon etwas ab. Kurze Klugscheisserei am Rande: Bern ist NICHT die Hauptstadt der Schweiz, sondern nur der Regierungssitz. Sowenig, wie die Schweiz einen Regierungschef hat, sowenig haben die Eidgenossen eine Hauptstadt !

Vom Bahnhof aus war der Weg zum Museum recht gut ausgeschildert. Auf der Homepage (http://www.qin.ch) hatte ich mich schon über Öffnungszeiten und Preise *stöhn* informiert. Dann hieß es zunächst einmal, Jacke und Tasche in einem Schließfach zu deponieren. Man durfte nichts mit hineinnehmen und auch nicht fotografieren. Die empfindlichen Exponate vertragen nicht viel Licht.

Bevor ich mich in den Keller zu den Tonköpfen aufmachte, besuchte ich vorher noch die Daueraustellung über Albert Einstein, der seit 1901 die schweizerische Staatsbürgerschaft besaß und in Bern einige Jahre gelebt und im Patentamt gearbeitet hatte. Eine gelungene Retrospektive seines Lebens mit vielen Originaldokumenten, Fotos und Animationen.

Dann ging es in den Keller zum Kaiser von China. Das Untergeschoß wurde mit Bedacht gewählt, da ein ganz spezielles, feuchtes Raumklima erzeugt wurde. Der Rundgang führte zuerst an diversen Exponaten aus dem Leben der damaligen Zeit (ca. 200 v.Chr.) vorbei, die eine bemerkenswerte Hochkultur zeigten. Zu einer Zeit, als wir Nordeuropäer noch Wildschweine mit Keulen jagten, konnten die Chinesen schon filigrane Bronzeglocken, Armbrüste und Scharniere (!) herstellen.

Ich hatte mir einen Audioguide gegönnt, der mich an jeder Vitrine mit Wissen überhäufte. Kaiser Qin regierte nur 12 Jahre, konnte in dieser Zeit aber das chinesische Reich einen und eine gemeinsame Sprache, Währung und Verwaltungsabläufe einführen. Die Terrakotta-Figuren wurden 1976 durch Zufall von einem Bauern entdeckt, der einen neuen Brunnen graben wollte. Das Grab des ersten Kaisers (ein riesiger Erdhügel) war schon lange bekannt, aber erst seit gut 30 Jahren weiß man, dass Qin seinen gesamten Hofstaat als Terrakotta-Figuren nachbilden ließ. Die Ausgrabungen dauern immer noch an, und es sind bisher über 8000
Exemplare gefunden worden.

Der Rundgang führte im Zickzack eine Etage tiefer, und dort standen sie dann: 6 Krieger plus ein Pferd. Es gab keine Glasscheibe, und man konnte bis auf einen Meter an die Figuren heran. Der Detailreichtum dieser lebensgroßen Figuren ist bemerkenswert. Jede hat einen persönlichen Gesichtsausdruck, weshalb man annimmt, dass sie echten Personen nachempfunden sind. Ursprünglich waren alle Figuren farbenprächtig bemalt, aber nach dem Ausbuddeln in den 70er Jahren standen keine geeigneten Konservierungsmethoden zur Verfügung, und die Farbe platzte ab. Man kann aber zwei angemalte Repliken bestaunen. Das eigentliche Kaisergrab wird erst dann geöffnet, wenn es eine hundertprozentige Konservierungsmöglichkeit gibt. Da kommt es auf 50 Jahre mehr oder weniger nicht an.

Nach zweieinhalb äußerst interessanten Stunden ging es auf einem ausgedehnten Spaziergang durch Altstadt und einem koffeinhaltigen Heißgetränk wieder zum Bahnhof und dann zurück an den Bodensee.

Samstag, 16. März 2013

Konstanz - eine Stadt als Parkplatz


Jeden Samstag wiederholt sich hier derselbe Ritus:
Bis etwa 11 Uhr gleicht die Innenstadt von Konstanz noch einer ganz normalen, mittelgroßen Stadt an einem typischen Wochenende. Es ist schon was los, aber man kommt überall noch durch und muss an den Kassen nicht lange anstehen. Das ist auch die Zeit, in der ich meine Wocheneinkäufe erledige.

Aber dann beginnt der Schweizer Auto-Tsunami über die Stadt hereinzubrechen. Zugegeben, die Straßenführung ist nicht gerade ideal. Aber selbst mit den intelligentesten Verkehrskonzepten ist dieser Blechlawine nicht Herr zu werden. Es werden schon Ordner an den großen Kreuzungen und vor den (überfüllten) Parkhäusern postiert, aber auch das hilft nicht viel. Spätestens gegen 13 Uhr geht in der Innenstadt nichts mehr. Der Stau reicht zurück bis kurz hinter die Grenzübergänge. In den Geschäften herrscht nun Ausnahmezustand. Neben normalen Supermärkten und Discountern werden insbesondere die Drogerien überrannt. Kein Wunder, wenn man mal die Preise für ein- und dieselben Markenprodukte auf beiden Seiten der Grenze vergleicht. Da sind im deutschen €-Land zum Teil 50% Ersparnis drin. Und dann kommt noch die Erstattung der Mehrwertsteuer dazu ! Nirgendwo sonst als hier bekommst Du neben kleinen Einkaufskörben auch große Trolleys mit Rollen und Griff zum Hinterherziehen. Und die werden vollgemacht !!

Ab 15 Uhr beginnt dann der Verkehrswahnsinn Teil 2 - die Rückreise. Natürlich nicht ohne den obligatorischen deutschen Zollstempel auf den Ausfuhrscheinen. Also wieder Stau bis sonstwohin, diesmal bis zur Grenze. Die deutschen Zöllner sind hier zu reinen Stempelknechten degradiert. Es gibt hier sogar Stempelmaschinen, da sich die Beamten Gelenkentzündungen vom vielen Abstempeln zugezogen hätten (oooch, die armen Puschelhäschen...). Nur meinen tollen Ausländerausweis will hier keiner sehen. Man vertraut wohl darauf, dass niemand es wagen würde, gegenüber dem deutschen Zoll falsche Angaben zu machen...

Auf Schweizer Seite wird recht steng kontrolliert. Die Einfuhr-Freigrenze liegt bei 300 SFR Netto-Warenwert, also ca. 295 € brutto. Mein ALDI-Einkauf wird in Ruhe gelassen, aber wer mit einer schicken Tatzentüte an den Zöllnern vorbeimarschiert, darf mit hoher Wahrscheinlichkeit den Kassenbon vorzeigen. Regelmässig werden hier auch Kofferräume durchsucht. Auch ein Grund für den Stau. Ich jedenfalls marschiere zu Fuß mit Rucksack unbehelligt an den Kolonnen vorbei und freue mich über meine zentrale Wohnlage.

Das einzige Mittel für ein verkehrsberuhigtes Konstanz ist ein stahlharter Euro. Aber daran ist wohl - zur Freude der Schweizer und des deutschen Einzelhandels - nicht zu denken.

Montag, 4. März 2013

Berge & Schnee

Die Wahl meines sonntäglichen Ausflugsziels ist gar nicht so leicht:

Das Ziel sollte mit der Bahn innerhalb von etwa 2 Stunden erreichbar sein, es sollte was zu sehen geben, oberhalb von 1200m liegen (Hochnebel!) und - ganz wichtig - es sollte Bine möglichst nicht interessieren. Dies vor allem, damit wir später zu zweit nicht immer bei Ausflügen vor dem Dilemma stehen, dass ich schon alles kenne.

Also bin ich nach Unterterzen gefahren.

Wer sich jetzt fragt: "Unter...wo???", dem sei gesagt, dass ich dieses Dorf vorher auch nicht kannte. Aber beim Studium der Ostwind-Zonenkarte (das ist der regionale Verkehrsverbund) fiel mir auf, dass ganz im Süden eine Seilbahn eingezeichnet war, die man mit einer Ostwind-Tageskarte kostenlos mitbenutzen darf. Oben liegt die Tannenbodenalp und der Flumserberg  (http://www.flumserberg.ch), ein schnuckeliges Skigebiet. Und wo würde ich Bine nur unter Androhung von Gewalt hinbekommen ? Genau - auf einen schneebedeckten Berg im Winter.

Die Anreise mit der Bahn dauerte gut zwei Stunden, mit dreimal Umsteigen. Das ist hier in der Schweiz aber überhaupt kein Problem, weil die Züge hier so häufig fahren und so perfekt getaktet sind, dass ich immer nur 3-6 Minuten Übergang hatte. Je näher ich den Bergen kam, desto mehr Skis und Snowboards wurden in die Abteile gestopft. Skifahren ist eine unfassbare Materialschlacht. Meine Sorge, ich würde den Skilift nicht finden, erwies sich als völlig unbegründet, da ich nur der Herde nachlaufen musste. Außerdem war die Talstation über einen Tunnel mit dem Bahnhof verbunden. Der Flumserberg scheint nur Einheimischen bekannt zu sein, denn ich konnte akustisch und den Autokennzeichen nach nur Schweizer entdecken. Der Andrang an der Seilbahn hielt sich für einen Sonntag mit strahlendem Sonnenschein auch sehr in Grenzen. Schon nach wenigen Minuten saß ich einer Gondel, die mich auf 1400m Höhe zur Tannenbodenalp brachte. Das letzte Stück werden die Gondeln mit ca. 80% Steigung den Berg hinaufgezerrt.


Oben angekommen, stand ich dann mittendrin im Skizirkus, wobei das sicherlich mickrig im Vergleich zu großen Gebieten ist. Ich machte mich aber gleich auf und folge der beschilderten und präparierten Wanderroute. Schon kurze Zeit später war wieder Ruhe und ich keuchte den Berg hinauf. Die Höhe und die Steigung forderten alles von mir. Während der folgenden eineinhalb Stunden schlängelte ich mich zu zwei Alphütten auf gut 1600m Höhe hinauf. Eine wunderschöne Stecke - und tief verschneit. Da oben lagen gut 2 Meter Schnee. Auf dem festen Weg fällt das nicht so auf, aber wenn man danebentritt und bis zum Knie verschwindet oder unter einem Seilbahnträger durchgeht, an dem ein Schild hängt "Durchfahrtshöhe 4,20m" und man dieses Schild fast anfassen kann - nunja. Fast eine größere Herausforderung als das Hochquälen war das unfallfreie Absteigen auf den leicht angetauten Pisten. Da halfen die dicken Stiefel auch nicht immer weiter. Aber mich hat's nicht einmal zerrissen.

Nach zweieinhalb Stunden Wanderung kam ich wieder an der Seilbahn an. Der Wetterbericht hatte tatsächlich Recht behalten: Bis 1200m leichter Hochnebel, darüber wolkenloser Himmel. Und in der Sonne oben am Berg war es wirklich warm !

Die Seilbahnfahrt nach unten hatte noch ein Highlight aufzuweisen: Aus den 80% Steigung wurden nun natürlich 80% freier Fall.  Mir war nicht klar, dass sowas technisch geht. Ich war ein klein wenig froh, wieder unten anzukommen. Dort entspannte ich mich einen Augenblick am Ufer des Walensees, bevor es wieder zurück ging.

Das ist dann mein zweiter Sonnenbrand im Gesicht.

Ausflug nach Schaffhausen

Mein heutiger Sonntagsausflug führte diesmal nach Schaffhausen und zum Rheinfall. Dort war ich zwar schon vor ein paar Jahren zusammen mit Bine gewesen, aber nicht bei Eis und Schnee.


Die Fahrt mit der S-Bahn nach Schaffhausen dauert nicht ganz eine Stunde (Direktverbindung) und führt bis Stein am Rhein direkt am Bodensee entlang. Dort hatte ich etwa 25 Minuten Aufenthalt, und so zog ich erstmal in die Innenstadt. Beim McCafé gönnte ich mir ein Heißgetränk (diese Preise...!) zum Mitnehmen. Normalerweise geht das ja fix, aber der Typ hinterm Tresen hatte wohl seinen ersten Tag, denn er musste die Arbeitsanweisung bestimmt achtmal lesen. So konnte ich nur eine kurze Runde drehen und dann in die Bahn Richtung Winterthur zu steigen. Denn der Rheinfall hat praktischerweise eine eigene Bahnstation.

Dort ging es erstmal steil bergauf, denn die Bahn hält unmittelbar nach einem Tunnel unterhalb von Schloß Laufen, die Eintrittskarten gibt es aber oben. Bei so einem Wetter war erwartungsgemäß nichts los, obwohl es trocken und abschnittsweise auch sonnig war. Nur eben frostig. Der Eintritt war aufgrund der Sperrung der unteren Plattform wegen Vereisung auf 3 SFR reduziert worden. Schnäppchen ! Ich hangelte mich die verschneiten Steintreppen zur mittleren Plattform hinunter und genoss das Getöse komplett ohne andere Touristen um mich herum.

Nachdem ich genug gesehen hatte, ging es mit dem gläsernen Fahrstuhl nach oben zum Ausgang und dann auf dem gut dreieinhalb Kilometer langen Wanderweg nach Schaffhausen, immer direkt am Rheinufer entlang. Malerisch !

Dort angekommen, wollte ich mir das Kastell Munot, eine toll restaurierte Burg aus dem 16. Jahrhundert, anschauen. Ich hätte mir natürlich denken können, dass ein kurzer Weg vom Rheinufer zur Burg vor allem eins bedeutet - es geht steil bergauf. Nach gefühlten 200 Treppenstufen war ich oben. Die Anlage ist kreisrund und gemäß der Befestigungslehre Albrecht Dürers gebaut worden. Vor allem die innere Gewölbehalle ist beeindruckend. Oben hat man (natürlich) einen tollen Ausblick über die ganze Stadt.

Nach dem Abstieg ging es durch die Altstadt, die in dieser Form seit über 500 Jahren steht, zurück zum Bahnhof. Und pünktlich mit der Abfahrt des Zuges fing es an zu schneien.

Ausflug nach St. Gallen



Biaher schaffe ich es ganz gut, mein selbstgestecktes Ziel einzuhalten, nämlich früh ins Bett zu gehen und dann natürlich früh wieder aufzustehen. Da hat man einfach mehr vom Tag. Deshalb konnte ich heute ganz in Ruhe um 10:30 Uhr die einstündige Fahrt nach St. Gallen antreten. Die Hauptstadt des gleichnamigen Kantons hat ca. 70.000 Einwohner, ist Universitätsstadt und liegt mit 700m über dem Meeresspiegel schon recht hoch.

Das Wetter zeigte sich heute von der absoluten Schokoladenseite. Blauer Himmel, Fernsicht, aber bitterkalt. In der vorangegangenen Nacht sanken die Temperaturen unter -10°C, in einigen Bergregionen unter -30°C. Aber im Gegensatz zu den USA juckt das hier niemanden. Die Bahnfahrt führte durch malerisch verschneite Felder und Dörfer; genauso stellt man sich den Winter vor.

In St. Gallen machte zunächst einen Rundgang durch die Altstadt (das kann man wörtlich nehmen!) und zum Benediktinerkloster und zur Stiftskirche St. Gallen, beides UNESCO-Weltkulturerbe. Leider war gerade Gottesdienst, also ging's weiter. Hinter der Abtei fand ich zufällig eine kleine Zahnradbahn, in die ich spontan einstieg. Es ging etwa 3 Minuten durch einen Tunnel bergauf. Oben nahm ich einen recht beliebten Wanderweg auf einem Bergkamm entlang und genoss Ausblick und Sonne.


Auf dem Rückweg in die Altstadt schaute ich mir dann die Stiftskirche von innen an. Etwas Kultur muss nun mal sein. Wirklich ein imposanter Bau, nicht unbedingt von der Größe, aber der üppigen Ausstattung. Und - ganz katholisch - gab es im Hauptschiff sagenhafte 8 (!) Beichtstühle.

Danach gab es eine Stärkung in Form von "G'Chackets mit Hörnli" (Nudeln mit Hackfleischsauce und -ja- Apfelmus) an einer Marktbude. Echt lecker! Aber das Preisniveau ist schon gewöhnungsbedürftig: Dieser Teller kostete 12 SFR, also 9,80 €. Ich bin dann mal zum Preischeck zu McDonalds gegangen. Ein Menü mit so einem großen Aktionsburger kostet 12,50 SFR, also über 10 €!! Man verdient hier zwar gutes Geld, gibt dies aber auch gleich wieder aus...

Auf meinem weiteren Weg durch die Innenstadt machte ich dann direkte Bekanntschaft mit einem uns Norddeutschen völlig unbekannten Ereignis: Fastnacht! Getreu unserem Motto: "Wo wir sind, ist vorne" fand natürlich heute der große Fastnachtsumzug in St. Gallen statt. Und ich mittendrin.
Der Umzug bestand aus 50 Gruppen und führte quer durch die Stadt. Das Warm-Up der Bands hatte ich schon oben auf dem Berg gehört. Wie beschreibe ich das jetzt am besten? Zunächst mal treten immer Gruppen in jeweils einheitlichen, aber sehr unterschiedlichen Stilrichtungen an. Von Hexen, Gorillas, Monstern und sonstigen Fantasiekostümen ist alles dabei.

Jede zweite Gruppe ist ein Spielmannszug, die aber schmissige und teils aktuelle Musik spielen. Dazwischen fahren auch Umzugswagen unterschiedlichster Coleur mit. Süssigkeiten werden kaum geworfen, dafür tonnenweise Konfetti. Dies wird teils mit Luftdruckkanonen bis auf die Häuserbalkone geballert und zum anderen den Leuten händeweise in den Kragen gestopft. Mich hat's auch erwischt. Die Reste habe ich zuhause aus der Unterhose geschüttelt. Besonders für die Kinder war das eine Riesengaudi. Über eineinhalb Stunden dauerte der Aufmarsch. Danach war ich durchgefroren und bin zurückgefahren.

Und jetzt habe ich einen leichten Sonnenbrand im Gesicht.

Meine Wohnung



Bereits im Dezember hatte ich - unter tatkräftiger Hilfe der Kollegen Glück und Zufall - mein 17qm-Dachschloss anmieten können. Und dies ohne vorher ein Foto gesehen zu haben! Aber was soll man machen, wenn das Angebot rar und teuer ist. Ich habe Inserate gesehen, in denen kleinere WG-Zimmer zu höheren Mieten angeboten wurden.
   
Ende Dezember 2012 konnten wir meine Sachen schon hier im Keller einlagern. Bei meinem Einzug am 30.01.2013 war auch noch alles vollständig vorhanden, wenngleich ich drei Anläufe brauchte, um alles wiederzufinden. Mein Vermieter, ein sehr netter Pensionist, half mir sogar dabei, alle Kartons und Tüten in den zweiten Stock zu befördern.

Nach einem emotional sehr schwierigen Start habe ich meine Studentenbude nun einigermassen im Griff. Es fehlt noch dies und das, aber da ich die Woche über praktisch nur zum Essen und Schlafen hier bin, geht's soweit. Am meisten vermisse ich derzeit - nein, keinen Fernseher - eine bequeme Sitzgelegenheit. Aber auch dafür habe ich schon einen Plan.

Am meisten hält mich aber der Gedanke aufrecht, dass dies nur eine sehr temporäre Lösung ist.