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Sonntag, 17. März 2013

Kaiserliches in der Bundesstadt


Der heutige Sonntag begrüßte mich mit Regen und grauem Trübsal. Was macht man also bei solchem Schietwedder ? Ganz klar - ab ins Museum.


Nun hatte ich mir für meinen heutigen Ausflug aber nicht irgendeinen dörflichen Heimatschuppen ausgesucht, sondern das Histrorische Museum in Bern. Dort findet nämlich seit 2 Tagen eine landesweit beworbene Ausstellung über Qin, den ersten Kaiser von China und seine Terrakotta-Armee statt. Das Highlight sind hierbei die zu bestaunenden Originalfiguren, die China normalerweise höchst selten außer Landes lässt. Da muss anscheinend erst die UBS als Sponsor auftreten.

Die Anreise mit der Bahn (hatte ich schon das perfekte Bahnfahren hier erwähnt..?!) war pünktlich in zweieinviertel Stunden geschafft. In Bern selbst war ich schon mit Bine auf unserer Schweiz-Tour gewesen, und so kamen mir diverse Orte gleich wieder bekannt vor. Die Altstadt liegt auf einer erhöhten Landzunge, die von der Aare in einem U umflossen wird. Da es hier seit gut 500 Jahren keine kriegerischen Handlungen mehr gab und die Schweizer Veränderungen gegenüber eher argwöhnisch sind, wirkt dieser Stadtteil wie eine Zeitkapsel aus vergangenen Zeiten. Nur die Autos und die (dezenten) Werbetafeln der Geschäfte lenken
hiervon etwas ab. Kurze Klugscheisserei am Rande: Bern ist NICHT die Hauptstadt der Schweiz, sondern nur der Regierungssitz. Sowenig, wie die Schweiz einen Regierungschef hat, sowenig haben die Eidgenossen eine Hauptstadt !

Vom Bahnhof aus war der Weg zum Museum recht gut ausgeschildert. Auf der Homepage (http://www.qin.ch) hatte ich mich schon über Öffnungszeiten und Preise *stöhn* informiert. Dann hieß es zunächst einmal, Jacke und Tasche in einem Schließfach zu deponieren. Man durfte nichts mit hineinnehmen und auch nicht fotografieren. Die empfindlichen Exponate vertragen nicht viel Licht.

Bevor ich mich in den Keller zu den Tonköpfen aufmachte, besuchte ich vorher noch die Daueraustellung über Albert Einstein, der seit 1901 die schweizerische Staatsbürgerschaft besaß und in Bern einige Jahre gelebt und im Patentamt gearbeitet hatte. Eine gelungene Retrospektive seines Lebens mit vielen Originaldokumenten, Fotos und Animationen.

Dann ging es in den Keller zum Kaiser von China. Das Untergeschoß wurde mit Bedacht gewählt, da ein ganz spezielles, feuchtes Raumklima erzeugt wurde. Der Rundgang führte zuerst an diversen Exponaten aus dem Leben der damaligen Zeit (ca. 200 v.Chr.) vorbei, die eine bemerkenswerte Hochkultur zeigten. Zu einer Zeit, als wir Nordeuropäer noch Wildschweine mit Keulen jagten, konnten die Chinesen schon filigrane Bronzeglocken, Armbrüste und Scharniere (!) herstellen.

Ich hatte mir einen Audioguide gegönnt, der mich an jeder Vitrine mit Wissen überhäufte. Kaiser Qin regierte nur 12 Jahre, konnte in dieser Zeit aber das chinesische Reich einen und eine gemeinsame Sprache, Währung und Verwaltungsabläufe einführen. Die Terrakotta-Figuren wurden 1976 durch Zufall von einem Bauern entdeckt, der einen neuen Brunnen graben wollte. Das Grab des ersten Kaisers (ein riesiger Erdhügel) war schon lange bekannt, aber erst seit gut 30 Jahren weiß man, dass Qin seinen gesamten Hofstaat als Terrakotta-Figuren nachbilden ließ. Die Ausgrabungen dauern immer noch an, und es sind bisher über 8000
Exemplare gefunden worden.

Der Rundgang führte im Zickzack eine Etage tiefer, und dort standen sie dann: 6 Krieger plus ein Pferd. Es gab keine Glasscheibe, und man konnte bis auf einen Meter an die Figuren heran. Der Detailreichtum dieser lebensgroßen Figuren ist bemerkenswert. Jede hat einen persönlichen Gesichtsausdruck, weshalb man annimmt, dass sie echten Personen nachempfunden sind. Ursprünglich waren alle Figuren farbenprächtig bemalt, aber nach dem Ausbuddeln in den 70er Jahren standen keine geeigneten Konservierungsmethoden zur Verfügung, und die Farbe platzte ab. Man kann aber zwei angemalte Repliken bestaunen. Das eigentliche Kaisergrab wird erst dann geöffnet, wenn es eine hundertprozentige Konservierungsmöglichkeit gibt. Da kommt es auf 50 Jahre mehr oder weniger nicht an.

Nach zweieinhalb äußerst interessanten Stunden ging es auf einem ausgedehnten Spaziergang durch Altstadt und einem koffeinhaltigen Heißgetränk wieder zum Bahnhof und dann zurück an den Bodensee.

1 Kommentar:

  1. Ja, da erkenne ich doch auch was wieder. Da wäre ich auch gerne mitgekommen.

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