Biaher schaffe ich es ganz gut, mein selbstgestecktes Ziel einzuhalten, nämlich früh ins Bett zu gehen und dann natürlich früh wieder aufzustehen. Da hat man einfach mehr vom Tag. Deshalb konnte ich heute ganz in Ruhe um 10:30 Uhr die einstündige Fahrt nach St. Gallen antreten. Die Hauptstadt des gleichnamigen Kantons hat ca. 70.000 Einwohner, ist Universitätsstadt und liegt mit 700m über dem Meeresspiegel schon recht hoch.Das Wetter zeigte sich heute von der absoluten Schokoladenseite. Blauer Himmel, Fernsicht, aber bitterkalt. In der vorangegangenen Nacht sanken die Temperaturen unter -10°C, in einigen Bergregionen unter -30°C. Aber im Gegensatz zu den USA juckt das hier niemanden. Die Bahnfahrt führte durch malerisch verschneite Felder und Dörfer; genauso stellt man sich den Winter vor.

In St. Gallen machte zunächst einen Rundgang durch die Altstadt (das kann man wörtlich nehmen!) und zum Benediktinerkloster und zur Stiftskirche St. Gallen, beides UNESCO-Weltkulturerbe. Leider war gerade Gottesdienst, also ging's weiter. Hinter der Abtei fand ich zufällig eine kleine Zahnradbahn, in die ich spontan einstieg. Es ging etwa 3 Minuten durch einen Tunnel bergauf. Oben nahm ich einen recht beliebten Wanderweg auf einem Bergkamm entlang und genoss Ausblick und Sonne.
Auf dem Rückweg in die Altstadt schaute ich mir dann die Stiftskirche von innen an. Etwas Kultur muss nun mal sein. Wirklich ein imposanter Bau, nicht unbedingt von der Größe, aber der üppigen Ausstattung. Und - ganz katholisch - gab es im Hauptschiff sagenhafte 8 (!) Beichtstühle.
Danach gab es eine Stärkung in Form von "G'Chackets mit Hörnli" (Nudeln mit Hackfleischsauce und -ja- Apfelmus) an einer Marktbude. Echt lecker! Aber das Preisniveau ist schon gewöhnungsbedürftig: Dieser Teller kostete 12 SFR, also 9,80 €. Ich bin dann mal zum Preischeck zu McDonalds gegangen. Ein Menü mit so einem großen Aktionsburger kostet 12,50 SFR, also über 10 €!! Man verdient hier zwar gutes Geld, gibt dies aber auch gleich wieder aus...
Auf meinem weiteren Weg durch die Innenstadt machte ich dann direkte Bekanntschaft mit einem uns Norddeutschen völlig unbekannten Ereignis: Fastnacht! Getreu unserem Motto: "Wo wir sind, ist vorne" fand natürlich heute der große Fastnachtsumzug in St. Gallen statt. Und ich mittendrin.
Der Umzug bestand aus 50 Gruppen und führte quer durch die Stadt. Das Warm-Up der Bands hatte ich schon oben auf dem Berg gehört. Wie beschreibe ich das jetzt am besten? Zunächst mal treten immer Gruppen in jeweils einheitlichen, aber sehr unterschiedlichen Stilrichtungen an. Von Hexen, Gorillas, Monstern und sonstigen Fantasiekostümen ist alles dabei.
Jede zweite Gruppe ist ein Spielmannszug, die aber schmissige und teils aktuelle Musik spielen. Dazwischen fahren auch Umzugswagen unterschiedlichster Coleur mit. Süssigkeiten werden kaum geworfen, dafür tonnenweise Konfetti. Dies wird teils mit Luftdruckkanonen bis auf die Häuserbalkone geballert und zum anderen den Leuten händeweise in den Kragen gestopft. Mich hat's auch erwischt. Die Reste habe ich zuhause aus der Unterhose geschüttelt. Besonders für die Kinder war das eine Riesengaudi. Über eineinhalb Stunden dauerte der Aufmarsch. Danach war ich durchgefroren und bin zurückgefahren.
Und jetzt habe ich einen leichten Sonnenbrand im Gesicht.


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