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Samstag, 23. März 2013

Besuch im Rolls-Royce-Museum


Vor zwei Wochen erhielt ich per E-Mail eine Einladung zu einer IBM-Roadshow, also im Prinzip einer Werbeverkaufsveranstaltung für Softwareprodukte und angegliederte Dienstleistungen. Die Teilnahme war kostenlos, und die Themen interessierten mich durchaus sehr. Da noch eine lecker Mittagessen ausgelobt wurde, war die Sache klar und das OK meines Chefs eine Formsache.

Der Veranstaltungsort lag gemäß der Einladung an Rande der österreichischen Stadt Dornbirn, was etwa 50 km Landstraße bedeutete. Normalerweise bin hier ja überzeugter Bahnfahrer, aber die Anreise dorthin hätte neben 2x Umsteigen auch eine längere Taxifahrt bedeutet, weshalb ich mir über die Firma einen Mietwagen buchen ließ. Die für mich nächstgelegene Station vom Vermieter mit der orangefarbenen Werbung ist in Konstanz. Das war schon mal ein Akt, dort einen Wagen ohne deutschen Wohnsitz zu mieten. Pünktlich um 8 Uhr stand ich dort auf der Matte. Und ich erlebte das bei wirklich allen Autovermietungen gleiche Trauerspiel:
Selbst wenn man online ALLE Daten eingegeben hat, dauert die Vertragsausfertigung 15 Minuten, in denen man ein halbes Dutzend Dokumente und Karten vorlegen muss. Dafür gab's einen Nissan Qashqai zum Preis eines Golfs.

Ehrlich gesagt hätte ich aber lieber den Golf genommen, denn das eingebaute Navi machte mich auf der Hinfahrt total fertig. Ohne Besitz einer Mautplakette hatte ich natürlich die Optionen "Mautstraßen vermeiden" und Autobahnen vermeiden" aktiviert. Trotzdem wollte die dumme Uschi mich partout auf die A1 schicken und ließ sich davon auch nach zweimaligem Neustart nicht abhalten. Glücklicherweise kannte ich den Weg grob. Erst die Option "kürzeste Route" brachte Besserung, wenngleich nun das andere Extrem stattfand - ich wurde über Neben- und Seitenstraßen gelotst und hatte zeitweilig keine Hoffnung, irgendwo anzukommen. Aber wie durch ein Wunder traf ich drei Minuten vor Veranstaltungsbeginn in Dornbirn ein.



Die Veranstaltung fand in einem separaten Raum mitten im Rolls-Royce-Museum statt. Dieses ist das nach eigenen Angaben größte der Welt. Am Nachmittag erhielten alle Teilnehmer zum Abschluß eine Führung durch das Gebäude. Der Vater des heutigen Besitzers hat vor über 40 Jahren angefangen, als private Leidenschaft alte Rolls-Royce (Baujahr < 1950) zu sammeln. Zunächst wurden diese im Garten, in der Garage und schließlich im leeren Swimmingpool gelagert. Vor gut 10 Jahren hat er dann eine leerstehende Textilfabrik in den Bergen oberhalb Dornbirns gekauft und das Museum eröffnet. Es stehen dort nicht bloß irgendwelche Oldtimer herum, sondern wahre Schätze, zum Beispiel der Safariwagen von King George V, das Auto von Queen Mum oder der Wagen von General Franco. Der Besitzer hat die Technik und Geschichte mit einer solchen Leidenschaft erzählt, dass man einfach mitgerissen war.

Die Fahrzeugen dieser Ära galten ohne Einschränkungen als die besten der Welt. Es wurde nur das technisch Perfekte verbaut. Die Motoren laufen so leise, dass man eine Münze hochkant auf den Motorblock stellen kann und sie nicht umfällt. Und das bei 8 Liter Hubraum ! Von Henry Royce stammt der Satz: "After the price is forgotten quality endures". Allen Rolls-Royce ist bis heute gemein, dass zwei Dinge unbekannt sind: Die PS-Zahl ("immer genügend") und der Spritverbrauch.


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