Jahrelang hat der Stadtteil drauf hin gefiebert. Es wurde
abgerissen, saniert, gebaut. Auch in den vergangenen Jahren gab es schon immer
mal wieder Events und Aktionen, die auf eines der großen Ereignisse 2013
hinwiesen. Nach und nach hat sich Hamburg-Wilhelmsburg verändert und ist teilweise
gar nicht mehr wieder zu erkennen.
Und an diesem Wochenende ist es nun soweit: die iba
(Internationale Bauaustellung) öffnet ihre Türen. Am Samstag um 17 Uhr gab es
eine große Veranstaltung mit dem Bürgermeister, Musik und Tamtam.
Bis zum 03. November wird es nun Veranstaltungen, Touren und
Ausstellungen geben, die das Bauen und Wohnen der Zukunft zeigen sollen.
Witzigerweise gab es immer wieder Anknüpfungspunkte zur
Schweiz, denn der sternförmige Park, der in der Mitte der Bauprojekte bereits
teilweise fertig gestellt ist, wurde von einem zürcher Architekten entworfen. Und
auch die Inspiration für das Bauprojekt namens „Boathouse“ - ein Wohnhaus auf
Stelzen mit Garagen nicht nur für PKWs sondern auch für Boote – kommt aus der
Schweiz (hat ein Architekt beim Zürisee gesehen und dort abgeschaut).
Es ergaben sich angeregte Diskussionen über die Wohnqualität
in den Neubauten, denn es handelt sich auf der Schlossinsel um ein Gebiet, das
früher zum Hafen gehörte und 2010 aus dem Hafengebiet herausgelöst wurde.
Einige Grundstücke wurden von privaten Investoren gekauft und werden nun mit
Wohnhäusern bebaut. Etlicher Grund und Boden befindet sich aber noch im Besitz
der Hamburg Port Authority oder kleinen und mittleren Betrieben. Diese bleiben
auch erst einmal da und verbreiten ein Flair, das man schon mögen muss. Auch
kann es nicht ausgeschlossen werden, dass die Betriebe ein gewisses Maß an Lärm
verursachen. Über diese Dinge sollte man sich im Klaren sein, wenn man
anstrebt, hier zu wohnen. Wenn man nun mal einen Blick auf die Preise wirft,
die hier für den Wohnraum aufgerufen werden, dann frage ich mich schon seit
Jahren, wer denn hier wohnen soll. Macht Euch ein eigenes Bild. Dies sind die 3
Wohnprojekte der ersten Phase:
Marina auf der Schlossinsel (formerly known as Balance Bay)
Inselleben (keine eigene Homepage)
| Marina auf der Schlossinsel |
Geplant ist, dass die Insel sich weiter entwickeln soll. Die
Betriebe sollen langfristig verschwinden und Platz machen für weitere
Wohnhäuser. Angestrebt ist es, irgendwann wieder eine sternförmige Bebauung zu
haben, wie es früher das Harburger Schloss (früherer Name lautet Horeburg =
Sumpfburg) gewesen ist. Das ist aber Zukunftsmusik und liegt noch in weiter
Ferne.
Obwohl hier noch alles matschig, provisorisch und im Bau
ist, sind bereits Anfang 2013 die ersten Bewohner in die Marina eingezogen. Das
muss man echt wollen. Wenn ich mir angucke, wie meine Schuhe nach diesem
Ausflug aussahen … naja.
Aber ein großer Teil der 162 Wohnungen hier ist immer noch
frei. Daher gibt es regelmäßig Besichtigungen. Auch meine Gruppe begab sich
spontan in eine Wohnung im Haus „Marin“. Sehr tolles Parkett, bodentiefe
Fenster und ein Wahnsinnsausblick von der Loggia auf den Binnenhafen
(allerdings nur auf der einen Seite; auf der anderen Seite der Eckwohnung blickt
man auf den schrottigen Lagerplatz eines Wasserbauunternehmens). Eine nette
Wohnung, aber mit 2.290,- € Kaltmiete im Monat für 142 qm (3 Zimmer) für den Harburger
an sich völlig uninteressant.
Nach der Besichtigung löste sich die Gruppe langsam auf. Einige
wollten noch weitere Wohnungen ansehen, andere strebten zurück zum Lotseplatz
und wieder andere stärkten sich im Café. Ja, die Marina bekommt ein eigenes Café
(ein Ableger hiervon), das noch längst nicht fertig ist, aber trotzdem heute
schon einmal eine provisorische Eröffnung feierte mit gegrillten Würsten,
Glühwein und Kuchen.
Papa, das ist die ideale Kombi für Dich: Baustelle und Café; ich werde das mal
beobachten, wann die richtig aufmachen.
Ich gehörte zu denen, die langsam wieder zum Lotsplatz
trotteten, wo die Führung gestartet war. Hier befindet sich der „Zug der Ideen“,
eine Reihe von Containern, die über Eck wie Bahnabteile hintereinander stehen
und innen Infos zu diversen Themen wie Energieversorgung, Nachhaltigkeit,
CO2-Footprint, Artenvielfalt und allerlei mehr geben.
| Zug der Ideen; Lotseplatz |
Als ich auch dort durch war, machte ich mich auf den Weg zum
Phoenix-Center, denn heute war verkaufsoffener Sonntag und ich wollte noch ein
bisschen bummeln. Dumme Idee, denn dort waren noch viel mehr Menschen als ich
sowieso schon erwartet hatte. Also gab es für mich nur ein Heißgetränk auf die
Hand und dann stellte ich mich in eine Ecke und beobachtete das Treiben.
Der Rückweg nach Hause führte mich an dem zweiten Teil
meines iba-Tages vorbei. Das iba-Schaufenster im Gloria-Tunnel war allerdings
nicht besonders aufregend. Es gab dort lediglich Tafeln mit allgemeinen Infos,
die mir keine neuen Erkenntnisse brachten, also sah ich zu, dass ich nach Hause
kam.
Ich werde auf jeden Fall noch eine Reihe weiterer Führungen
im Rahmen der iba mitmachen, denn das war heute sehr interessant.
Am 26. April beginnt dann das nächste Großereignis in Wilhelmsburg, die igs
(Internationale Gartenschau). Dafür muss sich aber das Wetter noch um einiges
bessern, denn das Motto heißt schließlich „In 80 Gärten um die Welt“ und nicht „Im
Tiefschnee durch die Polarregionen“.
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