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Donnerstag, 25. Juli 2013

Wir haben jetzt ein Schweizerauto

Wenn man in die Schweiz auswandert, stehen einem viele Behördengänge bevor. Man muss hierhin und dies beantragen und dorthin und das ändern lassen.
Eines dieser Dinge ist, dass man sein Auto ummelden muss. Wir sind ja mit unserem deutschen Kennzeichen eingereist und die letzten Wochen auch damit herum gefahren. Das Auto musste beim Zoll als Umzugsgut gemeldet werden, und dann bekamen wir einen Zettel ausgehändigt, der immer mitgeführt werden musste. Man darf nämlich eigentlich - wenn man seinen Wohnsitz in der Schweiz hat - nicht mit deutschen Kennzeichen fahren. Aber beim Straßenverkehrsamt läuft nix ohne Termin, und den muss man erst mal bekommen. Somit diente der Zettel nun als Nachweis, dass wir uns ordnungsgemäß verhalten haben.

Glücklicherweise war sowieso eine Inspektion fällig, so dass wir den Wagen in der Werkstatt nochmal auf Herz und Nieren haben prüfen lassen. Ein Durchfallen durch die Fahrzeugprüfung ist nämlich nicht nur ärgerlich, sondern auch teuer.

Am Mittwoch morgens fuhren wir noch schnell in der Werkstatt vorbei und ließen uns die neuen Kennzeichenhalter anschrauben. Die haben nämlich ein anderes Maß als in Deutschland und mussten daher neu.
Dann fuhren wir zum Straßenverkehrsamt und wurden nach 2 Minuten freundlich von einem jungen Mann begrüßt, der Nils mit dem Auto sogleich in die Prüfungsbahn lotste und Befehle gab "Blinker links, Blinker rechts, Nebelscheinwerfer, ...." und so weiter.

Bei einer TÜV-Inspektion war ich noch nie dabei, aber ich war total beeindruckt, was die hier alles prüfen. Da wurde jeder Gurt kurz angezogen, jeder Scheibenwischer kontrolliert, von oben und unten alles akribisch durchgesehen. Zum Schluss noch eine kurze Probefahrt, und unser Auto hatte bestanden.

Am Schalter kümmerten wir uns um die Formalitäten. Aus einer Kiste mit alten Filmdosen (so kleine vom Fotoapparat) durfte ich eine Dose ziehen, und darin verbarg sich unser neues Kennzeichen.
Bei den Ämtern hier bin ich ja immer total erstaunt. Da ich die unfreundlichen und gelangweilten Tussis von den Behörden in Hamburg gewohnt bin, bin ich immer leicht auf Krawall gebürstet, wenn ich hier zu den offiziellen Stellen gehen muss. Und dann bin ich regelmäßig vollkommen geplättet von der Freundlichkeit und Flexibilität, die mir da entgegen kommt.
Ein Nachweis fehlt? Kein Problem, schicken Sie mir den zu, dann kriegen wir das schon hin.
Per Post? Nee, Sie können auch gerne per E-Mail schicken, dann geht es schneller für Sie.

E-Mail ???? Bei Behörden??? Ich fasse es nicht. Und als ich dann meine Mail geschickt hatte, kam nach 27 Minuten die Antwort, dass alles klar sei und meine Bescheinigung in der Post.

So, jetzt sind wir also vom Auto her Schweizer, und ich bin immer noch traurig, dass ich mein schönes Hamburger Wunschkennzeichen abgeben musste.  *schnief*

Zum ersten Mal .....

..... Besuch bei uns.

Am Dienstag waren R., C. und L. bei uns. Sie machen ihren Urlaub im Schwarzwald und haben bei uns vorbei geguckt. Wir haben bei tollstem Wetter draußen gesessen und gegrillt.
Und wir haben berichtet, wie wenig Wind es in der Gegend gibt und wie schön so eine Brise mal wäre.
Wie auf's Stichwort wurde es windiger; teilweise schon etwas doller. Dann kamen die ersten Tropfen, und plötzlich konnten wir nur noch alle unsere Sachen in Sicherheit bringen und nach drinnen flüchten. Es gab ordentlich Regen und Gewitter, auch den ganzen Tag danach noch. Abgekühlt ist es aber nicht besonders.

Nachts in der Notaufnahme und nachmittags am See

Da saßen wir nun am Samstagabend, hatten den Grill angefeuert und warteten darauf, dass die Würste gar waren. Das Grillgemüse und das Brot schmeckten schon mal hervorragend, nur das restliche Grillgut ließ eben noch ein wenig auf sich warten.
Um die Glut etwas anzufachen, hockte sich Nils vor den Grill und blies mit dem Mund Luft hinein. Bis zu einem gewissen Punkt funktionierte das auch ganz gut, aber dann übertrieb er es. Die Aschepartikel und kleine Stückchen der Glut wirbelten auf und flogen durch die Luft. Ein kleines Stück glühende Kohle traf ihn am Auge. --> Panik !!!
Nils rannte sofort ins Badezimmer, wusch sich das Auge aus, und ich gab ihm etwas zum Kühlen. Über und unter dem Auge bildete sich eine Brandblase, auf der Hornhaut des Auges konnte ich im Licht ebenfalls eine kleine Läsion erkennen.
Wir packten also unseren Kram zusammen und machten uns daran, das Krankenversorgungssystem der Schweiz anzutesten. Zunächst ruft man die Krankenversicherung an und meldet, dass man vorhat, einen Arzt aufzusuchen. Da es Samstag war, guckten die gleich in ihre Notfallisten und rieten uns, nach St. Gallen ins Krankenhaus zu fahren, weil die dort eine Augenklinik mit Notaufnahme haben.
Also los ins Auto, auf die Autobahn und ab die Post .... soweit das hier geht, denn bei 120 ist hier Schluss; mehr ist nicht erlaubt. Nils kühlte weiter sein Auge und ich versuchte, den Weg und dann einen Parkplatz zu finden.
Angekommen in der Notaufnahme gesellten wir uns zu den Humpelnden und Verbundenen. Man muss kurz warten, wird dann aufgerufen und berichtet dann, was passiert ist.
Ich bekam einen Besucherausweis, Nils hatte die Hände voll mit Formularen, Zetteln und jeder Menge Etiketten mit seinen Daten drauf. Das drucken die alles ganz zu Anfang aus und dann kommt einfach auf jedes Probenröhrchen oder jedes Stück Papier ein Etikett. Da braucht man weniger mit der Hand ausfüllen.
Nach kurzem Warten wurden wir aufgerufen, und eine junge Dame nahm uns mit durch die Schiebetür. Das war aber falscher Alarm, denn eine andere Frau fing uns ab, bat uns, nochmals Platz zu nehmen und schob uns wieder hinaus.
Nach nochmaligem Warten kam dann wieder eine andere Frau, die uns dann in eine völlig andere Richtung mitnahm. Dort wieder kurz warten und dann durfte Nils in das Behandlungszimmer. Gut, dass ich mir ein Buch mitgenommen hatte, da wurde es nicht so langweilig.
Irgendwann stand dann ein Arzt da und fragte, ob jemand die Begleitung sei von einem Herrn, der sich am Auge verbrannt hat. Mir rutschte das Herz in die Hose, als ich mich zu erkennen gab. Oh Gott, was konnte da denn passiert sein? Mit mulmigem Gefühl ging ich in das Zimmer, das mir gezeigt wurde, und da saß Nils quietschfidel auf dem Stuhl. Das Auge hatte man ihm mit einer Salbe betäubt und ihn gründlich untersucht. Mich hatte man gerufen, um ihm die Wartezeit zu vertreiben, solange der Arzt noch Medikamente zusammen suchte. Puuhh, da war ich aber ganz schön froh. Ich hatte schon mit schlimmen Dingen gerechnet.
Es dauerte tatsächlich eine ganze Weile, bis der Arzt wieder zurück war. Im Gepäck hatte er eine Assistentin, die nach seiner Anweisung einen Augenverband anlegte und mir erklärte, welche Salbe wie oft und wie und wo aufgetragen werden muss.
Mit 3 Tuben und einem Nachsorgetermin am nächsten Tag konnten wir dann die Klinik verlassen.

Zuhause trug ich dann - wie vorgegeben - die Salben auf, machte Nils den Verband wieder dran und dann waren wir auch echt müde und kaputt. Es war fast 1 Uhr.

Gleich am nächsten Tag sollte Nils nochmal zur Nachsorge ins Krankenhaus kommen. Wir frühstückten, tüftelten einen Plan aus, wie Nils am besten duschen kann, ohne seinen Verband zu beschädigen oder Bakterien in die Augen zu bekommen, machten uns fertig und dann auf den Weg nach St. Gallen. Es war wieder schön sonnig und warm. Eigentlich hatten wir vor, im See schwimmen zu gehen, aber das geht ja mit einer Augenverletzung nicht so gut. Trotzdem planten wir, auf dem Rückweg irgendwo anzuhalten und ein bisschen Zeit am Wasser zu verbringen.
Die Augenklinik befindet sich im 17. Stock eines der Klinikgebäude. Oben angekommen teilte uns ein Schild mit, für Nachsorgetermine solle man sich doch bitte im 12. Stock einfinden. Das war ein bisschen so wie bei Asterix "das Haus, das verrückt macht".
Im 12. Stock warteten schon ein paar Leute, da gesellten wir uns einfach dazu. Man hatte uns gesagt, wir sollen uns auf Wartezeit einstellen, es werde viel los sein. Nach nicht einmal einer halben Stunde war Nils dran und nach 10 Minuten auch schon wieder raus. Den Verband durfte er abnehmen; eine Salbe darf er zukünftig weglassen, dafür hat er noch eine andere Salbe dazu bekommen.

Wir fuhren in Romanshorn ans Wasser, suchten uns ein Plätzchen im Schatten, wo man einigermaßen auf den Steinen sitzen konnte und beobachteten das Treiben auf dem See. Viele Segelboote waren unterwegs; der Zeppelin vom Museum in Friedrichshafen drehte seine Runden und an den Ufern hüpften überall die Leute ins Wasser auf der Suche nach einer Erfrischung.
Zumindest meine Füße wollte ich auch ins Wasser halten. Den Plan gab ich aber schnell auf, als ich auf den steilen Steinen kaum Halt finden konnte. Schließlich wollte ich nicht die Nächste in der Notaufnahme sein.

Als es uns zu warm wurde, brachen wir auf, um zuhause die neu gekauten Sonnenliegen aufzubauen. Das wurde dann noch zu einem großen Ärgernis, das bislang noch nicht behoben ist. Vielleicht erzähle ich das ein anderes Mal.

Mittwoch, 17. Juli 2013

Very british, my Dear !

Mein neuer Job erfordert aufgrund seiner konzernweiten Ausrichtung auch wieder die eine oder andere Dienstreise. Bisher beschränkten sich diese auf innerdeutsche Ziele; nun gibt es Werke in Deutschland, Tschechien, Italien und in England.

Genau da bin ich nun.

Am Dienstagabend ging es mit der SWISS bei glühender Hitze auf die Insel nach Birmingham. Nur um dort festzustellen, dass es im Königreich noch heißer ist. Die Temperaturen liegen tagsüber bei über 30 Grad.
Von Birmingham ging es dann mit dem Mietwagen nach Stratford-upon-Avon.

Bei Ankunft im Hotel dachte ich, mich im Hotelzimmer wieder abkühlen zu können. Leider besitzt dieses 4-Sterne-Hotel keine Klimaanlage in den Zimmern ! Nach kleineren Umbauten (Decke raus, Ventilator vor's Bett) wurde die Nacht doch recht angenehm. Offenbar bin ich durch meine Dachbutze einigermaßen abgehärtet. Die nächste Überraschung wartete dann am nächsten Morgen auf mich - das Heißwasser in der Dusche war alles, nur nicht heiß. Es schwankte zwischen lauwarm und eiskalt. Wer braucht da noch Kaffee ?

Am heutigen Abend gab es zunächst etwas Kultur, denn in Stratford-upon-Avon steht das mutmaßliche Geburtshaus William Shakespeares. Das schauten wir uns von außen an. Danach gingen wir in das Rooftop-Restaurant im Royal Shakespeare Theatre. Hier wurden ein toller Ausblick kombiniert mit wunderbarem Essen. Lecker !

Morgen Abend geht es dann nach getaner Arbeit zurück in die Schweiz.

Dienstag, 16. Juli 2013

Sonnenuntergang ....

.... hier ist der Blick von unserer Terrasse:




Zum ersten Mal .....

Wenn man so eine große Veränderung in seinem Leben hat, dann gehen damit ja viele Dinge einher, die man zum ersten Mal macht, z.B. das erste Frühstück in der neuen Wohnung, der erste Arbeitstag in der neuen Firma, der erste Kontakt mit den Einheimischen, ... was auch immer. Diese Liste kann noch endlos weiter fortgesetzt werden. Nun sind diese Dinge sicherlich für denjenigen, der sie erlebt, einschneidende Erlebnisse, aber für die breite Masse eher uninteressant, daher möchte ich mich hier auch nicht unendlich lange ausbreiten. Einige Meilensteine möchte ich aber doch gerne mit Euch teilen. Also, zum ersten Mal ....

... in der neuen Wohnung geschlafen:

Ich sagte es bereits:  In der ersten Nacht kamen wir um 2 Uhr morgens bei der neuen Adresse an und hatten eine 8,5-stündige Autofahrt hinter uns. Nach dem Zähneputzen legten wir unsere Häupter auf der Luftmatratze nieder. Eine andere Schlafgelegenheit hatten wir ja nicht, denn unser Bett war noch irgendwo zwischen Hamburg und Bodensee im LKW unterwegs.
Und dann lagen wir da - todmüde - und konnten nicht einschlafen. Ob es die vielen Eindrücke der letzten Tage waren oder die Sorge um das Umzugsgut und darum, ob alles gut gehen würde in der Zukunft? Ich weiß es nicht. An äußeren Faktoren kann es jedenfalls nicht gelegen haben. Es war mucksmäuschenstill, nur die Kirchturmuhr in der Nähe hat alle 15 Minuten gegongt.
Irgendwann forderten die Anstrengungen und der Stress dann doch ihren Tribut und wir schliefen ein. Und wir schliefen gut!

... auf der Terrasse gegessen:

Erstes Abendessen auf der Terrasse.
Wer unsere bisherigen Wohnungen kennt, der weiß, dass es für uns bislang keine nennenswerte Möglichkeit gab, draußen zu sitzen oder geschweige denn zu essen. Die Wohnungen 1 und 2 hatten gar keinen Balkon. Wohnung 3 (die letzte) hatte einen Balkon, aber der ging vom Schlafzimmer ab und war so elendig klein, dass er niemals zum Essen ausgereicht hätte. Außerdem war der in so einem jämmerlichen Zustand, dass es eh kein Vergnügen gewesen wäre dort zu sitzen.

Da wir beide im Einfamilienhaus groß geworden sind, kennen wir es aus der Kindheit / Jugend, dass man bei schönem Wetter draußen sitzt und viele Tätigkeiten einfach nach draußen auf die Terrasse verlagert.
So war da über die Jahre immer dieses nagende Verlangen nach einer Terrasse oder wenigstens einem schönen Balkon, damit man im Sommer nicht mit tausenden weiteren Hamburgern den Stadtpark oder die Außenalster belagern muss, sondern in seiner eigenen Privatsphäre das Wetter genießen kann.
Und nun in Wohnung 4 haben wir genau das, wovon wir seit Jahren träumen: eine Dachterrasse; u-förmig, 60 qm, Südausrichtung. Da knallt die Sonne so drauf, dass man sich fast schon darüber beschweren könnte, dass es zu sonnig ist, aber wer will das schon?
Es ist wirklich wunderschön, allerdings sind es 60 qm, die auch ansprechend möbliert werden wollen. Da wir wie gesagt noch nie das Vergnügen eines eigenen nutzbaren Balkons hatten, besaßen wir auch gar keine Garten-, Balkon- oder Terrassenmöbel. Da musste Abhilfe geschaffen werden!
Die stolzen Bewohner.
In Hamburg hatte ich bereits sehr schicke Möbel gesehen: ein Set aus 1 Tisch und 2 Bänken aus Plastik, aber in der Optik von Rattan mit Holz. Eigentlich bin ich kein Fan von Plastikmöbeln, aber diese sahen wirklich super aus. Leider waren die nicht zerlegbar. Der "Rattan"-Teil war so riesig, dass wir den nicht mit dem Auto hätten transportieren können. Und Lieferung wäre zu teuer gewesen. Also verabschiedete ich mich in Gedanken von dieser tollen Kombi, behielt sie aber immer im Hinterkopf und verglich alle weiteren Möbel immer damit.
Nach viel Schauen und Kopfschütteln wagten wir einen Versuch beim örtlichen Baumarkt der Kette co'op. Von den Prospekten her hatte ich keine großen Hoffnungen, aber gucken konnte ja nicht schaden. Und siehe da: schon sehr schnell fand ich eine Tischkombi, die noch schöner war, als die mit Rattan. Diese hat auch die Plastik-Tischfläche in Holzoptik, Seitenteile und Beine sind aber aus gebürstetem Aluminium, und das sieht noch schicker aus als das "Rattan". Super, da haben wir gleich zugeschlagen; 1 Tisch, 1 Bank und 2 Stühle verschwanden in unserem Kofferraum, und Nils hatte seine Freude dabei, alles aufzubauen. Später kauften wir noch 2 Stühle nach.
Leider machte uns zu Anfang das Wetter einen Strich durch die Rechnung, aber endlich kam der Tag, an dem wir abends draußen essen konnten. Es war eine wahre Freude, auch wenn das Essen eher einfach war. Aber wer braucht ein 3-Gänge-Menü, wenn er endlich den Essplatz seiner Träume hat?
Und weil es so schön war, gab es gleich am nächsten Tag auch das Frühstück draußen.



... selbst gegrillt:

Der Schweizer sagt übrigens "grillieren".
Grillen ... noch so ein Thema. Wir grillen beide sehr gerne, aber aufgrund der unzureichenden eigenen Möglichkeiten waren wir immer darauf angewiesen, uns irgendwo zum Grillen einladen zu lassen. Unter Kollegen und Freunden war das schon ein running gag, wenn das Wetter schön wurde und alle sich gegenseitig vorschwärmten, wie viel und wie oft sie am Wochenende gegrillt hatten. Wir saßen immer daneben und zogen eine Schnute. Doch die Tage des Darbens und Wartens sind vorbei.
Unsere Freunde A. und T. verzichteten freundlicherweise darauf, uns zum Abschied einen Schneeschieber zu schenken und besannen sich doch lieber auf etwas, das wirklich Freude macht. T., damit will ich nicht sagen, dass ich mich über die vorher geschenkten Schneeketten nicht gefreut habe, aber man will diese Dinge ja dann doch irgendwie nicht wahr haben.

Am Samstag waren wir in einem Hofladen hier im Ort und haben uns Fleisch und Würste gekauft. Puh, bei den Preisen für Fleisch und Fleischprodukte kann man Grillen als wirklichen Luxus bezeichnen. Gut, dass wir eh nicht viel Fleisch essen. Und dann machte sich Nils daran, den Grill zusammen zu schrauben. Er fluchte und schimpfte vor sich hin, schraubte etwas auseinander und anders wieder zusammen und kam dann zu dem Schluss, dass das jetzt erst mal so geht, aber irgendwas an dem Grill nicht so ist, wie es gehört (das Gestänge für die Räder zu kurz oder so).  
Die Grillkohle, die wir besorgt hatten, war etwas fein, so dass ein großer Teil davon gleich durch das Rost durchfiel, das eigentlich die Kohle vom Aschebehälter fern halten soll. Das Anzünden klappte auf Anhieb, und dann mussten wir ja nur noch warten, bis alles soweit war, dass wir die Köstlichkeiten auflegen konnten.
Nils legte Fleisch, Wurst und Gemüsespieße auf und die in Alufolie gewickelten Kartoffeln in die Glut. Dazu gab es Salat und ein paar Saucen. Boah, und dann war das sooooo lecker! Alles perfekt auf den Punkt genau gegart, nix angebrannt und das Fleisch medium, genau so, wie es sein soll. Ein Genuss!!
Nur der Wind machte uns etwas zu schaffen, denn der kam aus mehreren Richtungen und wirbelte den Rauch immer genau in unsere Richtung. Da müssen wir sicherlich noch ein wenig experimentieren, aber das kriegen wir auch noch hin.


... Gemüse selbst gepflanzt:

Ein wenig Gartenerfahrung haben wir (vor allem Nils) ja schon aus unserer Kindheit und aus dem letzten Jahr, als Nils sein Stückchen vom Bioacker gepachtet hatte. Da kein Gemüse der Welt besser schmeckt, als das, was man selbst gehegt und gepflegt und dann geerntet hat, wollen wir die schiere Größe der Terrasse auch dafür nutzen, einen kleinen Gemüsegarten anzulegen.

Für's Selbstaussäen sind wir leider zeitlich schon etwas zu fortgeschritten für dieses Jahr, aber man kann sich hervorragend mit Setzlingen eindecken und diese zarten Pflänzchen dann groß ziehen.
Um uns beraten zu lassen, fuhren wir auf die Reichenau. Das ist die Gemüseinsel hier in der Gegend, dort reiht sich Plantage an Plantage und Hof an Hof. Ebenso gibt es dort super Möglichkeiten, Gemüse und Pflanzen zu erwerben. Leider waren wir etwas knapp dran, denn es war schon nicht mehr viel Zeit bis zum Feierabend. Trotzdem bekamen wir Hilfe von einer sehr kompetenten Frau, die uns genau sagen konnte, welche Sorten für unsere sehr sonnige Terrasse geeignet sind und welche es lieber schattig mögen.
Wie es der Zufall so wollte, ist diese Frau gelernte Landschaftsarchitektin und hat jahrelang für eine Firma gearbeitet, die Terrassen gestaltet und plant. Sogleich trugen wir ihr auch unsere Vorstellungen für die restliche Terrassenfläche vor. Auch hier hat sie uns wertvolle Tipps gegeben. Klasse!
Mit Salaten, Wirsing- und Rotkohl und einer Auberginenpflanze im Gepäck fuhren wir zurück zur Wohnung. Dort suchten wir unseren alten Gartenkram heraus, der sich über die Jahre angesammelt hatte. Uralte Beutel mit Pflanzerde und Tonkugeln kamen da zum Vorschein. Der Ton kam in unsere Gefässe, die Erde wanderte in den Müll. Nach Jahren im Keller kann da sicherlich nichts mehr drin gedeihen.
Neu gekaufte Erde wanderte in die Töpfe und Kisten und die Pflanzen schön da rein. Von meinen Kollegen habe ich etliche Beutel mit Blumensamen zum Abschied bekommen. Leider sollen davon die meisten im April/Mai ausgesät werden. 2 Sorten können aber bis August ausgebracht werden, und auch die haben wir in die Töpfe gegeben.
Das Ganze wurde dann noch etwas gesprengt mit dem neuen Spiralschlauch, und nun warten wir mal ab, was da wohl so wächst und hoffentlich geerntet werden kann.

Dienstag, 9. Juli 2013

Züri Fäscht 2013

In der Schweiz gibt es unglaublich viele Events und Open Airs. Manchmal drängeln sich so viele Veranstaltungen an einem Wochenende, dass man die Qual der Wahl hat. So war es auch am vergangenen WE. Es gab ein großes Jodelfest, ein Fest, auf dem die Bodenseefischer ihre Fische zubereiten und anbieten und das Züri Fäscht. Das das Letztere nur alle 3 Jahre stattfindet, entschieden wir uns dafür, dort hin zu fahren, auch wenn es die weiteste Anreise erforderte. Es ist das größte Fest der Schweiz und findet an 2 Ufern des Zürisees statt. Es wurden 2 Mio. Besucher erwartet und unserem Eindruck nach, wurde diese Marke mindestens erreicht.
Da ein Großteil der Innenstadt weiträumig abgesperrt ist, reisen viele Menschen mit öffentlichen Verkehrsmitteln an. Dafür stellt die Schweizer Bahn auch umfangreiche Sonderfahrpläne auf. Leider wurde unsere Gegend dabei nicht ganz so großzügig berücksichtigt. Da wir das Feuerwerk sehen wollten, war klar, dass wir nachts nach Hause fahren mussten, und da war es eher mau mit den Verbindungen. Also fuhren wir mit dem Auto bis Winthertur und nutzten dort den Park & Ride Parkplatz.
Das Timing war eng aber ausreichend, und so saßen wir in der kaum ausgelasteten Bahn Richtung Zürich. Es gab 2 Zwischenstopps, an denen jede Menge Leute zustiegen, so dass der Waggon dann doch rappelvoll wurde. 1 Station vor dem Hauptbahnhof stiegen dann die meisten aus. Dort konnte man schon einen ersten Eindruck von dem Treiben auf dem Fäscht bekommen. Hölle, so viele Menschen, und das bei der Hitze!
Wir hatten bis Hauptbahnhof gebucht, stiegen dort aus und suchten den Bahnschalter auf, um eine Halbtax-Karte für mich zu beantragen. Eigentlich wollten wir das schon vorher machen, waren aber 5 Minuten zu spät dran; es war schon Wochenende. In der großen Stadt aber waren die Schalter noch besetzt, also konnte ich mein Anliegen los werden und eine vorläufige Karte bekommen.

Und dann stürzten wir uns in das Getümmel. So eine unglaubliche Menge an Fressbuden, und Tüdelkrambuden habe ich wirklich noch niemals irgendwo gesehen. Unterbrochen wurden die Marktstände immer wieder von Bühnen und DJ-Pulten. Aus allen Richtungen dröhnte die Musik auf einen ein und alles bunt gemischt: hier gab es psychedelische Disco-Beats, dort volkstümliche Jodelei und dann wieder die Evergreens von Bryan Adams bis ZZ Top. Dazu Essengerüche, Menschenmassen, Veranstaltungen zum Gucken und die brennende Sonne vom Himmel; das war ein wahrer Overkill an Sinneswahrnehmungen.

Da es schon früher Abend war und wir seit dem Frühstück nichts gegessen hatten, starteten wir erst mal mit einer Stärkung. Wir arbeiteten uns durch die Menschenfluten und teilten uns an verschiedenen Buden je 1 Portion Raclette, Calamari und St. Galler Bratwurst. Gut, dass wir genug Geld und eine große Flasche Wasser eingesteckt hatten, denn hier mal ein kurzer Einblick in das Schweizer Preisniveau:

1 Bratwurst                      ==>    7 CHF       ==>  ca. 5,60 EUR
1 Portion Raclette             ==>  10 CHF       ==>  ca. 8 EUR
1 Portion Thaicurry           ==>  12 CHF       ==>  ca. 9,60 EUR
1 Donut                            ==>    3 CHF       ==>  ca. 2,40 EUR
1 Bier  (0,5 l)                    ==>    5,50 CHF  ==>  ca. 4,40 EUR
1 Wasser, Cola, ... (0,5 l)  ==>    5 CHF       ==>  ca. 4 EUR
1 Hugo                             ==>  10 CHF       ==>  ca. 8 EUR
1 Caipi                             ==>  12 CHF       ==>  ca. 9,60 EUR

Da ist es natürlich kein Wunder, dass viele Leute - besonders die jüngeren - sich ordentlich Alkohol im Rucksack mitgebracht hatten. Überall saßen die Menschen auf jeder ebenen Fläche und ruhten sich aus, konsumierten ihre mitgebrachten Getränke und auch ein Duft von Marihuana waberte in den versteckteren Ecken durch die Luft.

Tapfer kämpften wir uns rechts der Limmat (siehe Lageplan) zum See vor und dann immer am Seeufer entlang. Hier und dort gab es mal Stellen, wo man sich wirklich minutenlang gar nicht vorwärts bewegen konnte, dann ging es aber zwischendurch auch mal wieder etwas besser.
An einer Stelle blieben wir stehen, um die Flugshow der Patrouille Suisse (Kunstflugstaffel der Schweizer Armee) zu betrachten. Die flogen da mit 9 Flugzeugen die dollsten Kunststücke ganz tief über der Stadt und dem See. Sehr beeindruckend! Anscheinend hatte es im Vorwege Diskussionen um die Tiefflüge und die damit verbundene Gefahr und Lärmbelästigung gegeben. Der Auftritt der Flugstaffel war sogar abgesagt worden. Die Kunstflieger erfreuen sich aber einer unglaublichen Beliebtheit bei der Schweizer Bevölkerung, und so hat man sich offensichtlich doch durchgerungen, die Flugshow zu genehmigen.

Wir liefen weiter immer am Seeufer entlang bis das Ende der Buden erreicht war. Um aus dem Getümmel mal heraus zu kommen, steuerten wir eine Seitenstraße an, aber da war nix zu machen: selbst die Neben- und Parallelstraßen zum Fest waren noch so voll, wie die B73 beim Altstadtfest von Otterndorf zu seiner besten Zeit, obwohl es hier keine Buden und nix gab.
Jede Fläche, auf der man sitzen konnte, war bereits belegt, jeder Mauervorsprung, jeder Poller, jede Brunnenumrandung. Nicht nur uns schmerzten die Beine.
Irgendwo fanden wir dann aber doch noch eine Treppe vor einem Firmengebäude, wo wir uns niederlassen konnten. Dort schütteten wir uns erst mal ordentlich Wasser in den Hals und verschnauften. Leider saßen dicht neben uns 3 Jugendliche, die es sich mit einer Flasche Johnny Walker, einer Flasche Cola und ein paar Joints gemütliche gemacht hatten. Egal, wir versuchten, das zu ignorieren, genauso wie die Gruppen von Menschen, die an uns vorbei ins Gebüsch gingen, um sich dort zu erleichtern.

Langsam wurde es Zeit, sich einen guten Platz für das Feuerwerk auszusuchen, daher machten wir uns wieder auf den Weg. Über Internet suchten wir heraus, wo sich die Bahn-Station befindet, an der auf unserem Hinweg so viele Leute ausgestiegen sind, und versuchten, dort in der Nähe einen Platz mit guter Sicht auf das Geschehen zu finden. Und das gelang uns sogar. Es standen zwar jede Menge Menschen vor uns, aber das Feuerwerk fand ja in der Luft statt, und dahin hatten wir freies Blickfeld ohne Bäume, Stromleitungen oder sonstiges.
Bis es endlich losging, mussten wir noch eine Dreiviertelstunde stehen, was ganz schön anstrengend war, aber dann kam wirklich eine wunderschöne Feuerwerkshow. Alles begann mit beleuchteten Fallschirmspringern, die aus Flugzeugen absprangen und auf den See heruntersegelten. Dazu Skyfall von Adele ..... Gänsehaut!
Und dann folgte ca. 25 Minuten Feuerwerk aus allen Rohren zu klassischer Musik. Von 3 schwimmenden Pontons aus wurde angefeuert, was die Pyrotechnik-Abteilung so hergab, und sogar vom Flugzeug aus wurde Feuerwerk geliefert. Sowas habe ich noch nie gesehen.
Jeweils am Freitag und am Samstag gibt es ein Feuerwerk zum Züri Fäscht, und beide gehören zu den 5 größten in Europa.

Als alles vorbei war, strömten die Mengen vom Wasser weg zu den Buden oder zu den Bahnstationen. Auch wir machten uns auf den Weg zum Bahnhof, wo wir uns wieder in einem Meer von Menschen wiederfanden. Unser Zug war voll, aber nicht überfüllt. Es gelang uns sogar, einen Sitzplatz zu ergattern. Wir mussten umsteigen und dann noch eine Station fahren. Insgesamt alles easy-peasy. Für so ein großes Event hatte ich mir das drängeliger vorgestellt, aber Nils meinte, in unsere Richtung würden eben nicht ganz so viele Leute fahren.
Außerdem darf man nicht vergessen, dass die Sause in Zürich ja noch bis 5 Uhr morgens weiter ging. Nur die Familien, die Älteren und die Schlappen (wir) fuhren schon um Mitternacht nach Hause.

Als Fazit kann man sagen, dass das Züri Fäscht eine Flut an Sinneseindrücken bietet. Es ist mit Sicherheit für jeden etwas dabei (außer für die, die gerne ihre Ruhe haben). Wenn man alles sehen will, dann braucht man auf jeden Fall die vollen 3 Tage von morgens bis abends. Das wäre dann nichts für mich, aber so für ein paar Stunden war das ein echtes Highlight, das ich sicherlich wiederholen werde, falls ich mich dann noch in der Gegend aufhalte (man weiß ja nie).

P.S. Hatte ich das gigantisch tolle Wetter erwähnt? Strahlende Sonne, blauer Himmel, keine noch so winzige Wolke am Himmel.

Montag, 8. Juli 2013

Umzug

Am Sonntag nach der Feier ging es dann gleich in die Vollen: Die Schränke wurden geplündert, Kartons gefüllt, Mülltüten auch. Was da so an Kleinkram zusammen kommt über die Jahre .... Wahnsinn! Und bei vielen Dingen konnte ich mich dann doch nicht durchringen, es wegzuschmeißen. Nach 13 Stunden Aussortieren und Packen waren wir k.o. und machten Feierabend für den Tag.

Montags ging es dann weiter. Nils machte die eine oder andere Tour zum Recyclinghof, während ich weiter Kartons packte. Langsam wurden die Schränke auch schon leerer, und der Kartonberg im Wohnzimmer wuchs. Ordentlich Platz bekamen wir, als T. kam und den Kühlschrank und die Waschmaschine abholte. Glaubt man das? Bei MyHammer kann man Leute finden, die man von jetzt auf gleich beauftragen kann. Die kommen noch am gleichen Tag vorbei und transportieren Dir Dein Zeug durch die Stadt. Und das für 60,- €. Hat mich echt gewundert.
Kurz nach T. kam noch das Pärchen, das über ebay-Kleinanzeigen unseren Geschirrspüler gekauft hatte. Die packten das Gerät kurzerhand in ihren Kombi. Prima, damit war die Küche fast leer. Mussten nur noch die Schränke ausgeräumt werden, und darum kümmerte sich dann Nils.

Den Dienstag hatten wir als Reserve vorgesehen und nicht verplant. Das war auch ganz gut so, denn den brauchten wir dringend. T. hatte noch frei, und er hatte sich angeboten, zu helfen. Er kam gleich um 08.30 Uhr nach Harburg, und dann stärkten wir uns erst beim Backhus mit einem ausgiebigen Frühstück. Dann fuhren wir zur Wohnung und legten wieder los. Nils machte in der Küche weiter, ich nahm mir das Schlafzimmer vor. Hier war bis zu dem Zeitpunkt noch nichts passiert, weil wir dieses Zimmer ja bis zum letzten Tag bewohnten. T. baute derweil in allen Zimmern die Regale und Gardinenstangen ab, die an die Wände angeschraubt waren. Danach machte er alle Löcher zu. 
Weitere Touren zum Recyclinghof folgten und auch die Schreibtischplatte sollte Ihren Weg in den Sperrmüll finden. Leider war sie so groß, dass sie nicht ins Auto gepasst hätte, auch nicht mit offener Klappe. Die Jungs versuchten, sie kaputt zu treten, aber da war nichts zu machen. Also fuhren sie beim Baumarkt vorbei und liehen sich eine Handkreissäge aus. Damit wurde die Platte in 2 Stücke geteilt, und der Transport war möglich.

Der Mittwoch war dann der große Tag des Umzugs. Die Möbelpacker waren pünktlich um 8 Uhr da, ließen sich von uns alles zeigen und legten los. Wir packten noch die letzten Kleinigkeiten zusammen, die wir bis dahin noch gebraucht hatten und dann machten wir uns auf den Weg zum Bürgeramt, um Bines Wohnsitz abzumelden. Eigentlich wollten wir uns dann gleich noch in die Wählerliste eintragen lassen, aber da war mittwochs geschlossen. Naja, dann gingen wir was frühstücken und danach zur Bank, um unsere Konten zu schließen. Bescheuert, dass man bei den meisten deutschen Banken kein Konto haben darf, wenn man keinen Wohnsitz in Deutschland hat.
Als wir zurück kamen, waren die Packer so gut wie fertig. Nur noch ein paar letzte Lampen einladen, dann war der LKW fertig befüllt, und die Truppe fuhr weiter zum nächsten Haushalt, der verladen werden sollte. Wir machten uns daran, die Wohnung in Schuss zu bringen. Das hieß staubsaugen, wischen, Badezimmer und Küche putzen, Fenster putzen und was nicht noch alles. 4 Stunden haben wir damit zugebracht. Danach wollten wir eigentlich noch kurz entspannen, aber dann haben wir noch an der Tanke den Kofferraum ausgesaugt und den Reifendruck geprüft. Unsere Zeit reichte dann noch für einen Snack bei Pizza Hut, und dann mussten wir schon zurück zur Wohnung.
Es folgte der Termin mit unserem Vermieter, zu dem wir M., S. und T. gebeten hatten, als Zeugen dabei zu sein. Nach ca. 1 Stunde waren wir durch damit. Nun kam noch die allerletzte Verabschiedung von den Mädels und dann fuhren wir mit T. nach Niedersachsen. Mama hatte Frikadellen und Nudelsalat gemacht. Lecker! Todmüde sanken wir ins Bett und schliefen schnell ein.

Am Donnerstag war dann Hochzeitstag von F. und M.. Wir wollten gar nicht aufstehen, so kaputt waren wir von den vorherigen Tagen. Aber es nützte ja nichts; also machten wir uns fertig, frühstückten und dann ging es los. Ich guckte zuerst noch bei F. vorbei, der sich bei sich zuhause fertig machte. Am Tag vorher war er noch ziemlich cool, aber jetzt merkte man ihm schon die Aufregung an. Die Überraschung für das Brautpaar war, dass sie nicht etwa dern Mercedes der Tante als Brautwagen hatten, sondern einen tollen BMW-Oldtimer. Das war wirklich gelungen; F.s Augen strahlten, als er den Wagen sah. 
Nils war zwischenzeitlich auch schon da, und wir fuhren dann zu M.s Eltern, wo die Braut wartete. Und auch sie war sehr aufgeregt, was man ja verstehen kann.
Im Konvoi ging es dann zum Standesamt, wo die Trauung vollzogen wurde. Im Anschluss wurde angestoßen. Draußen warteten jede Menge Freunde und Kollegen, und das Brautpaar ließ sich ausgiebig feiern. Zum Essen fuhren wir dann noch eine ganze Strecke über Land. Hinter uns bildete sich eine riesige Autoschlange, weil der Brautwagen mit dem Blumenschmuck nur 50 fahren durfte. Als wir dann endlich abbogen, machten sicherlich einige Autofahrer hinter uns 3 Kreuze, dass sie nun endlich wieder freie Fahrt hatten.
In dem Lokal, dass sich die beiden ausgesucht hatten, gab es Speis und Trank und fröhliches Beisammensein. Wir haben viele nette Menschen kennen gelernt. Eine ganz tolle Runde!
Es war so schön, dass die Zeit wie im Fluge verging. Plötzlich war es schon 17 Uhr, und wir mussten doch noch 850 km fahren. So ganz konnte ich mich noch nicht trennen, aber kurz vor 17.30 Uhr kam sowieso allgemeine Aufbruchstimmung auf, so dass auch wir uns nun an die vielen Verabschiedungen machten.

Wir fuhren also los, zuerst über die Dörfer, dann irgendwann auf die Autobahn. Nach 2 Stunden machten wir eine Essenspause; die nächsten 3 Stunden fuhr ich. Trotz der späten Uhrzeit ging es noch ganz gut mit unserer Müdigkeit. Wir hatten besprochen, dass wir uns auf der Strecke ein Hotel nehmen, falls es gar nicht mehr geht. Stuttgart ist da immer eine gute Anlaufstelle. Dann hat man den größten Teil der Strecke geschafft, und die restlichen knapp 2 Stunden schafft man am nächsten Tag noch locker, auch wenn man morgens einen Termin hat.
Kurz vor Stuttgart waren wir aber ganz guter Dinge, dass wir den Rest auch noch schaffen würden und fuhren tapfer weiter. Naja, Nils war tapfer, ich bin eingeschlafen, obwohl ich mich bis dahin ganz gut gehalten hatte. 
An der neuen Wohnung angekommen, stellten wir den Wagen in der Garage ab, luden die wichtigsten Sachen aus dem Auto und holten die Luftmatratze aus dem Keller. Die hatte Nils hier schon deponiert. Und dann betraten wir zum ersten Mal "unsere" Wohnung in der Schweiz. Ein kurzer Rundgang musste genügen, wir machten uns im Bad fertig und sanken dann ins Bett. Und dann ..... konnten wir nicht einschlafen; alle beide nicht. Es war so ruhig, und der schlimmste Stress war vorbei, und wir lagen wach da rum. 

Am nächsten Morgen gingen wir zunächst zum Bäcker, um zu frühstücken. In der Wohnung hatten wir ja noch nichts, daher mussten wir auswärts essen. Danach suchten wir die Stadtverwaltung auf,  um mich am neuen Ort anzumelden und für Nils die Adresse zu ändern. Danach noch zur Bank, und dann riefen auch schon die Möbelpacker an, dass sie in einer halben Stunde da wären. 
Und dann ging das Geschleppe weiter:  Möbel rein, Kisten rein, Taschen rein. Wir standen immer parat, um anzusagen, was wo hin soll, während die Jungs für ganze 4 Stunden den Fahrstuhl blockierten. Hoffentlich waren die Nachbarn alle arbeiten. Nicht, dass wir uns hier gleich unbeliebt gemacht haben.

Nachdem die Packer weg waren, packten wir die ersten Kisten aus. Dabei fällt einem dann noch mal auf, wie viel Zeugs man so hat. Gegen Abend fuhren wir noch schnell los, um ein paar Einkäufe zu erledigen. Ganz dringend brauchten wir einen neuen Staubsauger. Der alte war so zerfleddert und nur noch von Klebeband zusammen gehalten, dass er seinen Weg zum Recyclinghof gefunden hatte. Außerdem brauchten wir noch Lebensmittel und ein bisschen Kleinkram.

Samstags beschäftigten wir uns wieder mit den Kartons. Und so nehmen wir uns nun täglich ein paar Kartons vor und räumen ein und wieder um und schmeißen weg und sortieren nochmal anders. Vor allem im Wohnzimmer und im Schlafzimmer sieht es noch ganz schön chaotisch aus, weil dort noch Möbel fehlen. Ein Bett haben wir schon bestellt, aber zu Wohnzimmermöbeln konnten wir uns noch nicht durchringen. Sitzen können wir erst mal, und alles andere muss sich dann mit der Zeit finden. Ich will nicht wieder überstürzt irgendwas bei IKEA kaufen und mich jahrelang darüber ärgern, dass ich einen Kompromiss gemacht habe.
Und auch die wunderschöne Terrasse muss noch möbliert werden. Einen Tisch, eine Bank und 2 Stühle haben wir schon, aber es fehlen noch Pflanzen, Liegen, Sichtschutz etc. Aber wir haben schon ein paar Mal draußen gesessen. Herrlich!

Abschied

Wie auch im Januar schon bei Nils' Abreise kam auch jetzt der Abschied in Raten daher.

Abschied in der Firma:
Ich hatte die Kollegen zu Kaffee und Kuchen im Besprechungsraum eingeladen, und es waren wirklich viele da. Es gab 2 Abschiedsreden, und auch ich konnte ein paar Dankesworte heraus bringen ohne in Tränen auszubrechen.
Was mich umhaute war der Geschenkeberg, den ich da bekam. Das Beste war genau das, worauf ich gehofft hatte:  ein Ordner mit vielen Fotos und lieben Worten von den Kollegen und teilweise sogar Ex-Kollegen. Wahnsinnig schön; vielen Dank, Leute!!

Der Tag, an dem ich den Kuchen mitgebracht hatte, war allerdings noch gar nicht mein letzter Arbeitstag. Der war erst eine Woche später. Den Kuchen hatte ich lediglich vorgezogen, weil in der darauf folgenden Woche etliche Leute Urlaub hatten oder auf Dienstreisen waren.

An dem eigentlichen letzten Arbeitstag bin ich dann nochmal durch den gesamten Betrieb gelaufen und habe mich persönlich verabschiedet von jedem, den ich angetroffen habe. Das hat natürlich lange gedauert, aber es war schön. Besonders skuril war der Kollege, der sonst nie den Mund aufkriegt und eigentlich mit niemanden spricht (nicht mal Guten Tag sagt). Der fing plötzlich an, mich auszufragen, was ich denn in der Schweiz mache und wann es denn los geht und so. Ich war total perplex.
Geplant hatte ich, um 15 Uhr Feierabend zu machen, es wurde dann aber 18 Uhr, bis ich dann endlich den Hof verlassen hatte. Noch ein kurzer Abschlussplausch mit dem Pförtner und dann ab nach Hause.

Abschied von Freunden und Familie:
Wir hatten lange überlegt, ob wir eine Abschiedsparty geben sollten. Eine kleine oder eine große oder lieber doch nicht, ..... es dauerte etwas. Dann aber entschlossen wir uns:  Wenn, dann richtig. Schließlich hatten wir auch die Hochzeitsfeier ewig lange vor uns hergeschoben, und da das nun auch schon 10 Jahre her war, konnten wir einfach alle Anlässe zusammen packen für diese Feier.

Als Location für unsere Hochzeitsfeier hatte ich mir immer etwas am Wasser erträumt. Da wir in der Karibik geheiratet hatten, wäre das so richtig schön passend gewesen. Nun fiel mir aber wirklich nichts in Wassernähe ein, wo ich hätte feiern wollen und so überlegten wir uns etwas anderes. Es sollte gemütlich sein, es müsste Möglichkeiten zur Beschäftigung für die Kinder geben, es sollte gutes Essen geben und es sollte nicht allzu weit weg von Hamburg sein. Der Geistesblitz kam einfach so ohne Vorwarnung daher: Wir waren doch im letzten Jahr mal mit unseren Freunden in der Heide in diesem tollen Café Schafstall gewesen. Dort rief ich gleich an und fragte, ob der von uns gewählte Termin noch frei war. Und das sollte einfach so sein: Obwohl wir spät dran waren mit unserer Planung, hatten die noch keine Feier eingetragen für diesen Tag. Man mailte uns Angebote für Kuchen, Getränke und Grillbuffet und nach einem persönlichen Besuch vor Ort hatten wir alles abgestimmt. Das war erfreulich unkompliziert.

Um dem Ganzen eine persönliche Note zu geben und irgendwie dann doch das Karibik-Thema aufzugreifen, kümmerte ich mich um die Tischdeko selbst (mit Hilfe meiner beiden Deko-Beraterinnen  ;-))  ).
An dem großen Tag holten wir M. und S. ab und fuhren zum Schafstall. Es fühlte sich ganz merkwürdig an, weil ich bislang nur kannte, dass man vor seiner Party stundenlang in der Küche steht und völlig am Ende ist mit den Nerven. Nun konnten wir aber entspannt dorthin fahren und die Tische dekorieren.
Als wir ankamen, waren die Bedienungen gerade dabei, einen Kaffeegarten einzudecken, allerdings den Falschen. Wir stoppten die Arbeiten und halfen dabei, die Tische umzustellen und den richtigen Garten herzurichten. Selbst diese Sache konnte die entspannte Grundhaltung nicht aufheben.
Als alles dekoriert war, war ich begeistert. Es sah toll aus! Und dann dauerte es auch nicht lange, bis die Gäste kamen.

Zur Begrüßung gab es Prosecco oder Orangensaft. Wir hatten unser eigenes Kuchenbuffet, von dem sich die Gäste bedienen konnten. Und dann war da plötzlich noch eine weitere Torte, eine Hochzeitstorte. Die hatten M. und S. selbst gemacht, so richtig mit Füllung und Marzipanrosen und so. Und oben drauf thronte ein knutschendes Elefanten-Brautpaar. Wie toll!
Die Torte mussten wir dann natürlich feierlich anschneiden, wie es sich auf einer Hochzeitsfeier gehört. Ganz viel Schoki war drin; sehr mächtig, aber lecker!

Mir fiel ein Stein vom Herzen, als ich sah, dass fast alle Gäste in Gespräche vertieft waren und sich anscheinend gut amüsierten. Und auch die Kinder hatten Beschäftigungen gefunden: Spielplatz, Seifenblasen, Frisbee-Scheibe, alles kam ganz gut an.

Bei einer Sache waren wir uns unsicher: Wie würde die geplante Kutschfahrt ankommen? Wir hatten die 20-Personen-Kutsche für 2 Stunden gebucht und abgesprochen, dass etwa 3 Fahrten ins Naturschutzgebiet stattfinden sollten. Davon versprachen wir uns eine kleine Abwechslung und einen Anreiz, ein bisschen in Bewegung zu kommen nach dem Kuchen.
Zuerst ging es etwas schleppend; nur die Kinder stürmten begeistert zur Kutsche. Später aber stiegen auch die Erwachsenen ein, und alle waren begeistert, denn so etwas erlebt man ja auch nicht jeden Tag. Puh, ist der Plan also doch aufgegangen.

Irgendwann kamen die Kinder ganz aufgeregt zu mir und meinten, ich müsse unbedingt mitkommen. Sie schleiften mich nach vorne zum Buffet, wo Nils schon auf mich wartete. Dann schleppten sie einen großen Stoffsack an, einen Bettbezug, wie ich bei näherem Hinsehen erkannte. Darin befand sich etwas, und wir sollten nun langsam den Reißverschluss öffnen. Das taten wir, und entgegen kamen uns Luftballons; rote herzförmige Ballons, die mit Helium gefüllt waren und sich sofort in den Himmel aufmachten. Wow, wieder so eine tolle Überraschung.

Und noch etwas, was M. vorbereitet hatte: Sie hat ein Bild auf Leinwand gemalt mit einem Baum drauf. Die Leinwand hatte sie aufgebaut und einen kleinen Farbtopf und Pinsel daneben gelegt. Die Gäste konnten nun mit der Farbe einen Fingerabdruck im Geäst hinterlassen und ihre Namen dazu schreiben. Zu Anfang ist das wohl etwas untergegangen, aber später machten sich dann viele doch die Finger schmutzig und verewigten sich auf diesem Kunstwerk.

Und wo ich gerade von Überraschungen schreibe:  Meine Kollegin I. hatte darauf bestanden, dass ich den Ordner, den ich geschenkt bekommen hatte, zur Feier mitbringe. OK, konnte ich ja machen, damit die anderen nochmal die Möglichkeit hatten, einen Blick da rein zu werfen.
Aber was war das denn? Da kamen doch auch noch andere Gäste, fragten nach dem Ordner und hefteten ihre Zettel da mit dazu. Das haben die alles hinter unserem Rücken arrangiert, und ich habe nix gemerkt. Toll!

Auch das Wetter hätte nicht besser sein können. Es war nicht zu heiß, teilweise bedeckt, aber den Nachmittag über trocken. Kurz bevor das Grillbuffet aufgebaut werden sollte, fing es an zu tröpfeln. Wir wurden befragt, was wir tun wollten. Ganz entgegen meines sonstigen Pessimismus sagte ich, dass wir einfach noch 10 Minuten abwarten. Es würde schon wieder aufhören. Und genau so war es auch. Die Suppe und Salate wurden aufgedeckt; der Grill war schon angeschmissen und nun konnten sich die Gäste einreihen, um die Schmankerln auf die Teller zu bekommen.
Irgendwann war es dann aber vorbei mit dem stabilen Wetter. Die meisten Leute waren fertig mit Essen, da fing es wieder zu tröpfeln und dann zu schütten an. Alle verzogen sich fluchtartig nach drinnen. Gut, dass die vom Schafstall auf jeden Fall immer auch die Plätze drinnen reservieren, so hatten wir unsere Ecke, in der wir sitzen konnten. Da war es zwar enger, aber auch irgendwie gemütlich, und die gute Stimmung ließen wir uns sowieso nicht vermiesen.
Drinnen wurde dann auch der Nachtisch noch aufgebaut.Es wurde weiter in dem Ordner geblättert, sich unterhalten, und die Kinder hatten ihren Spaß mit meiner Digitalkamera. Die haben die wildesten Fotos gemacht, leider alle recht unscharf.

Und dann kam noch die letzte Überraschung, die unsere Freunde vorbereitet hatten: Sie hatten Lose verteilt, immer paarweise an die Gäste. Einige hatten ein Freilos bekommen. Andere hatten einen Monat gezogen und damit verbunden eine kleine Aufgabe bekommen. Die Freunde hatten sich gedacht, es wäre doch schön, wenn wir zur Erleichterung der Eingewöhnung in der Schweiz 1 Jahr lang jeden Monat eine kleine Aufmerksamkeit aus der Heimat bekämen.Da haben sie sich Dinge ausgedacht wie z.B.
-  einen Krimi schicken, der am Bodensee spielt
-  ein Pfund Kaffee aus einer Hamburger Rösterei
-  selbst gebackene Kekse
-  selbst gemachte Marmelade
Und so geht die Liste weiter, 12 Monate lang. Fein, da freuen wir uns schon drauf!

Gegen 22 Uhr waren wir auf eine sehr übersichtliche Gruppe zusammen geschrumpft. Un auch die Letzten machten sich so langsam auf den Weg. Damit war es dann auch für uns Zeit zum Gehen. Wir bedankten uns bei den Bedienungen und verabrschiedeten uns. Kurz vor 23 Uhr lagen wir im Bett, völlig erledigt, aber happy aufgrund des schönen Tags, den wir mit unseren Lieben verbracht haben.