Um die Glut etwas anzufachen, hockte sich Nils vor den Grill und blies mit dem Mund Luft hinein. Bis zu einem gewissen Punkt funktionierte das auch ganz gut, aber dann übertrieb er es. Die Aschepartikel und kleine Stückchen der Glut wirbelten auf und flogen durch die Luft. Ein kleines Stück glühende Kohle traf ihn am Auge. --> Panik !!!
Nils rannte sofort ins Badezimmer, wusch sich das Auge aus, und ich gab ihm etwas zum Kühlen. Über und unter dem Auge bildete sich eine Brandblase, auf der Hornhaut des Auges konnte ich im Licht ebenfalls eine kleine Läsion erkennen.
Wir packten also unseren Kram zusammen und machten uns daran, das Krankenversorgungssystem der Schweiz anzutesten. Zunächst ruft man die Krankenversicherung an und meldet, dass man vorhat, einen Arzt aufzusuchen. Da es Samstag war, guckten die gleich in ihre Notfallisten und rieten uns, nach St. Gallen ins Krankenhaus zu fahren, weil die dort eine Augenklinik mit Notaufnahme haben.
Also los ins Auto, auf die Autobahn und ab die Post .... soweit das hier geht, denn bei 120 ist hier Schluss; mehr ist nicht erlaubt. Nils kühlte weiter sein Auge und ich versuchte, den Weg und dann einen Parkplatz zu finden.
Angekommen in der Notaufnahme gesellten wir uns zu den Humpelnden und Verbundenen. Man muss kurz warten, wird dann aufgerufen und berichtet dann, was passiert ist.
Ich bekam einen Besucherausweis, Nils hatte die Hände voll mit Formularen, Zetteln und jeder Menge Etiketten mit seinen Daten drauf. Das drucken die alles ganz zu Anfang aus und dann kommt einfach auf jedes Probenröhrchen oder jedes Stück Papier ein Etikett. Da braucht man weniger mit der Hand ausfüllen.
Nach kurzem Warten wurden wir aufgerufen, und eine junge Dame nahm uns mit durch die Schiebetür. Das war aber falscher Alarm, denn eine andere Frau fing uns ab, bat uns, nochmals Platz zu nehmen und schob uns wieder hinaus.
Nach nochmaligem Warten kam dann wieder eine andere Frau, die uns dann in eine völlig andere Richtung mitnahm. Dort wieder kurz warten und dann durfte Nils in das Behandlungszimmer. Gut, dass ich mir ein Buch mitgenommen hatte, da wurde es nicht so langweilig.
Es dauerte tatsächlich eine ganze Weile, bis der Arzt wieder zurück war. Im Gepäck hatte er eine Assistentin, die nach seiner Anweisung einen Augenverband anlegte und mir erklärte, welche Salbe wie oft und wie und wo aufgetragen werden muss.
Mit 3 Tuben und einem Nachsorgetermin am nächsten Tag konnten wir dann die Klinik verlassen.
Zuhause trug ich dann - wie vorgegeben - die Salben auf, machte Nils den Verband wieder dran und dann waren wir auch echt müde und kaputt. Es war fast 1 Uhr.
Gleich am nächsten Tag sollte Nils nochmal zur Nachsorge ins Krankenhaus kommen. Wir frühstückten, tüftelten einen Plan aus, wie Nils am besten duschen kann, ohne seinen Verband zu beschädigen oder Bakterien in die Augen zu bekommen, machten uns fertig und dann auf den Weg nach St. Gallen. Es war wieder schön sonnig und warm. Eigentlich hatten wir vor, im See schwimmen zu gehen, aber das geht ja mit einer Augenverletzung nicht so gut. Trotzdem planten wir, auf dem Rückweg irgendwo anzuhalten und ein bisschen Zeit am Wasser zu verbringen.
Die Augenklinik befindet sich im 17. Stock eines der Klinikgebäude. Oben angekommen teilte uns ein Schild mit, für Nachsorgetermine solle man sich doch bitte im 12. Stock einfinden. Das war ein bisschen so wie bei Asterix "das Haus, das verrückt macht".
Im 12. Stock warteten schon ein paar Leute, da gesellten wir uns einfach dazu. Man hatte uns gesagt, wir sollen uns auf Wartezeit einstellen, es werde viel los sein. Nach nicht einmal einer halben Stunde war Nils dran und nach 10 Minuten auch schon wieder raus. Den Verband durfte er abnehmen; eine Salbe darf er zukünftig weglassen, dafür hat er noch eine andere Salbe dazu bekommen.
Wir fuhren in Romanshorn ans Wasser, suchten uns ein Plätzchen im Schatten, wo man einigermaßen auf den Steinen sitzen konnte und beobachteten das Treiben auf dem See. Viele Segelboote waren unterwegs; der Zeppelin vom Museum in Friedrichshafen drehte seine Runden und an den Ufern hüpften überall die Leute ins Wasser auf der Suche nach einer Erfrischung.
Zumindest meine Füße wollte ich auch ins Wasser halten. Den Plan gab ich aber schnell auf, als ich auf den steilen Steinen kaum Halt finden konnte. Schließlich wollte ich nicht die Nächste in der Notaufnahme sein.
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