Ich hatte die Kollegen zu Kaffee und Kuchen im Besprechungsraum eingeladen, und es waren wirklich viele da. Es gab 2 Abschiedsreden, und auch ich konnte ein paar Dankesworte heraus bringen ohne in Tränen auszubrechen.
Was mich umhaute war der Geschenkeberg, den ich da bekam. Das Beste war genau das, worauf ich gehofft hatte: ein Ordner mit vielen Fotos und lieben Worten von den Kollegen und teilweise sogar Ex-Kollegen. Wahnsinnig schön; vielen Dank, Leute!!
Der Tag, an dem ich den Kuchen mitgebracht hatte, war allerdings noch gar nicht mein letzter Arbeitstag. Der war erst eine Woche später. Den Kuchen hatte ich lediglich vorgezogen, weil in der darauf folgenden Woche etliche Leute Urlaub hatten oder auf Dienstreisen waren.
An dem eigentlichen letzten Arbeitstag bin ich dann nochmal durch den gesamten Betrieb gelaufen und habe mich persönlich verabschiedet von jedem, den ich angetroffen habe. Das hat natürlich lange gedauert, aber es war schön. Besonders skuril war der Kollege, der sonst nie den Mund aufkriegt und eigentlich mit niemanden spricht (nicht mal Guten Tag sagt). Der fing plötzlich an, mich auszufragen, was ich denn in der Schweiz mache und wann es denn los geht und so. Ich war total perplex.
Geplant hatte ich, um 15 Uhr Feierabend zu machen, es wurde dann aber 18 Uhr, bis ich dann endlich den Hof verlassen hatte. Noch ein kurzer Abschlussplausch mit dem Pförtner und dann ab nach Hause.
Abschied von Freunden und Familie:
Wir hatten lange überlegt, ob wir eine Abschiedsparty geben sollten. Eine kleine oder eine große oder lieber doch nicht, ..... es dauerte etwas. Dann aber entschlossen wir uns: Wenn, dann richtig. Schließlich hatten wir auch die Hochzeitsfeier ewig lange vor uns hergeschoben, und da das nun auch schon 10 Jahre her war, konnten wir einfach alle Anlässe zusammen packen für diese Feier.
Um dem Ganzen eine persönliche Note zu geben und irgendwie dann doch das Karibik-Thema aufzugreifen, kümmerte ich mich um die Tischdeko selbst (mit Hilfe meiner beiden Deko-Beraterinnen ;-)) ).
An dem großen Tag holten wir M. und S. ab und fuhren zum Schafstall. Es fühlte sich ganz merkwürdig an, weil ich bislang nur kannte, dass man vor seiner Party stundenlang in der Küche steht und völlig am Ende ist mit den Nerven. Nun konnten wir aber entspannt dorthin fahren und die Tische dekorieren.
Als wir ankamen, waren die Bedienungen gerade dabei, einen Kaffeegarten einzudecken, allerdings den Falschen. Wir stoppten die Arbeiten und halfen dabei, die Tische umzustellen und den richtigen Garten herzurichten. Selbst diese Sache konnte die entspannte Grundhaltung nicht aufheben.
Zur Begrüßung gab es Prosecco oder Orangensaft. Wir hatten unser eigenes Kuchenbuffet, von dem sich die Gäste bedienen konnten. Und dann war da plötzlich noch eine weitere Torte, eine Hochzeitstorte. Die hatten M. und S. selbst gemacht, so richtig mit Füllung und Marzipanrosen und so. Und oben drauf thronte ein knutschendes Elefanten-Brautpaar. Wie toll!
Die Torte mussten wir dann natürlich feierlich anschneiden, wie es sich auf einer Hochzeitsfeier gehört. Ganz viel Schoki war drin; sehr mächtig, aber lecker!

Mir fiel ein Stein vom Herzen, als ich sah, dass fast alle Gäste in Gespräche vertieft waren und sich anscheinend gut amüsierten. Und auch die Kinder hatten Beschäftigungen gefunden: Spielplatz, Seifenblasen, Frisbee-Scheibe, alles kam ganz gut an.
Zuerst ging es etwas schleppend; nur die Kinder stürmten begeistert zur Kutsche. Später aber stiegen auch die Erwachsenen ein, und alle waren begeistert, denn so etwas erlebt man ja auch nicht jeden Tag. Puh, ist der Plan also doch aufgegangen.
Irgendwann kamen die Kinder ganz aufgeregt zu mir und meinten, ich müsse unbedingt mitkommen. Sie schleiften mich nach vorne zum Buffet, wo Nils schon auf mich wartete. Dann schleppten sie einen großen Stoffsack an, einen Bettbezug, wie ich bei näherem Hinsehen erkannte. Darin befand sich etwas, und wir sollten nun langsam den Reißverschluss öffnen. Das taten wir, und entgegen kamen uns Luftballons; rote herzförmige Ballons, die mit Helium gefüllt waren und sich sofort in den Himmel aufmachten. Wow, wieder so eine tolle Überraschung.Und noch etwas, was M. vorbereitet hatte: Sie hat ein Bild auf Leinwand gemalt mit einem Baum drauf. Die Leinwand hatte sie aufgebaut und einen kleinen Farbtopf und Pinsel daneben gelegt. Die Gäste konnten nun mit der Farbe einen Fingerabdruck im Geäst hinterlassen und ihre Namen dazu schreiben. Zu Anfang ist das wohl etwas untergegangen, aber später machten sich dann viele doch die Finger schmutzig und verewigten sich auf diesem Kunstwerk.
Und wo ich gerade von Überraschungen schreibe: Meine Kollegin I. hatte darauf bestanden, dass ich den Ordner, den ich geschenkt bekommen hatte, zur Feier mitbringe. OK, konnte ich ja machen, damit die anderen nochmal die Möglichkeit hatten, einen Blick da rein zu werfen.
Aber was war das denn? Da kamen doch auch noch andere Gäste, fragten nach dem Ordner und hefteten ihre Zettel da mit dazu. Das haben die alles hinter unserem Rücken arrangiert, und ich habe nix gemerkt. Toll!

Auch das Wetter hätte nicht besser sein können. Es war nicht zu heiß, teilweise bedeckt, aber den Nachmittag über trocken. Kurz bevor das Grillbuffet aufgebaut werden sollte, fing es an zu tröpfeln. Wir wurden befragt, was wir tun wollten. Ganz entgegen meines sonstigen Pessimismus sagte ich, dass wir einfach noch 10 Minuten abwarten. Es würde schon wieder aufhören. Und genau so war es auch. Die Suppe und Salate wurden aufgedeckt; der Grill war schon angeschmissen und nun konnten sich die Gäste einreihen, um die Schmankerln auf die Teller zu bekommen.
Irgendwann war es dann aber vorbei mit dem stabilen Wetter. Die meisten Leute waren fertig mit Essen, da fing es wieder zu tröpfeln und dann zu schütten an. Alle verzogen sich fluchtartig nach drinnen. Gut, dass die vom Schafstall auf jeden Fall immer auch die Plätze drinnen reservieren, so hatten wir unsere Ecke, in der wir sitzen konnten. Da war es zwar enger, aber auch irgendwie gemütlich, und die gute Stimmung ließen wir uns sowieso nicht vermiesen.
Drinnen wurde dann auch der Nachtisch noch aufgebaut.Es wurde weiter in dem Ordner geblättert, sich unterhalten, und die Kinder hatten ihren Spaß mit meiner Digitalkamera. Die haben die wildesten Fotos gemacht, leider alle recht unscharf.
Und dann kam noch die letzte Überraschung, die unsere Freunde vorbereitet hatten: Sie hatten Lose verteilt, immer paarweise an die Gäste. Einige hatten ein Freilos bekommen. Andere hatten einen Monat gezogen und damit verbunden eine kleine Aufgabe bekommen. Die Freunde hatten sich gedacht, es wäre doch schön, wenn wir zur Erleichterung der Eingewöhnung in der Schweiz 1 Jahr lang jeden Monat eine kleine Aufmerksamkeit aus der Heimat bekämen.Da haben sie sich Dinge ausgedacht wie z.B.
- einen Krimi schicken, der am Bodensee spielt
- ein Pfund Kaffee aus einer Hamburger Rösterei
- selbst gebackene Kekse
- selbst gemachte Marmelade
Und so geht die Liste weiter, 12 Monate lang. Fein, da freuen wir uns schon drauf!
Gegen 22 Uhr waren wir auf eine sehr übersichtliche Gruppe zusammen geschrumpft. Un auch die Letzten machten sich so langsam auf den Weg. Damit war es dann auch für uns Zeit zum Gehen. Wir bedankten uns bei den Bedienungen und verabrschiedeten uns. Kurz vor 23 Uhr lagen wir im Bett, völlig erledigt, aber happy aufgrund des schönen Tags, den wir mit unseren Lieben verbracht haben.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen