Da ein Großteil der Innenstadt weiträumig abgesperrt ist, reisen viele Menschen mit öffentlichen Verkehrsmitteln an. Dafür stellt die Schweizer Bahn auch umfangreiche Sonderfahrpläne auf. Leider wurde unsere Gegend dabei nicht ganz so großzügig berücksichtigt. Da wir das Feuerwerk sehen wollten, war klar, dass wir nachts nach Hause fahren mussten, und da war es eher mau mit den Verbindungen. Also fuhren wir mit dem Auto bis Winthertur und nutzten dort den Park & Ride Parkplatz.
Das Timing war eng aber ausreichend, und so saßen wir in der kaum ausgelasteten Bahn Richtung Zürich. Es gab 2 Zwischenstopps, an denen jede Menge Leute zustiegen, so dass der Waggon dann doch rappelvoll wurde. 1 Station vor dem Hauptbahnhof stiegen dann die meisten aus. Dort konnte man schon einen ersten Eindruck von dem Treiben auf dem Fäscht bekommen. Hölle, so viele Menschen, und das bei der Hitze!
Wir hatten bis Hauptbahnhof gebucht, stiegen dort aus und suchten den Bahnschalter auf, um eine Halbtax-Karte für mich zu beantragen. Eigentlich wollten wir das schon vorher machen, waren aber 5 Minuten zu spät dran; es war schon Wochenende. In der großen Stadt aber waren die Schalter noch besetzt, also konnte ich mein Anliegen los werden und eine vorläufige Karte bekommen.
Da es schon früher Abend war und wir seit dem Frühstück nichts gegessen hatten, starteten wir erst mal mit einer Stärkung. Wir arbeiteten uns durch die Menschenfluten und teilten uns an verschiedenen Buden je 1 Portion Raclette, Calamari und St. Galler Bratwurst. Gut, dass wir genug Geld und eine große Flasche Wasser eingesteckt hatten, denn hier mal ein kurzer Einblick in das Schweizer Preisniveau:
1 Bratwurst ==> 7 CHF ==> ca. 5,60 EUR
1 Portion Raclette ==> 10 CHF ==> ca. 8 EUR
1 Portion Thaicurry ==> 12 CHF ==> ca. 9,60 EUR
1 Donut ==> 3 CHF ==> ca. 2,40 EUR
1 Bier (0,5 l) ==> 5,50 CHF ==> ca. 4,40 EUR
1 Wasser, Cola, ... (0,5 l) ==> 5 CHF ==> ca. 4 EUR
1 Hugo ==> 10 CHF ==> ca. 8 EUR
1 Caipi ==> 12 CHF ==> ca. 9,60 EUR
Tapfer kämpften wir uns rechts der Limmat (siehe Lageplan) zum See vor und dann immer am Seeufer entlang. Hier und dort gab es mal Stellen, wo man sich wirklich minutenlang gar nicht vorwärts bewegen konnte, dann ging es aber zwischendurch auch mal wieder etwas besser.
An einer Stelle blieben wir stehen, um die Flugshow der Patrouille Suisse (Kunstflugstaffel der Schweizer Armee) zu betrachten. Die flogen da mit 9 Flugzeugen die dollsten Kunststücke ganz tief über der Stadt und dem See. Sehr beeindruckend! Anscheinend hatte es im Vorwege Diskussionen um die Tiefflüge und die damit verbundene Gefahr und Lärmbelästigung gegeben. Der Auftritt der Flugstaffel war sogar abgesagt worden. Die Kunstflieger erfreuen sich aber einer unglaublichen Beliebtheit bei der Schweizer Bevölkerung, und so hat man sich offensichtlich doch durchgerungen, die Flugshow zu genehmigen.
Jede Fläche, auf der man sitzen konnte, war bereits belegt, jeder Mauervorsprung, jeder Poller, jede Brunnenumrandung. Nicht nur uns schmerzten die Beine.
Irgendwo fanden wir dann aber doch noch eine Treppe vor einem Firmengebäude, wo wir uns niederlassen konnten. Dort schütteten wir uns erst mal ordentlich Wasser in den Hals und verschnauften. Leider saßen dicht neben uns 3 Jugendliche, die es sich mit einer Flasche Johnny Walker, einer Flasche Cola und ein paar Joints gemütliche gemacht hatten. Egal, wir versuchten, das zu ignorieren, genauso wie die Gruppen von Menschen, die an uns vorbei ins Gebüsch gingen, um sich dort zu erleichtern.
Und dann folgte ca. 25 Minuten Feuerwerk aus allen Rohren zu klassischer Musik. Von 3 schwimmenden Pontons aus wurde angefeuert, was die Pyrotechnik-Abteilung so hergab, und sogar vom Flugzeug aus wurde Feuerwerk geliefert. Sowas habe ich noch nie gesehen.
Jeweils am Freitag und am Samstag gibt es ein Feuerwerk zum Züri Fäscht, und beide gehören zu den 5 größten in Europa.
Außerdem darf man nicht vergessen, dass die Sause in Zürich ja noch bis 5 Uhr morgens weiter ging. Nur die Familien, die Älteren und die Schlappen (wir) fuhren schon um Mitternacht nach Hause.
Als Fazit kann man sagen, dass das Züri Fäscht eine Flut an Sinneseindrücken bietet. Es ist mit Sicherheit für jeden etwas dabei (außer für die, die gerne ihre Ruhe haben). Wenn man alles sehen will, dann braucht man auf jeden Fall die vollen 3 Tage von morgens bis abends. Das wäre dann nichts für mich, aber so für ein paar Stunden war das ein echtes Highlight, das ich sicherlich wiederholen werde, falls ich mich dann noch in der Gegend aufhalte (man weiß ja nie).
P.S. Hatte ich das gigantisch tolle Wetter erwähnt? Strahlende Sonne, blauer Himmel, keine noch so winzige Wolke am Himmel.
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