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Dienstag, 9. Juli 2013

Züri Fäscht 2013

In der Schweiz gibt es unglaublich viele Events und Open Airs. Manchmal drängeln sich so viele Veranstaltungen an einem Wochenende, dass man die Qual der Wahl hat. So war es auch am vergangenen WE. Es gab ein großes Jodelfest, ein Fest, auf dem die Bodenseefischer ihre Fische zubereiten und anbieten und das Züri Fäscht. Das das Letztere nur alle 3 Jahre stattfindet, entschieden wir uns dafür, dort hin zu fahren, auch wenn es die weiteste Anreise erforderte. Es ist das größte Fest der Schweiz und findet an 2 Ufern des Zürisees statt. Es wurden 2 Mio. Besucher erwartet und unserem Eindruck nach, wurde diese Marke mindestens erreicht.
Da ein Großteil der Innenstadt weiträumig abgesperrt ist, reisen viele Menschen mit öffentlichen Verkehrsmitteln an. Dafür stellt die Schweizer Bahn auch umfangreiche Sonderfahrpläne auf. Leider wurde unsere Gegend dabei nicht ganz so großzügig berücksichtigt. Da wir das Feuerwerk sehen wollten, war klar, dass wir nachts nach Hause fahren mussten, und da war es eher mau mit den Verbindungen. Also fuhren wir mit dem Auto bis Winthertur und nutzten dort den Park & Ride Parkplatz.
Das Timing war eng aber ausreichend, und so saßen wir in der kaum ausgelasteten Bahn Richtung Zürich. Es gab 2 Zwischenstopps, an denen jede Menge Leute zustiegen, so dass der Waggon dann doch rappelvoll wurde. 1 Station vor dem Hauptbahnhof stiegen dann die meisten aus. Dort konnte man schon einen ersten Eindruck von dem Treiben auf dem Fäscht bekommen. Hölle, so viele Menschen, und das bei der Hitze!
Wir hatten bis Hauptbahnhof gebucht, stiegen dort aus und suchten den Bahnschalter auf, um eine Halbtax-Karte für mich zu beantragen. Eigentlich wollten wir das schon vorher machen, waren aber 5 Minuten zu spät dran; es war schon Wochenende. In der großen Stadt aber waren die Schalter noch besetzt, also konnte ich mein Anliegen los werden und eine vorläufige Karte bekommen.

Und dann stürzten wir uns in das Getümmel. So eine unglaubliche Menge an Fressbuden, und Tüdelkrambuden habe ich wirklich noch niemals irgendwo gesehen. Unterbrochen wurden die Marktstände immer wieder von Bühnen und DJ-Pulten. Aus allen Richtungen dröhnte die Musik auf einen ein und alles bunt gemischt: hier gab es psychedelische Disco-Beats, dort volkstümliche Jodelei und dann wieder die Evergreens von Bryan Adams bis ZZ Top. Dazu Essengerüche, Menschenmassen, Veranstaltungen zum Gucken und die brennende Sonne vom Himmel; das war ein wahrer Overkill an Sinneswahrnehmungen.

Da es schon früher Abend war und wir seit dem Frühstück nichts gegessen hatten, starteten wir erst mal mit einer Stärkung. Wir arbeiteten uns durch die Menschenfluten und teilten uns an verschiedenen Buden je 1 Portion Raclette, Calamari und St. Galler Bratwurst. Gut, dass wir genug Geld und eine große Flasche Wasser eingesteckt hatten, denn hier mal ein kurzer Einblick in das Schweizer Preisniveau:

1 Bratwurst                      ==>    7 CHF       ==>  ca. 5,60 EUR
1 Portion Raclette             ==>  10 CHF       ==>  ca. 8 EUR
1 Portion Thaicurry           ==>  12 CHF       ==>  ca. 9,60 EUR
1 Donut                            ==>    3 CHF       ==>  ca. 2,40 EUR
1 Bier  (0,5 l)                    ==>    5,50 CHF  ==>  ca. 4,40 EUR
1 Wasser, Cola, ... (0,5 l)  ==>    5 CHF       ==>  ca. 4 EUR
1 Hugo                             ==>  10 CHF       ==>  ca. 8 EUR
1 Caipi                             ==>  12 CHF       ==>  ca. 9,60 EUR

Da ist es natürlich kein Wunder, dass viele Leute - besonders die jüngeren - sich ordentlich Alkohol im Rucksack mitgebracht hatten. Überall saßen die Menschen auf jeder ebenen Fläche und ruhten sich aus, konsumierten ihre mitgebrachten Getränke und auch ein Duft von Marihuana waberte in den versteckteren Ecken durch die Luft.

Tapfer kämpften wir uns rechts der Limmat (siehe Lageplan) zum See vor und dann immer am Seeufer entlang. Hier und dort gab es mal Stellen, wo man sich wirklich minutenlang gar nicht vorwärts bewegen konnte, dann ging es aber zwischendurch auch mal wieder etwas besser.
An einer Stelle blieben wir stehen, um die Flugshow der Patrouille Suisse (Kunstflugstaffel der Schweizer Armee) zu betrachten. Die flogen da mit 9 Flugzeugen die dollsten Kunststücke ganz tief über der Stadt und dem See. Sehr beeindruckend! Anscheinend hatte es im Vorwege Diskussionen um die Tiefflüge und die damit verbundene Gefahr und Lärmbelästigung gegeben. Der Auftritt der Flugstaffel war sogar abgesagt worden. Die Kunstflieger erfreuen sich aber einer unglaublichen Beliebtheit bei der Schweizer Bevölkerung, und so hat man sich offensichtlich doch durchgerungen, die Flugshow zu genehmigen.

Wir liefen weiter immer am Seeufer entlang bis das Ende der Buden erreicht war. Um aus dem Getümmel mal heraus zu kommen, steuerten wir eine Seitenstraße an, aber da war nix zu machen: selbst die Neben- und Parallelstraßen zum Fest waren noch so voll, wie die B73 beim Altstadtfest von Otterndorf zu seiner besten Zeit, obwohl es hier keine Buden und nix gab.
Jede Fläche, auf der man sitzen konnte, war bereits belegt, jeder Mauervorsprung, jeder Poller, jede Brunnenumrandung. Nicht nur uns schmerzten die Beine.
Irgendwo fanden wir dann aber doch noch eine Treppe vor einem Firmengebäude, wo wir uns niederlassen konnten. Dort schütteten wir uns erst mal ordentlich Wasser in den Hals und verschnauften. Leider saßen dicht neben uns 3 Jugendliche, die es sich mit einer Flasche Johnny Walker, einer Flasche Cola und ein paar Joints gemütliche gemacht hatten. Egal, wir versuchten, das zu ignorieren, genauso wie die Gruppen von Menschen, die an uns vorbei ins Gebüsch gingen, um sich dort zu erleichtern.

Langsam wurde es Zeit, sich einen guten Platz für das Feuerwerk auszusuchen, daher machten wir uns wieder auf den Weg. Über Internet suchten wir heraus, wo sich die Bahn-Station befindet, an der auf unserem Hinweg so viele Leute ausgestiegen sind, und versuchten, dort in der Nähe einen Platz mit guter Sicht auf das Geschehen zu finden. Und das gelang uns sogar. Es standen zwar jede Menge Menschen vor uns, aber das Feuerwerk fand ja in der Luft statt, und dahin hatten wir freies Blickfeld ohne Bäume, Stromleitungen oder sonstiges.
Bis es endlich losging, mussten wir noch eine Dreiviertelstunde stehen, was ganz schön anstrengend war, aber dann kam wirklich eine wunderschöne Feuerwerkshow. Alles begann mit beleuchteten Fallschirmspringern, die aus Flugzeugen absprangen und auf den See heruntersegelten. Dazu Skyfall von Adele ..... Gänsehaut!
Und dann folgte ca. 25 Minuten Feuerwerk aus allen Rohren zu klassischer Musik. Von 3 schwimmenden Pontons aus wurde angefeuert, was die Pyrotechnik-Abteilung so hergab, und sogar vom Flugzeug aus wurde Feuerwerk geliefert. Sowas habe ich noch nie gesehen.
Jeweils am Freitag und am Samstag gibt es ein Feuerwerk zum Züri Fäscht, und beide gehören zu den 5 größten in Europa.

Als alles vorbei war, strömten die Mengen vom Wasser weg zu den Buden oder zu den Bahnstationen. Auch wir machten uns auf den Weg zum Bahnhof, wo wir uns wieder in einem Meer von Menschen wiederfanden. Unser Zug war voll, aber nicht überfüllt. Es gelang uns sogar, einen Sitzplatz zu ergattern. Wir mussten umsteigen und dann noch eine Station fahren. Insgesamt alles easy-peasy. Für so ein großes Event hatte ich mir das drängeliger vorgestellt, aber Nils meinte, in unsere Richtung würden eben nicht ganz so viele Leute fahren.
Außerdem darf man nicht vergessen, dass die Sause in Zürich ja noch bis 5 Uhr morgens weiter ging. Nur die Familien, die Älteren und die Schlappen (wir) fuhren schon um Mitternacht nach Hause.

Als Fazit kann man sagen, dass das Züri Fäscht eine Flut an Sinneseindrücken bietet. Es ist mit Sicherheit für jeden etwas dabei (außer für die, die gerne ihre Ruhe haben). Wenn man alles sehen will, dann braucht man auf jeden Fall die vollen 3 Tage von morgens bis abends. Das wäre dann nichts für mich, aber so für ein paar Stunden war das ein echtes Highlight, das ich sicherlich wiederholen werde, falls ich mich dann noch in der Gegend aufhalte (man weiß ja nie).

P.S. Hatte ich das gigantisch tolle Wetter erwähnt? Strahlende Sonne, blauer Himmel, keine noch so winzige Wolke am Himmel.

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